Himmlische Pralinen (1)

Ich habe mir überlegt, über die Feiertage mal eine nette kleine Kurzgeschichte zu bringen. Die Geschichte hat von allem etwas, denke ich, und (selbstverständlich) auch Humor! Aber bitte, lest selbst.

Träume, sie sind …

so schön …

… so leise …

… so … aaautsch!!!?

Sachte, ganz sachte öffnete Lilly die Augen. Sie zwinkerte irritiert. Wieso war alles so weiß hier, um sie herum? Sicherheitshalber schloss sie noch einmal die Augen.

Hatte sie alles nur geträumt?

Lilly atmete tief ein, und wieder aus. Ihre Yogalehrerin hatte ihr schließlich beigebracht was es heißt sich zu entspannen! Erneut öffnete sie ihre Augen, doch das Bild hatte sich nicht verändert. Ihre Umgebung blieb einfach weiß. Das war jetzt nicht einmal etwa so ein schönes Cremeweiß, Champagner oder wenigstens der Ton Marke „Eierschale“. Alles was sie sah, war ausnahmslos klinisch weiß! Sie fröstelte.

Noch immer müde und etwas benommen rieb sich Lilly die Augen, und strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn. Vorsichtig richtete sie sich auf. Lilly hatte auf einem Stuhl gelegen, beziehungsweise auf zwei Stühlen. Vielmehr waren es Sitzschalen, aus hartem Kunststoff, wie man sie etwa aus Fussballstadien kennt. Und, wer hätte es gedacht, auch die waren weiß!

Lilly verzerrte das Gesicht, als sie sich den vermeintlich schmerzenden Rücken rieb. Doch der schmerzte gar nicht! Sehr erstaunlich, aber ein zufriedenstellender Umstand!

Könnte alles doch wesentlich schlimmer sein, dachte Lilly, und musste plötzlich an sich herab sehen. Merkwürdig, sie war selbst über und über in Weiß gekleidet. So was?! Sie konnte sich nun wirklich nicht daran erinnern, wie sie hier her kam, und noch weniger daran, dass sie sich am Morgen so angezogen haben sollte! Schrecklich! Diese Nicht-Farbe stand ihr doch gar nicht. Außerdem konnte sie so wohl kaum länger als eine halbe Stunde durch die Weltgeschichte gehen, ohne sich üble Flecken auf dem Zeug einzuhandeln. In Sachen Mode hatte Lilly nicht immer ein gutes Händchen bewiesen, aber so, wie jetzt, lief sie definitiv niemals freiwillig herum!

Nein, irgendetwas lief hier gehörig schief! Skeptisch nestelte Lilly an dem Saum ihres Shirts herum das sie trug; dann widmete sie sich wieder ihrer Umgebung zu. Die Sache mit den weißen Klamotten konnte sie jetzt eh nicht ändern! Also, wie war sie noch gleich hierher gekommen?

Lillys Erinnerungen blieben ihr die Antwort schuldig, so sehr sie sich auch darum bemühte. Der Raum, in dem sie hockte, war schmal geschnitten. Zu beiden Seiten waren diese Sitzschalen angebracht, auf denen Lilly auch gelegen hatte. Kein Mensch weiß wie lang. All das hatte etwas von einem Wartezimmer. Und ich hasse Wartezimmer, dachte Lilly und zog eine Grimasse. Die Vorstellung in einem Wartezimmer zu sitzen verband sie automatisch mit einem Zahnarztbesuch, und der bereitete ihr grundsätzlich nie Vergnügen! Doch dieses vermeintliche Wartezimmer hier, war nicht nur sehr schlecht besucht, es war auch noch so derartig geschmacklos eingerichtet, dass der Inneneinrichter verklagt werden sollte, befand sie kurzerhand, und rümpfte die Nase.

Lilly stand auf, und reckte sich noch einmal ausgiebig. Schließlich war sie allein, also konnte sie sich auch etwas gehen lassen. Wie ein Embryo hatte sie auf diesen zwei Stühlen gelegen. Diese Art von Sitzschalen waren vielleicht praktisch, aber doch nicht wirklich gemütlich! Ein Wunder, dass sie sich überhaupt bewegen konnte! Wie hatte sie es darauf nur, wie lange auch immer, aushalten können? Zuhause hätte sie unter ihrer Matratze auch eine Erbse ausfindig machen können.

Ob ihr Make Up noch in Ordnung war? In ihrer Handtasche hatte Lilly einen Spiegel, und wo war die nun wieder?

Dieser Tag war ja nun wirklich so was von verkorkst! Auch ihre Handtasche war verschwunden. Das kostbare Stück!

Genervt griff Lilly sich an die Stirn. Ihr Kopf fühlte sich schwer an, und ein dumpfes Gefühl machte sich breit. Vermutlich bekam sie eine Migräne, was sie angesichts dieser Lage so gar nicht wunderte! Lillys Schläfen pochten, und sie massierte sie mit ihren Fingerspitzen. An was kann ich mich denn noch erinnern, verflixt!, grübelte Lilly.

Hatte ich einen Arzttermin?

Musste ich dort einfach nur länger als üblich warten?

War ich hier am Ende eingeschlafen?

