Krümelmonster

Gerade neulich war ich ein bisschen bummeln und bin dazu in eine etwas größere Stadt gefahren. Die Städte sind im Grunde genommen war austauschbar geworden, aber manchmal muss dennoch ein Tapetenwechsel her. Da ich schon lange nicht mehr durch einen Berg an Geschäften gestriffen bin, habe ich mir viiiiiiiiiiel Zeit dazu gelassen.

Nach geraumer Zeit ging mir dann aber auch die Puste aus. Die Reizüberflutung hatte mich eingeholt. Zu viele Menschen um mich herum, witzige Gestalten, leidende Männer, die an Straßencafés abgegeben wurden und auf Taschen aufpassen durften und meine eigenen schmerzenden Füße meldeten sich. So schlug ich den Weg zu meinem Auto ein und kramte einen Getreideriegel aus meiner Handtasche, den ich zuvor käuflich erstanden hatte. Dieser Getreideriegel bestand aus gepufftem Amaranth. Diese Riegel mag ich sehr gerne, leider krümeln die was das Zeug hält! Aber jetzt war ich ja auf dem Weg zum Wagen, wäre da nicht diese Hose gewesen, die ich aus dem Augenwinkel heraus in einem Schaufenster entdeckt hatte…

Ich biss einen Happen von dem süßen Knusperriegel und sah in das Schaufenster.

Meine Farbe, spitzen Schnitt… guter Stoff…

Hätte ich das Papier meines Riegels nicht so achtlos aufgerissen, hätte ich ihn vermutlich einfach und fein säuberlich in meiner Handtasche verstauen können. Nur so was das natürlich nicht möglich. Hier einfach nur stehen bleiben und den ganzen Riegel erst aufzuessen, das kam nicht in Frage. Das war mir ausserdem viel zu langweilig!

Ich schloss meine Hand um den angeknabberten Riegel, samt Folie und ging in den Laden.

Schnell war die Hose entdeckt. Und ich auch. Eine unglaublich aufmerksame Bedienung schawenzelte gleich um mich herum.

»Guten Tag! Kann ich helfen? Ein tolles Teil haben Sie sich ausgesucht.«

[…]

»Sie sagen mir doch, wenn sie eine andere Größe benötigen?! Ich komme dann gleich und sehe was ich tun kann. Wollen Sie hier anprobieren?«

Ich nickte noch kauend zu ihren Fragen und hoffte, dass ihr mein Mitbringsel, das ich noch immer in meiner Hand trug nicht auffallen würde.

In der Umkleidekabine atmete ich durch. Sonst kam kaum jemand, der sich um einen kümmerte und jetzt kam diese Klamottenfee um die Ecke und ließ mich nicht aus ihren Augen. Ich setzte mich auf den Hocker in der Kabine, legte die Hose bei Seite, öffnete meine Hand, in der ich den Riegel hielt und biß herzhaft hinein. 

Ist aber auch lecker, diese zusammen geklebte Mini-Popcorn-Masse!

Es klopfte.

An meiner Kabine???

»Und? Haben Sie die Hose schon an? Kann ich helfen?«

»Nein…äh, danke auch. Ich melde mich schon!«, antwortete ich aus meiner bequemen Haltung heraus, äffte sie nach und aß den letzten Rest meines gepufften Riegels. Dann knüllte ich die Folie zusammen und…

… leerte, aus Versehen, die restlichen Minikügelchen von dem Amaranth auf den Teppich meiner Kabine.

Genau genommen rollten sie auf den Teppich und so einige weitere Kügelchen kullerten unter der Tür hervor, auf den dunkelbraunen Holzboden. Und genau da blieben sie liegen. Sichtbar für alle und jeden.

Ich schluckte.

Hach, das war ja jetzt blöd…

Ich bückte mich und sah unter die Holztür, um mir das Ausmaß dessen genau anzusehen. Ich war erstaunt darüber, wie viel Amaranth doch noch in der Verpackung waren und jetzt vor mir auf dem Boden lagen.

