F wie Fledermaus

Die vergangenen Feiertage habe ich nicht nur dazu genutzt, um vor mich hin zu stoffwechseln. Unter anderem war ich stolze Besitzerin zweier Karten der berühmten Operette von Johann Strauss: Die Fledermaus.

Tja, wie soll ich diese Aufführung, die wir im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen zu sehen bekamen, nur beschreiben?

Die eigentliche Story ist ja die: Nach einem ziemlich beschwingten Abend, den zwei angesehene Freunde auf einem Maskenball zugebracht haben, parkt ein Freund den anderen auf einer Gartenbank mitten im Park. Ein Teil der Gesellschaft sitzt noch in der Droschke und amüsiert sich über dieses Treiben. Auf der Gartenbank soll der Verkleidete den Rausch ausschlafen. Der Haken ist nur der, dass es 1874 nicht zum guten Ton der Gesellschaft gehört auf einer Parkbank zu schlafen. Nicht, wenn da einer ein gesellschaftliches Ansehen genießt. Schon gar nicht in einem Fledermauskostüm. Schließlich erwacht er erst, als schon reges Treiben im Park herrscht. Die Menschen um ihn herum lachen und amüsieren sich; leider über ihn und er kann darüber nun gar nicht lachen. „Die Fledermaus“ wird diesen Streich natürlich nicht auf sich beruhen lassen, sondern sich bei den Leuten revanchieren, die ihn dort abgeladen haben. Na ja, die Geschichte ist im Grunde genommen klasse und mit den richtigen Stimmen ein Genuss!

Jetzt versuche ich die Kurve zu dem gesehenen Stück zu bekommen… Das Schauspielhaus war gut besucht, das Licht erlosch, der Vorhang ging auf und … eine Gummifledermaus hüpfte über die Bühne! Nicht etwa eine kleine! Es war schon ein Mensch auf zwei Beinen und dieser steckte in einem überdimensionalen Batman-Anzug aus preiswertem Latex. Zuerst lag er durchaus auf einer Gartenbank, die viel zu winzig für diesen fülligen Körper war. Diese Szene hätte ich jetzt beinahe verschwiegen. Die Fledermaus hätte auf dieser Mini-Bank nicht einmal dann übernachten können, wenn man ihm eins über die Zwölf gegeben hätte! Aber es kam noch schlimmer! Als er dann plötzlich, oh ganz zufällig, erwachte, hüpfte er aufgekratzt auf der Bühne herum …

*zack* Der Vorhang schloss sich und die Szene wechselte und ich empfand so etwas wie ein Glücksgefühl!

Die Sopranistin trat auf. Mit großartiger stimmlicher Gewalt kroch sie mir unter die Haut, das muss ich schon sagen. Doch während ich gerade noch dabei war diese rockende Fledermaus in ihrem Tütü geistig zu verarbeiten, stolperte ein überflüssiger Notar auf die Bühne und raffte alles wieder hin.

Wir waren durchaus in der richtigen Vorstellung, nicht dass hier jemand denkt, wir hätten den falschen Eingang erwischt. Thematisch befanden wir uns definitiv im richtigen Zeitalter und die Geschichte passte auch zum Titel. Als dann aber im dritten Akt der eben erwähnte Notar auf die Bühne stolperte, war ich wirklich irritiert, denn „Die Fledermaus“ ist eine Komödie, aber keine Lachnummer! Selbst die konnte ich auch dann nicht entdecken, als man diesem Notar in die Haarpracht griff, um ihm seine Perücke vom Kopf zu klauen und eine Clownsmütze darunter hervor trat. C-l-o-w-n-s-m-ü-t-z-e. Tja, was soll ich sagen? Meine paralysierte Begleitung und ich waren raus! Es gab nur einen Vorhang, mehr war nicht drin und mehr auch nicht verdient.

Ich liebe Theater, Operetten oder Opern. Aber an dieser Stelle musste ich mein imaginäres Handtuch werfen.

Ich wünsche euch ein ganz tolles Wochenende und viele schöne Erlebnisse und Inszenierungen 😉

Alles Liebe,

die Emily

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53 Gedanken zu „F wie Fledermaus

  1. Dein Bericht gefällt mir … das mal vorab. Ich weiß auch nicht, was sich manche Regisseure so vorstellen und ganz schlimm, auch noch in die Tat umsetzen. Gut, ein „Stück“ kann moderner inzeniert werden, aber es muss nicht übertrieben werden. Auch ich liebe Opern und Theater überhaupt, deshalb warte ich immer erst die Premiere ab und wie die Kritiken ausfallen, danach entscheide ich für mich.
    Ein schönes Wochenende …

    • Daran tust du gut, liebe Rose. In diesem Fall war es so, dass die Aufführung nur kurz zu Gast war. Wir hätten keine andere Möglichkeit gehabt das Stück noch zu sehen. Nu ja, so hatten wir wenigstens ein Erlebnis, über das wir uns sicher noch lange austauschen können 😉
      Hab einen schönen Sonntag, trotz der miesen Wetterlage!

