Himmlische Pralinen (3): Nahe am Nervenzusammenbruch!

(Fortsetzung »Himmlische Pralinen«, die bisherige Geschichte findest du HIER)

Jetzt lachten alle. Alle, außer Lilly!

»Oh?! Du weißt es noch gar nicht?«, fragte Stefan etwas irritiert, und biss sich auf die Unterlippe, wie jemand der ahnte, dass er zu viel gesagt hatte.

Mario boxte ihn spielerisch auf den Oberarm, und nannte Stefan schlicht einen Holzkopf.

»Siehst du nicht, dass die Kleine total verwirrt ist?«

»War sie das nicht schon immer?«, stieg Michael in die Stichelei mit ein. Vermutlich hatte er nicht verwunden, dass Lilly die Beziehung zu ihm damals beendet und ihn als männliche große Zicke bezeichnet hatte.

Lilly war genau genommen übrigens diejenige, die für das Ende der Beziehung mit allen dreien verantwortlich war. Darauf war sie nicht etwa stolz gewesen; es war einfach nur so. Und obwohl sie schon längst von ihren Männern getrennt gewesen war, hatte jeder einzelne Unfall der Jungs sie damals sehr betroffen gemacht! Lilly hatte jeden dieser Männer sehr ins Herz geschlossen.

Michael sah Lilly angriffslustig an und grinste schelmisch. Die Arme hielt er dabei vor seinem Oberkörper verschränkt. Lilly antwortete, wie ein kleines Mädchen es getan hätte. Sie streckte ihm einfach trotzig die Zunge heraus, ehe sie sich beleidigt abwandte.

Michaels Augen wurden zu schmalen Schlitzen, während Stefan Lilly noch einmal herzig an sich drückte, und ihr einen Kuss auf die Wange hauchte.

»Ich find’s jedenfalls schön, dass du da bist!«, flüsterte er ihr ins Ohr und zwinkerte Lilly verschwörerisch zu. Ihr wurde warm.

»Heee, macht jetzt aber mal halblang!«

Mario streckte seine Hand aus, um Lilly und Stefan von einander zu trennen, als eine weitere, eine vierte Stimme sich deutlich in dem Raum erhob.

»Na na! Ihr wollt doch nicht etwa streiten?!«

Diese Stimme war unglaublich weich und liebevoll. Dennoch war sie so tief und kräftig, so dass sie sogleich alle anderen Stimmen übertönte.

Augenblicklich hielten sie alle inne, und sahen wie magnetisiert in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war.

Am Ende des Raumes, an dem zuvor noch eine schlichte leere Wand zu sehen war, stand mit einem Mal ein großer schwerer Schreibtisch. In weiß natürlich! Lilly verdrehte die Augen, wenngleich sie sich fragte, wie das nur möglich war!?

Die Wand war zuvor leer, da war sie sich absolut sicher. Oder doch nicht? Das grenzte nun wirklich an Zauberei! Oder hatte sie am Ende einfach nur fürchterlich etwas auf den Kopf bekommen, und eigentlich saß sie nur an ihrem Schreibtisch?

Ihre Aufmerksamkeit wurde wieder von dem Herrn angezogen, der gerade gesprochen hatte. Er war schon um einiges älter, und trug einen – na klar – weißen Bart und dichtes weißes Haar. Er saß hinter dem Schreibtisch, und war dabei zudem ziemlich kräftig. Eher untersetzt. Wobei das auch nicht der richtige Begriff für seine Körperfülle war. Der Typ hatte einen ordentlichen Bauch, und eine Diät war sicherlich nicht die schlechteste Idee, fand Lilly. Zumal vor ihm eine Etagere stand, auf dem winzig kleine, aber köstlich aussehende Pralinen lagen. Die ganze Etagere war voll davon!

Das waren doch viel zu viele für einen ganz alleine!, dachte Lilly, behielt ihre Gedanken aber für sich.

Was für ein Feinschmecker, dieser ältere Herr hier doch war! Dann musste sie unweigerlich schmunzeln. Denn selbst die Pralinen waren mit weißer Schokolade überzogen, oder waren zumindest in weißem Puderzucker gewälzt worden, oder in gemahlenen Mandeln. Lilly hatte eine Schwäche für Pralinen, die aus weißer Schokolade gemacht waren! Für alle anderen übrigens auch …

Was wohl da drin war? Eine fruchtige Creme? Oder dunkle Schokolade? Zimt?

Ihr lief das Wasser im Mund zusammen, oder besser gesagt, es sollte ihr im Mund zusammenlaufen. Wieso tat es das nicht?

Der ältere Herr begann zu lachen, während er zu Lilly herüber sah. Es war, als wenn er ihre Gedanken erraten hatte; was er ja gar nicht konnte.

Oder etwa doch? Lilly stutzte.

Was für ein Quatsch! Wie sollte er denn?

Sein Bauch wackelte, während er lachte. Dann schwächte sich das Lachen zu einem Lächeln ab, und er blickte nur noch erheitert in die illustre Runde.

Da standen sie nun.

Drei heiße Typen, die ja eigentlich ziemlich tot waren, dafür standen sie hier in engen weißen Klamotten herum. Und mittendrin stand Lilly: Begriffsstutzig wie nie zuvor!

Der Alte, sorry, aber er hatte sich ja noch nicht vorgestellt, wirkte auf seine Art sehr liebenswürdig, so wie der dort saß. Er streckte derweil seine Beine aus, und schien die Aufmerksamkeit, die sich um ihn rankte, durchaus zu genießen!

Sein Blick richtete sich jetzt auf die Etagere, während alle anderen im Raum still waren. Seine Hand zögerte nur kurz, ehe er eine der Pralinen sorgfältig auswählte. Er führte sie kurz an seine Nase, um den Duft der Schokolade, oder der Füllung, ganz in sich aufzunehmen, ehe er sie sich genüsslich auf die Zunge legte. Er umschloss die Praline gänzlich mit seinem Mund, und schloss kurz die Augen.

