Scheinheilige Heidi

Man muss ja etwas tun, dachte ich so bei mir und entschloss mich kurzerhand dazu wieder zum Sport zu gehen. Bewegung ist ein guter Freund und ein Stück Torte schmeckt (mir) nach einer halben Stunde Laufband eindeutig besser!

Nach einer Runde auf dem Laufband ging es für mich dann noch auf das Rad – sehr ambitioniert, ich weiß. Allerdings kommt nach einem süßen Stück Torte auch gerne noch ein deftiges Stück Käse. Während ich also vor mich hin strampelte, spürte ich, dass meine Gesichtsfarbe langsam aber sicher in ein sattes Rot über ging. Tja, ich war halt eine Weile lang nicht mehr da, musste ich in diesem Augenblick leidvoll feststellen. Gesichtsfarbe kannst du nicht wegatmen!

Ausgerechnet in dem Moment, in dem ich damit begann (leise) nach Luft zu schnappen, tauchte neben mir eine sehr sympathische junge Frau auf. Sie trug zwei geflochtene Zöpfe und lächelte mich mit ihren großen Augen gewinnbringend an.

»Hey, hast du Lust auf Piloxing?«

Pi...what?

»Pi…was?«

Ich strampelte weiter.

»Piloxing. Eine Mischung aus Pilates und Boxen. Ist richtig guuuut. Ich gebe jetzt einen Kurs und da sind noch Plätze frei. Wie sieht’s aus?«, fragte mich die Zierliche mit einem undurchdringlichen Blick.

Sie lächelte dabei unentwegt. Also generell hätte ich schon Lust dazu gehabt. Und wenn sie schon so nett fragt?

Andererseits hatte ich die starke Befürchtung, dass ich nach ein paar Hopsern bereits mit Atemnot wie ein sterbender Käfer auf dem Rücken liegend enden würde.

Wollte ich ihr das zumuten? Wollte ich das den anderen Teilnehmern zumuten? Wollte ich MIR das zumuten?

Die Antwort fiel kurzerhand eindeutig aus: Nein, besser nicht!

»Nee du. Danke! Aber echt nett, dass du an mich gedacht hast!«, antworte ich ihr mit dem Rest an Sauerstoff, den ich für Worte gerade noch erübrigen konnte.

Nachdem sie fort war, sah ich auch meine Zeit gekommen, um meinen Bewegungsdrang für diesen Tag zu beenden. Ich dehnte meine Gliedmaßen lang und ausgiebig, ehe ich mich auf den Weg zur Umkleidekabine begab. Dazu musste ich an den Trainingsräumen vorbei und blieb wie angewurzelt stehen, als ich die Stimme der jungen Frau wiedererkannte, die eben noch neben mir stand, und mir ins Ohr gesäuselt hatte. In Gedanken sah ich das zierliche Persönchen und hörte jetzt einen Feldmarschall, auf der anderen Seite der Tür. Laut. Deutlich. Fordernd. Schreiend. Leise, ganz leise tippelte ich an der Tür vorbei und ging so schnell ich konnte in die Umkleide.

So musste ich ihn mir also vorstellen, den „Wolf im Schafspelz“. Mit großen schwarzen Kulleraugen, einem herzlichen Lächeln und zwei geflochtenen Zöpfen!

Habt noch eine schöne Woche & alles Liebe

die Emily 😉

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15 Gedanken zu „Scheinheilige Heidi

  1. Das war eine gute Entscheidung liebe Emily, Heidi hätte dir wohl den „Rest“ gegeben und dir Muskelkater….nein …einen ausgewachsenen Muskeltiger.. bescheert….
    🖒🙋 Ganz Liebe Grüße
    Ellen

  2. *lach*, tja, die Zierlichen haben es in sich 🙂
    Meine Jüngere ist auch so, klein, zart, aber wenn ihr etwas nicht passt…, tja,dann ist die Zierlichkeit wie weggeblasen
    *hihi*

    Liebe Grüße von mir

  3. Oh Emily, daran werde ich jetzt immer denken, sobald mir diese Redewendung (Wolf im Schafspelz) begegnet. Einfach herrlich, wie Du das rübergebracht hast.
    Sei herzlich gegrüßt und hab eine gute Rest-Woche.
    Astrid

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