  2. Oh man, Emily…was für ein „Drama“. Die Geschichte der Fledermaus war mir auch gänzlich unbekannt. (Bloglesen bildet 😉 … Ich mag grundsätzlich keine Opern…sorry. Ich stehe auf Musicals. Schade, das Dir der schöne Abend so vermiest wurde. LG Claudi

    • Musicals sind auch prima. Ich bin für die ganze Bandbreite zu haben, liebe Claudi. Ist nur schade, wenn es sich nicht rechnet. Wenigstens können wir uns darüber noch lange unterhalten und lachen 😉
      Hab noch einen schönen Sonntag. Ist Couchwetter!
      Liebe Grüße, Emily

  3. Hallo Emily ! Danke für deine aufschlussreiche , ‚amüsante‘ Schilderung deines – leider nicht so gelungenen Operetten Besuches. Schade, dass diese schöne Operette so verhundst wurde. Viele Grüsse von Anja

    • Sehr gerne, liebe Anja! Also wir fanden das auch schade und zwar so was von! Dazu kam, dass die Getränkebar auf unserer Ebene geschlossen hatte, sonst hätten wir etwas zur Aufmunterung tun können 😉
      Liebe Grüße, Emily

  4. na, das klingt ja so, als hätte ich auch große Probleme damit gehabt u. ich bin schon sehr geneigt, denen auf der Bühne vieles zu verzeihen *g*
    Ultramoderne oder auch ultrakomische Nummern in einem Stück, egal ob Operette oder Schauspiel mag ich überhaupt nicht und wenn ich eine Oper sehe, klassischer Stoff, dann möchte ich keine Polizistenuniformen und einen Pharao, der schnell mal eine Zigarette als Zeichen seiner Dekadenz sehen, so wie es mir mal passierte…

    Da lobe ich mir die fantasievollen und gleichzeitig feinfühligen Aufführungen, die zwar verändern dürfen, aber mit viel Fingerspitzengefühl u. einem Händchen für das, was der heutige Zuschauer erwartet…

    LG von mir, liebe Emily

    • Liebe Bruni,
      die haben es auch vermieden zwischen dem zweiten und dem dritten Akt eine Pause einzulegen. Ich ahne wohl aus welchem Grund sie so gehandelt haben!
      Wenn die Aufführung experimenteller werden soll, dann sollen sie es bitte auch einfach so veröffentlichen. Dann kann man nämlich entscheiden, ob man das sehen möchte. Da bin ich wirklich klassisch veranlagt.

      Herzliche Grüße zu dir, Emily

  5. *klatsch*vorn*Kopf* !
    ICH dachte ja bei der Überschrift sofort an ein possierliches Tierchen …. 😀
    Nicht etwa an einen Menschen im Latex Kombi a la Batman …….. aber DA sind wir ja dann schon zu dritt 😀
    Du, deine paralysierte Begleitung und ICH !!! 😀

    Aber „schön“ war es trotzdem 😉 ….. für mich jetzt …. so als Leser …. *kicher*kicher*kicher

    Ein ganz zauberhaftes Wochenende!!!
    Katja

    • Hehe… dieses possierliche Tierchen war ein Dinosaurier vor dem Herrn, liebe Katja! Du glaubst es nicht!
      Im Nachhinein war es dann auch schon wieder lustig. Es ist auch eine Art von Therapie, wenn ich darüber schreiben kann 😆

      Ganz liebe Sonntagsgrüße, Emily

  6. Viele der heutigen Inszenierungen sind schlicht und ergreifend ein Graus… Neulich geriet ich zappenderweise in ein auch recht „modernes“ Arrangement des „Rosenkavaliers“, und machte mich nach einer kurzen Szene schon heulend und zähneklappernd wieder von Dannen. Auch die Bregenzer Inszenierung der „Zauberflöte“ des vergangenen Sommers ließ mich bisweilen vor Schreck den Atem anhalten…
    Ich kenne die wunderschöne alte Otto-Schenk-Inszenierung der „Fledermaus“ der Bayerischen Staatsoper – die hättest du mal sehen sollen! Hinreissend! Bezaubernd! Verzaubernd! So voller Charme und Witz, und Spielfreude…
    Mein Vater hatte in seinen letzten Lebensjahren die Anwandlung, sich für eine Art Denkmalschutz klassischer musikalischer Werke wie Opern, Musicals und Operetten einzusetzen. Vielleicht greife ich seine Idee ja doch noch mal ernsthaft auf.
    Liebe Grüße!