Ob die hier wenigstens eine Kopfschmerztablette für mich haben?

Ich war aber doch noch nie bei einem Arzt, der so ein geschmackloses Wartezimmer hat!

Doch so sehr Lilly auch ihre Hirnwindungen bemühte, sie fand zu keinem Ergebnis.

Seufzend atmente sie aus. Wenn sie ihrer Freundin von diesem Moment erzählte, dachte sie bestimmt, Lilly hätte nicht alle Tassen im Schrank!

Plötzlich vernahm sie ein Geräusch, und hob ruckartig den Kopf.

Was war das?

Lilly lauschte angestrengt und starrte auf die Wand, die ihr gegenüber lag.

Sie hielt den Atem an.

Da war doch so etwas wie … ein … Gemurmel!?

Sie lauschte weiter.

Doch jetzt war nichts weiter zu hören. Hatte sie sich das alles nur eingebildet? Es war absolut still.

Doch dann murmelte wieder etwas. Das heißt, nicht etwas, sondern jemand!

Mit offenem Mund starrte Lilly auf die weiße Wand vor ihr. Da sprach tatsächlich jemand. Ein Mann!

Die Stimme war nur ganz leise zu hören. Da Lilly das Geräusch nun lokalisiert hatte, ging sie, wie auf Samtpfoten, auf die Wand zu. Wenn sie ihr Ohr daran hielte, konnte sie doch bestimmt hören was dort gesprochen wurde. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Lilly noch darüber nach, ob ihr Make Up vielleicht Spuren an dieser klinisch weißen Wand hinterlassen würde, wenn sie an ihr lauschte. Verscheuchte den Gedanken aber gleich wieder. Hier ging es um Wichtigeres, als um einen winzig kleinen Flecken an der Wand! Hier ging es um wichtige Informationen!

Lilly schnappte nach Luft, um sie sogleich wieder anzuhalten, ehe sie ihr Ohr sachte an die Wand presste; die daraufhin leider nachgab!

Eine unsichtbare Schwingtür!?

Mit einem ziemlich lauten »Huups!« stolperte Lilly in den Nebenraum, ehe sie augenblicklich stocksteif stehen blieb.

Lilly hatte in ihrem, na ja, eigentlich immer noch ziemlich jugendlichen Alter, schon so einiges erlebt, aber was sie hier zu sehen bekam, war nichts für schwache Nerven!

– Fortsetzung folgt – (also ich würde dran bleiben!)

© N. Markfort – Dezember 2015

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42 Gedanken zu „Himmlische Pralinen (1)

  1. Och menno, warum spannst du uns so auf die Folter. *nörgel* Du könntest doch jetzt die Fortsetzung schreiben. 😉
    Ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest mit vielen frohen Stunden und tollen Geschenken.
    Ganz liebe Grüße von Bärbel

    • Na ja, weil die Geschichte einfach zu lang ist, um sie in einem Rutsch zu bringen. Glaub ich. Muss ich selbst noch mal beobachten 😆
      Liebe Bärbel, ich wünsche euch ebenfalls ein ganz wunderbares Weihnachtsfest und für die Gesundheit nur das Beste!
      Alles Liebe, Emily

  2. huch, sie ist ein Engel? Die Wand watteweiche wolken?
    Sehr geheimnisvoll das Ganze, liebe Emily

    Friedliche Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr
    wunscht Dir von Herzen
    Bruni

    • Liebe Bruni, du glaubst ja nicht, wie nah du dran bist 😉 Und doch nicht so ganz. Es bleibt noch ein wenig geheimnisvoll. Muss einfach sein!
      Alles alles Liebe und ein wundervolles Weihnachtsfest wünscht dir,
      die Emily ♥

  3. Sehr spannend..liebe Emily, da warte ich gern auf Teil 2
    Finde ich gut, dass du sie geteilt hast 🙂
    ❤ Liebe Grüße …bis demnächst hier
    Fischi

  4. Du hast mich total neugierig gemacht und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung.
    Ich wünsche Dir ein gesegnetes, frohes und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Deiner Lieben.
    LG
    Astrid

    • Das freut mich sehr, liebe Astrid!
      Vielleicht kommst du zum Nachlesen ja noch mal rum die Tage…
      Hab auch du ein wunderschönes Weihnachtsfest und herzliche Grüße, Emily

  5. Wünsche Dir und Deinen Lieben ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest,
    mit allen guten Wünschen für das Jahr 2016 besonders Gesundheit, viel Glück und Segen.
    Alles Liebe Lis

  6. Vielen Dank für die wirklich schöne Geschichte.
    Ich bleib sicher dran…..bin gespannt wies weitergeht.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Peggy aus Wien

  7. Eine sehr schöne Geschichte! Liebe Emily, ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch!

    Herzliche Vorheiligabendgrüße an dich von
    Marlis

    • Vielen lieben Dank für deine Worte Marlis. Freut mich, wenn dir der Anfang gefällt!
      Fröhliche Weihnachten und komme gut und gesund ins neue Jahr,
      alles Liebe,
      Emily

  8. Pingback: Himmlische Pralinen: Ein ungewöhnliches Wiedersehen… | Emily's Blog

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