Ich hörte die Schritte der Verkäuferin. Sie blieb irgendwo stehen, drehte dann aber wieder ab. Ohne mich noch einmal anzusprechen… eieiei…

Die Hose gefiel mir gar nicht mehr so gut. Ich legte sie mir über den Arm, öffnete vorsichtig die Tür und schlich hinaus in den Verkaufsraum. Die Hose legte ich ab. Als ich hinter mich sah, erkannte ich meine zurück gelassenen Spuren deutlich und irgendwie schnappte ich einen merkwürdigen Blick der Verkäuferin auf.

Ach was! Bis zum nächsten Besuch hat sie mein Gesicht sicher längst vergessen!

Riegel

Wer geht shoppen am Wochenende? 😉

Alles Liebe,

die Emily

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33 Gedanken zu „Krümelmonster

  1. Auf der Straße essende Einkäufer sind mir in jeder Stadt ein Greul. Ich finde soviel Zeit und Aufmerksamkeit für das eigene „Ich“ für mehr Entspannung muss sein. Wie wäre es mit einem netten Cafe und eine Blick durch die Scheiben in das Stadtleben?

  2. Netter – wenn auch ein wenig krümeliger 🙂 – Shoppingbericht. Auf meiner Insel sind die Shoppingmöglichkeiten ein wenig begrenzt, aber vielleicht im Sommer in Köln und München wieder. liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Dir Leonie

    • Manchmal genieße ich nur die bunten Schaufenster oder den Kaffee auf dem Marktplatz. Die Städte sind hier meist ohnehin austauschbar und ich besorge mir nur das, was ich brauche. Hin und wieder müssen nur frische Anregungen her. Und manchmal sind sie eben auch krümelig 😉
      Nach München muss ich auch dringend mal wieder!

      Viele liebe Abendgrüße, Emily

  3. Du bist ja mutig! Ich krümele lieber mein Auto voll und beseitige die Reste. Mein Gatte saugt das Auto hin und wieder aus und bevor ich mir die dummen Sprüche anhöre, mach ich das Gröbste weg.
    Aber deine Idee mit der anderen Stadt, so ungeniert – die gefällt mir 😆

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Anna-Lena

    • Manchmal bin ich von meinem Mut völlig überfordert 😉 Da mein Auto nicht regelmäßig Kontakt zu einem Staubsauger bekommt, ist es besser, ich esse draußen! Bevorzugt woanders 😆

      Liebe Wochenendgrüße, Emily

  4. Amaranth-Riegel sind was Feines. Aber ich glaube, ich hätte diesen doch lieber VOR der Schaufensterscheibe aufgegessen. Da fällt das Krümeln nämlich nicht so auf…smile*. Vielleicht hätte ich ein wenig schneller gekaut – damit ich noch rechtzeitig zu der Hose komme, ehe diese sich davonmacht..
    LG von Rosie.

  5. Powerkorn…hab ich eben gelesen, na wer kann denn da auch widerstehen? Bist aber auch ein kleines Ferkelchen ….nenene 🙂 hast du denn keine Handtasche mit Notfallwerkzeug & Co. ?
    :mrgreen:
    Grüße von Fischi…..und schnell wech

  6. Liebe Emily, hättest du doch den Riegel erst in Ruhe aufgegessen.
    War doch klar, dass das schiefgehen musste, grins.
    oder eben richtig gut in die Tasche zurück.
    Stimmt, die meisten Städte sind leider austauschbar, aber zum Glück nicht alle.

  7. Was wäre das Leben ohne ein Malheur, hin und wieder. Man hätte weniger zu erzählen. Und wenn die Geschichten noch selbst erlebt sind, sind sie noch um ein Vielfaches authentischer.

    So gut, wie die Hose im Schaufenster ausgesehen hat, konnte sie die volle Aufmerksamkeit keineswegs mehr erhaschen. Dazu waren die Kügelchen ob ihrer Vielzahl zu mächtig.

    Liebe Grüße in den erwachenden Morgen, Charles

    • So ist es, ohne Hose inklusive süßer Kügelchen hätte ich nichts zu berichten gehabt.
      Liebe Grüße in den erwachenden Mittag, Emily

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