    • Weißt du, ich bemühe mich schon darum immer recht wertfrei an eine Inszenierung zu gehen. Gerade das junge Theater kann einen Othello schon mal alt aussehen lassen. Es ist eben experimentell, daber dann weiß ich das als Zuschauer. Wenn ein Stück als klassische Inszenierung angepriesen wird, dann erwarte ich eben auch das. Aber die Nummer hier ging wahrlich in die Hose!
      Wir sehen allein schon hier, dass viele eben doch die früheren, ursprünglichen Stücke lieben.

      Liebe Sonntagsgrüße, Emily

  7. Tut mir echt leid, dass diese Inszenierung so schrecklich war. Ich verstehe diesen Hang zur Modernisierung (oder was das auch immer sein soll) auch icht ganz. Wegen mir müssen sich Schauspieler nicht zum Deppen machen oder, was auch seit Jahren beliebt ist, sich auf der Bühne ausziehen.

    • Ja, du sagst es. Kürzlich waren wir auch in einem Stück, in dem sich die Hauptdarstellerin nackig gemacht hat. Gut, sie konnte sich auch zeigen, passte aber nicht so ganz in die Inszenierung… Weißt du, wenn sie im Vorfeld bekannt geben, dass es sich um freie, experimentelle Kreativität handelt, kann ich damit auch prima leben. Dann gehe ich nämlich nicht hin. Ganz einfach.
      Wenn es keine weiteren Informationen gibt, gehe ich davon aus, dass es eher klassisch ist.

  8. Oh, das ist ja schade, liebe Emily.
    Aber du hast das hier wunderbar rüber gebracht. 🙂

    Ganz herzliche Grüße und ein gutes, gesundes und kreatives neues Jahr voller Licht und Liebe, und natürlich mit besser inszenierten Operetten. 🙂

    Alles Liebe,
    Martina ❤

    • Das war wirklich schade. Aber: neues Stück, neues Glück 😉

      Alles Liebe, viel Glück und Gesundheit ins neue Jahr auch für dich, liebe Martina ❤

  9. Tja, liebe Emily, das „Moderne“ kann einem manchmal ganz schön einen Strich durch die Rechnung machen; aber es war sehr tapfer von Dir, dass Du bis zum Schluss ausgehalten hast 😉
    Ich wünsche Dir ein schön inszeniertes Wochenende und sei von Herzen gegrüßt von der ♥ Pauline ❤

    • Weißt du, warum wir tatsächlich so tapfer waren? Die haben zwischen dem zweiten und dem dritten Akt keine Pause mehr eingelegt… *g
      Das Wochenende war bisher einfach nur schön und gänzlich frei von sämtlichen Inszenierungen 😆

      Alles Liebe zum Sonntag, liebe Pauline ♥ die Emily

  10. Ich habe da auch so ein gespaltenes Verhältnis zu den modernen Inszenierungen, ich wäre wahrscheinlich in der Pause gegangen. Ich probiere jetzt immer schon im voraus etwas mehr zu erfahren, damit ich mir das Geld sparen kann, denn billig sind ja solche karten nie. Schade, ich mag die Musik der Fledermaus recht gerne. LG MArlies

    • Das Stück war nur kurz zu Gast in diesem Schauspielhaus. Alles andere wäre für uns zu kompliziert geworden, daher gab es keine Kritiken, die uns im Vorfeld hätten warnen können. Dazu kam, dass zwischen dem 2. und 3. Akt keine Pause mehr eingeplant war… und ich ahne auch warum 😉

      Hab einen schönen Sonntag und liebe Grüße, Emily

  11. Zwar sehr schön und interessant von dir hier berichtet, aber lief im Grunde ja nicht wirklich gut liebe Emily.
    War in der Arena von Verona, wo ich immer wieder sehr gerne bin, auch mal in „der Barbier von Sevilla“.
    Diese an sich sehr schöne Oper wurde dort extrem modern „vermurkst“ und war daher alles andere als eine schöne, erfreuliche Aufführung.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich dir von Herzen ❤

    • Neee, liebe Ann, manche Dinge laufen nun einmal nicht so, wie ich sie gerne hätte 😉 In diesem Fall ging die Inszenierung in die Hose. Aber wie ich lese, hast du das auch schon erlebt. Und dann auch noch in dieser Umgebung! Nimmst du dazu an einer organisierten Tour teil? Würde mich einmal interessieren. Schade ist es alle mal!

