Himmlische Pralinen (2): Ein ungewöhnliches Wiedersehen…

(Fortsetzung  »Himmlische Pralinen«, die ganze bisherige Geschichte findest du HIER)

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Lilly auf drei junge Männer, die sie allerdings nicht weniger erstaunt ansahen. Und erstaunt war dabei ein sehr dehnbarer Begriff! Nebenbei erwähnt, trugen die Männer weiße Jeans und Shirts. Augenscheinlich hatten hier alle denselben Designer! Oder wir sind alle in der Klappse, dachte Lilly und schickte ihrem Gedanken schnell ein Stoßgebet hinterher: Bitte, bitte, lass uns nur den selben Designer haben!

Die Kleidung der Männer war jedenfalls ziemlich eng geschnitten, was Lilly zugegebenermaßen ziemlich erfreulich fand. Sie alle hockten auf diesen weißen Sitzschalen, wie sie auch schon im Nebenraum angebracht waren. Überhaupt glich dieser Raum dem, in dem sie zuvor aufgewacht war. Dieser hier war nur um Längen größer, und auch hier war alles durchweg weiß. Irgendjemand hatte hier ganz klar eine eindeutige Phobie gegen Farbe! Doch war das nicht der Grund, warum alle Beteiligten in einer Schockstarre verharrten, und sich sprachlos ansahen. Was dem Fass nun wirklich den Boden ausgeschlagen hatte war die Tatsache, dass Lilly diese Männer kannte. Und zwar, oh je, jeden Einzelnen von ihnen!

Genau damit wurde auch der Kern des Ganzen offensichtlich, denn die drei Männer hatten ein ziemlich gravierendes Problem: Diese Männer hier waren nämlich alle mausetot! Außerdem war da noch der vielleicht nicht ganz unerhebliche Gegenstand der Sache, dass Lilly mit jedem einzelnen von ihnen einmal zusammen war. Sie war nur bereits von jedem getrennt gewesen, ehe ihnen etwas zustieß.

Eieiei, dachte sie, und sah sprachlos von einem zum anderen. Wenn man an dieser Situation überhaupt etwas Gutes ausmachen wollte, dann war es wohl die Tatsache, dass sie für das Ableben der Männer nun wirklich keinerlei Verantwortung trug! Ihren letzten Weg waren sie schließlich alle ganz alleine gegangen. Dabei war der Weg für zwei der Herren mit Sicherheit alles andere als schön gewesen, sofern man das an der Stelle überhaupt sagen konnte! Wobei, bei Stefan war damals alles vermutlich recht schnell gegangen …

Stefan war ein leidenschaftlicher Sportler gewesen. Oder war er das jetzt immer noch? Wie dem auch sei. Ein Veranstalter für Bungeesprünge hatte sich damals eine neue Location für eine Gruppe von Springern ausgesucht. Ein richtiges Highlight sollte es werden. War es auch. Rein optisch betrachtet. Leider hatte der Veranstalter dabei nicht in Erwägung gezogen, dass die Bungeeseile bei Änderung der Sprunglocation auch auf ihre Länge hin überprüft werden mussten. Stefan sprang jedenfalls als Erster seiner Gruppe, und damit auch als letzter. Das Seil war zu lang gewesen. Oder die Brücke zu niedrig. Man konnte es betrachten wie man wollte, das Ergebnis blieb leider dasselbe! Das Sprungereignis war damit jedenfalls schneller beendet als vermutet.

»Lilly?«, fragte Mario in die Stille hinein, der als Erster seine Sprache wiederfand. Er war der Älteste von den dreien.

Man, was sieht der gut aus!, dachte Lilly.

Übrigens sahen sie alle verflixt gut aus! Wie machten die das nur? Trotz, na ja, trotz dieser unschönen Unfälle! Lilly sah schon blass aus, wenn sie mal eine Nacht schlecht schlief. Aber die hier, hatten eigentlich ganz andere Probleme!

