Friedlicher Sonntag? Von wegen!

Neulich an einem Sonntagmorgen, so gegen 8.30 Uhr. Ich habe an nichts Böses gedacht. Nicht einmal an etwas ungewöhnliches. Es war Sonntagmorgen. 8.30 Uhr! Alles war für gewöhnlich friedlich und ruhig, bis … ja bis der Heimatverein in unserer ach so dörflichen Gegend damit begann, Tische und Bänke aus dem Schuppen des Vereinshauses zu räumen und auf die große Wiese zu stellen, die an unserem Garten grenzt. Die Wiese ist damit  nebenan und das bedeutete im Umkehrschluss, dass Jubel, Trubel und Heiterkeit absolut miteinander geteilt wird. Scheinbar hatte der Heimatverein wieder etwas zu feiern. Denen fällt immer etwas ein. Jahrestag. Oder Grundsteinlegung. Oder runden Geburtstag. Oder die gute Kartoffelernte 2012. Oder dass der Putz im Haus der Ur-Oma abgebröckelt ist. Da machen die sich keinen Kopf. Es gibt halt gute Gründe um zu feiern. Punkt um!

Ich sah fix auf die Homepage, um nachzulesen, was dort angekündigt war. „Sommerfest“. Vermutlich wurde das Thema erst an diesem Morgen festgezurrt. „Du, die Sonne scheint. Laß‘ uns doch heute einfach mal ein Sommerfest feiern. Passt so schön!“

Das Ausmaß dieses Sommerfestes, wurde mir dann gegen Punkt 9 Uhr so richtig deutlich vor Augen bzw. Ohren geführt, als ein Bus vor dem Gemeindehaus hielt!

Emily, dachte ich, bleib mal schön entspannt, so schlimm wird das schon nicht! Das Wetter ist schön, ich habe im Garten zu tun und das mache ich jetzt auch. Was soll denn schon passieren?

Gefühlt packten rund 150 Angreiste des Heimatvereins ihre Musikinstrumente aus. Blasinstrumente. Ein paar Trommeln vielleicht. Eine Tuba. Schellen und was weiß ich. Sie ließen sich nicht lange bitten und sie probten eine Runde. Es können auch nur 15 oder 20 Musiker gewesen sein. Jedenfalls haben sie Krach gemacht für 150. Mindestens!

Als sie ihre Trompeten zückten klang es, als wenn eine ganze Blaskapelle ihr bestes gab. Und um die allzu trockenen Kehlen zu kühlen, wurden alsbald die ersten Bierchen verteilt. So gegen 10.00 Uhr vielleicht. Immerhin stand die Sonne ja schon fast halb senkrecht am Himmel. Ein bis drei Gläschen Sekt wurden natürlich auch verteilt. Für den Kreislauf der Damen!

Jetzt waren alle eingestimmt. Die Tönen saßen gerade. Die Blaskapelle hatte sich warm gespielt. Tja, dagegen machste nichts! Blaskapellenmusik ist nun nicht meine allererste Wahl, aber bitte… Mein Musikgeschmack muss ja auch nicht jedem gefallen!

Dem Getümmel konnte ich entnehmen, dass sie Angereisten vom hiesigen Verein eingeladen waren und siehe da, sie spielten gar nicht mal so schlecht; so lange sie die Töne trafen!. Die Menschen hörten zu und klatschten nach jedem Stück. Die Laune stieg der Anwesenden stieg nach jedem Stück und Glas und es wurde viel gelacht. Ab und an konnte man auch ein fröhliches „Prost“ hören. Na bitte – läuft wohl, dachte ich mir.

Als die Musik abebbte, kündigte ein zartes Stimmchen einen Mitmachhüpfrumspringtanz an. Für einen Moment lang habe ich überlegt, ob ich mir eine hohe Leiter besorgen sollte, damit ich über die Hecke linsen und mir das
Treiben ansehen kann. Wann bekommt man so eine ausgelassene Bande in großer Anzahl und in einem Alter zwischen 6 und 90 Jahren mal zu Gesicht, die dann auch noch zu einer Art nordrheinwestfälischem Schuhplattler die Beine heben?!