      Hab einen schönen Sonntag und ganz liebe Grüße, Emily

      • Nein, fahren immer wenn wir mal am Gardasee Urlaub machen auch mindestens ein mal nach Verona zur jeweiligen Vorstellung in die Arena. Wird dann in Garda gebucht und kennen uns dort inzwischen sehr gut aus. Liebe Grüße und noch einen schönen Abend ❤

        • Ein Traum, so schön!!! Die nächste Aufführung wird sich wieder lohnen! Ganz sicher.

          Komme gut in die neue Woche, liebe Ann ❤ Emily

  12. Ich gehe auch gerne ins Theater und finde die meisten modernen Inszenierungen richtig schlecht. Es gibt ein paar Ausnahmen, die aber nur schwer zu finden sind. Die alten Stücke sollte man so lassen, wie sie sind. Und wenn ein Intendant sich neu erfinden will, dann soll er ein neues Stück schreiben.
    Ich wünsche dir viel Glück für den nächsten Theaterbesuch. Liebe Grüße

    • Marian, du bringst es auf den Punkt und scheinbar bin ich nicht alleine so gestrickt! Wir sehen uns auch gerne junges Theater an. Es gibt tolle Aufführungen und interessant gemacht dazu. Aber die alten Stücke dürfen gerne so bleiben, wie sie sind. Und wenn sie anders dargestellt werden sollen, dann bitte einen Hinweis dazu geben.
      Ganz lieben Dank für deine Wünsche 😉 und liebe Grüße!

    • JETZT kann ich auch lachen! In dem Moment konnte ich einfach nicht glauben was ich sehe.
      Freut mich aber, wenn DU jetzt Spaß hattest…hehe;)

  13. Och nöööö, das war ja eine herbe Enttäuschung, liebe Emily, schade um das Eintrittsgeld. Nächstes Mal solltest du lieber nach Wien reisen und dien Operettenbesuch mit einem Urlaub kombinieren.
    Liebe Grüße von Fischi

    • Um das Geld war es wirklich schade, obwohl wir bis heute immer noch ein Gesprächsthema haben *g
      Im Juli standen wir vor der Oper, allerdings wären wir wohl eingeschlafen, da wir uns tagsüber die Füße platt gelaufen haben. Aber wir kommen wieder!!! *g
      Ganz liebe Grüße, Emily

    • Ich sag’s dir: schade um die Zeit und das Geld, aber Spaß hatten wir danach trotzdem. Da kannst du ja nur mit Galgenhumor dran gehen 😆

      Ganz liebe Grüße zum Wochenanfang, Emily

  14. Hallo Emily,

    es klingt als hättest du so definitiv eine Anekdote aufgeschnappt, die du noch eine Weile erzählen kannst.

    Ich war letztes Jahr in Frankfurt in der Zauberflöte und mittendrin hüpfte auf einmal ein übergewichtiges Häschen im Tutu über die Bühne. Häschen trifft es eigentlich nicht ganz, es muss ein ausgewachsener Mann in dem Kostüm gesteckt haben.

    Allerdings muss ich sagen, die Aufführung der Zauberflöte fand ich herausragend gut, weil nichts billig wirkte und es zwar modern und zum Teil abstrus war, es aber in sich absolut stimmig wirkte. Das scheint bei der Fledermaus wohl leider nicht so geklappt zu haben. Häufig kommt es halt doch einfach auf eine überzeugende und stimmige Darstellung an, und nicht so sehr auf das „was“.

    Liebe Grüße

    Frede

    • Also ehrlich; ein übergewichtiges Häschen? Irgendwo hat jede freie Inszenierung ihre Grenzen. Es freut mich, dass dir das Stück gut gefallen hat. Dann hat es sich in jedem Fall gelohnt! Wie wir gesehen haben, kann das ja dann auch mal in die Hose gehen, wie in meinem Fall!

      Danke für deinen Kommentar und herzlich willkommen bei mir!

      Viele Grüße, Emily

      • Es hatte ein bisschen was von moderner Kunst, aber in meinem Fall (und bei meinen Eltern ebenfalls) kam es hier gut an. Allerdings wirkte auch nichts billig 😀

        Ich stöbere noch mal weiter, wenn ich Zeit habe! Bis dahin,

        Frederike

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