Lilly hatte nicht bemerkt, dass sie ihn mit offenem Mund angestarrt hatte. Schließlich kam jetzt zu ihrer allgemeinen Begriffsstutzigkeit auch noch Neid hinzu. Futterneid! Er hätte sie alle ja ruhig mal fragen können, ob sie vielleicht auch etwas von den Pralinen probieren wollen, oder etwa nicht?

Lilly schloss ihren Mund und biss die Zähne aufeinander.

»Wer ifft daff?«, nuschelte oder knurrte sie leise durch ihre fast geschlossenen Lippen, und stieß dabei Stefan von der Seite her an. Den alten Herrn lies sie dabei nicht aus den Augen. In aller Ruhe legte er seine Hände auf dem Bauch ab, und faltete sie. Er hatte ja ein bisschen was von einem Weihnachtsmann, dachte Lilly. Was sie zum Schmunzeln brachte. Interessanter Weise schmunzelte der Alte ebenfalls.

Stefan drückte seinen Rücken durch und lächelte.

»Das?«, er machte eine fast unsichtbare Kopfbewegung in Richtung Schreibtisch. Dann verschränkte er die Arme vor seiner Brust.

»Was glaubst du wohl, wer das sein könnte?«, fragte er für Lilly eine Spur zu süffisant, dann sah er sie von der Seite her an. Blödmann!

Lillys Augen wurden schmal, ehe sie Stefan streng fixierte.

Glauben, kann ich viel! Bin ich hier bei „Wünsch‘ dir was?“, fragte sich Lilly still und leise. Sie spürte, wie Wut in ihr hoch kroch. Langsam aber sicher fühlte sie sich schlicht veräppelt. Sie atmete tief durch, stemmte die Hände in die Hüften und sog die Luft gefährlich scharf ein.

»Keine Ahnung wer das sein könnte Stefan! Denn sonst hätte ich ja wohl kaum danach gefragt! Der Hausmeister vielleicht? Oder ist er der Chef von eurer White-Sensation-Party hier?«

Stefan sah sie mit großen Augen an, was Lilly noch beflügelte.

»Ich habe, ehrlich gesagt, keinen blassen Schimmer in welchem Zirkus wir uns hier befinden. Deshalb, Stefan, habe ich auch einfach nur eine winzig kleine Frage gestellt. Und ich hoffe, dass du mir jetzt eine klare Antwort darauf geben kannst. Was also, ist daran so kompliziert? Was? Na?«

Scheinbar war sie doch ein wenig lauter geworden, als es ihr lieb war, denn alle wie sie im Raum waren, starrten Lilly nun mit großen Augen an. Lilly schniefte kurz, und richtete sich kerzengerade auf.

Zugegeben, sie fühlte sich mit der Situation aber auch ein klein wenig überfordert!

»Ja was denn?«, fragte sie jetzt kleinlaut in die Runde, doch dann nahm sie wieder Fahrt auf.

»Entschuldigt mal. Ich werde wach, liege auf zwei, aber auch so was von äußerst unbequemen Stühlen, die sich wie eine Parkbank anfühlen, habe tierische Kopfschmerzen, keine Tablette, überall sehe ich nur dieses beknackte Weiß in Weiß, habe keine Ahnung, wie ich hierher gekommen bin, und schon gar nicht, was ich hier überhaupt soll!!? Dann treffe ich ausgerechnet euch drei Spezialisten hier, und ihr seid dann auch noch … ihr seid … doch alle gar nicht mehr real! Sind wir doch mal ehrlich!?« Huch, ich werde hysterisch. Egal!, dachte Lilly und atmete kurz durch, um sogleich wieder Luft zu holen.

»Also, ihr seid eben nun einmal nicht mehr da. Verflixt, ihr versteht schon was ich meine. Alles ist doch völlig irre hier. Und ich habe auch keine Lust mehr hier. Ich bin genervt! Und ich will nach Hause. Ich will ein Bad nehmen! Und auf meine Couch will ich auch!«, kreischte Lilly mehr, als sie es eigentlich beabsichtigt hatte. Und dann brachen die Dämme. Allerdings kamen keine Tränen, so sehr sich auch bemühte. Egal, dann tat Lilly eben so als ob! Diese Situation verlangte ihr echt so einiges ab, also versuchte sie das bisschen Grips, das noch da war, irgendwie zusammen zu halten. Lilly schniefte. Kopfschmerzen konnte sie empfinden, aber die Produktion von Körperflüssigkeiten war eingestellt?

Was bitteschön war denn das für eine Welt, in der man nicht einfach einmal drauf losheulen konnte?! Mario erkannte, dass Lilly dringend Zuspruch nötig hatte, und legte ihr beruhigend und tröstend eine Hand auf die Schulter. Er hatte die wage Vermutung, dass Lilly einem Nervenzusammenbruch ziemlich nahe kam …

(Fortsetzung folgt – ein bisschen was kommt noch)

© N.Markfort – Dezember 2015

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19 Gedanken zu „Himmlische Pralinen (3): Nahe am Nervenzusammenbruch!

  1. Einen schönen Sonntag wünsche ich dir hoffe die Weihnachtstage waren schön wieder eine schöne Geschichte liest sich immer gut bei dir.Wünsche dir eine gute neue Woche liebe Grüße Gislinde

  2. Ich freu mich auf das Bisschen, das da noch kommen wird.
    Ich denke ja, ich hab da so eine leise Ahnung, kann aber auch sein, dass ich völlig daneben liege.
    Bis demnächst.
    LG Peggy aus Wien

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