Am Ende habe ich die Leiter dann doch stehen lassen und mich mit den Nebengeräuschen vergnügt. Was soll’s. Ich hockte mit meinem Hocker in den Blaubeerbüschen, um die restlichen Blaubeeren dieses Jahres zu pflücken. Was auch nebenan gedudelt wurde, eines war klar: Die Sektlaune und der Geräuschpegel stieg langsam und unaufhörlich merklih an! Es schlossen sich diverse Stücke der Heimatmusik an und manchmal ertappte ich mich sogar dabei, wie ich leise mitsummte. Dennoch, gegen Mittag war dann aber auch Schluss mit lustig. Die Töne der Blaskapelle wurden immer schwungvoller und leider auch schräger.

Die Sonne schien vom Himmel herab und so mancher hatte scheinbar mit der Wirkung des Alkohols zu kämpfen. Vielleicht tanzten auch die Noten auf dem Notenpapier längst mit. Wer weiß das schon? Aber ausgerechnet den Bläsern ging zunehmend die Luft aus. Kinder nutzten dagegen so ziemlich alles, was sich als Trommel nutzen ließ. Und zu aller Krönung konnte man im Haus all das auch bei geschlossenen Fenstern hören.

Mmmh, man mag fragen, warum gehst du nicht eine Runde spazieren? Und wenn du am Nachmittag zurück bist, ist der ganze Spuk vorbei!

Vielleicht deswegen, weil die Feier am Mittag beendet sein sollte. Die Gäste packten auch pünktlich ein, setzten sich i den Bus und rauschten ab.

Doch folgte die ersehnte Stille? Weit gefehlt!

Kaum öffnete ich die Tür zum Garten, setzten ein paar übrig gebliebene Heimatvereinanhänger ihre Trompete/Tuba/Posaune an den Mund oder vielleicht auch in den Hals und pusteten hinein. Für das musikalische Gehör war an dieser Stelle kein Unterschied mehr zu erkennen.

Drei Hartgesottene blieben zurück. Ganz ehrlich? Drei Hartgesottene können spielen wie eine ganze Mannschaft und natürlich mussten sie „nur noch das eine Stück spielen, okaaayyy?“

Und noch eins. Und noch eins. Und weil es so warm war, trank man noch ein Bier in den Pausen. Und noch eins. Und… lassen wir das. Gegen 20 Uhr war das musikalische Highligt doch dann tatsächlich vorbei und ich habe vor Dankbarkeit fast geweint! Ganz ehrlich!

Eine Träne floss. Und noch eine… 😉

Habt eine schöne neue Woche und

alles Liebe,

die Emily

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8 Gedanken zu „Friedlicher Sonntag? Von wegen!

  1. Warum bist du zu Hause geblieben und hast dich nicht anderswo beschäftigt? Ich habe eine Radaukneipe in der Nähe, und darf dankbar sein, wenn jede, ich wiederhole: JEDE, Nacht gegen drei Uhr endlich einmal halbwegs Ruhe ist.

  2. Daran sieht man die Veränderungen in unserem Leben. Wir wollen an den freien Tagen unser Tun selbst bestimmen. Sonntags treibt mich nichts und niemand an. Kein Termin. Kein gar nichts. Und schon überhaupt nicht wollen wir von dem Lärm anderer gestört werden. Glücklich sind die, die schon unter der Woche auf der Arbeit ihre Ruhe haben.
    LG, Charles

    • Du sagst es, lieber Charles. Ich brauche am Sonntag auch keine Termine, keine Aktion. Einfach treiben lassen und die Ruhe genießen. Es sei denn es probt ein Orchester im Garten 😉
      Liebe Grüße, die Emily

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