Der arme Mario stand eines Tages nämlich leider einem ziemlich großen Laster im Weg. Der Fahrer war damals mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Dummerweise war der gleichzeitig damit beschäftigt sein Autoradio einzustellen. Er sah Mario gerade noch, kam aber nicht mehr dazu die Bremse zu benutzen. Ach Mario, der hatte nun wirklich stets ein gutes Herz, und genießen konnte der…

Tja, und Michael? Michael war hier also der Dritte im Bunde. Er war damals Tierpfleger gewesen. Die Beziehung zu ihm war sicherlich die leidenschaftlichste, aber auch die kürzeste von allen. Michael war Lilly eine Spur zu zickig gewesen. Mit seinen Tieren konnte er bedeutend besser umgehen, als mit Menschen. Eine Weile lang jedenfalls. Eines Tages spielte Michael nämlich mit einem jungen Löwenbaby. Leider hatte er dabei nicht bemerkt, dass das Gehege seiner Eltern nicht verschlossen gewesen war, und daher offen stand. Kurze Zeit später spielten die Löweneltern jedenfalls mit ihm. Zumindest las es sich so am nächsten Tag in der Zeitung.

Ein Schauer überkam Lilly. Wenn die hier alle… na ja, tot waren… was bin ich denn dann?, fragte sie sich, verscheuchte dann aber sofort jeden Gedanken an eine Antwort, als wäre sie eine lästige Fliege gewesen.

Stattdessen räusperte sie sich.

»Äh ja. Tatsächlich. Ihr werdet es nicht glauben, aber ich bin es! Wer hätte das gedacht, was?«, stotterte sie in die Runde, und kam sich wie ein Volltrottel vor.

Das ging doch wohl besser! Sie lachte unbeholfen.

»Mensch Jungs! Wir haben uns ja… schon ganz schön lange nicht mehr gesehen!«, schob sie ein wenig kleinlaut nach.

Am liebsten hätte sie sich vor Scham gegen die Stirn geschlagen. An ihrer Wortwahl musste sie wirklich dringend intensiv arbeiten! Himmel, was waren ihre Antworten vielleicht dämlich. Es war ja wohl logisch, dass sie sich alle schon lange nicht mehr gesehen hatten, sie waren ja auch tot! Also irgendwie jedenfalls.

»Und? Wie geht es euch so?«, hörte sie sich weiter fragen, hätte sich aber auch für diese Frage am liebsten einen inneren Tritt in den Hintern geben können. Wenn sie einmal in Form war, war sie schlichtweg kaum zu bremsen!

Allerdings, zum einen sahen die Männer, die hier vor ihr standen, wirklich blendend aus und zum anderen musste sie dringend erfahren, warum sie überhaupt hier war!

Noch während Lilly weiterhin in ihren Gedanken verstrickt war, sprang Mario einfach auf, ging auf sie zu und umarmte sie fest und innig. Und er fühlte sich ja so was von gut an!, befand sie kurzerhand.

Mario hatte, wie Stefan, Zeit seines Lebens viel Sport getrieben, und durch sein weißes, so unglaublich eng geschnittenes, T-Shirt spürte sie jeden seiner extrem gut definierten Muskeln. Jetzt standen auch Stefan und Michael auf, und gingen auf Mario und Lilly zu. Ungläubig sahen sie auf Lilly herab. Sie war halt nicht die Größte in Sachen Körperlänge, sie hatte eben andere Qualitäten!

»Lilly?«, fragte Stefan ebenfalls noch einmal, wenngleich die Frage wohl eher rein rhetorisch gemeint sein durfte. Schließlich war längst geklärt, dass sie es war. Andererseits war er ja derjenige, der leider auf den Kopf gefallen war als… Schwamm drüber!

Lilly lächelte.

»Aber, was machst du hier?«, fragte Michael in die illustre Runde. Dann umarmte auch er sie.

»Hee! Leute! Leute!! Ich krieg‘ ja keine Luft mehr!«, quengelte Lilly atemlos, und verschaffte sich etwas Freiraum. Stefan lachte laut auf.

»Keine Sorge! Die brauchst du hier eh nicht mehr!«

(Fortsetzung folgt – und ich würde immer noch dran bleiben!)

© N.Markfort – Dezember 2015

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21 Gedanken zu „Himmlische Pralinen (2): Ein ungewöhnliches Wiedersehen…

  1. ahnte ich es doch, sie sind alle im watteweichen Wolkenhimmel hoch oben 🙂 wie Engelein 🙂

    schöööön und seltsam zugleich, spannend, wie ein Film spät in der Nacht

    LG von Bruni

  2. Fröhliche Weihnachten! Ja…an Engel hatte ich jetzt noch nicht gedacht, eher an Klappse ..lach
    Da bin ich auf Teil 3 gespannt.
    Liebe Grüße

  3. Bin schon gespannt, ob ich im Jenseits eines hoffentlich noch fernen Tages auch auf meine Ex-Freunde treffen werde – das wird ein ganz ordentliches Getümmele und Gedränge geben. :mrgreen:

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