Die gemeine Dampfnudel

Man kann sich mit Yoga, einer Kombination an Bewegung, Dehnung und Meditation identifizieren, oder nicht. Yoga ist ganz meine Welt und eine willkommene Ergänzung zu meinem Arbeitsalltag und meinem Lauftraining. Früher hatte ich mit vielen Bewegungsabläufen des Yoga so meine Probleme. Ich konnte mich auch nicht wirklich mit den Figuren wie z. B. dem Fisch oder dem Stier identifizieren und ich hatte auch meine Probleme damit, in meine Sitzhöcker zu atmen! Zumindest so lange, bis mir klar war, was damit überhaupt genau gemeint war!

Ich denke, man muss sich überhaupt erst einmal – sachte – an das Thema Yoga heran tasten. Mittlerweile bin ich da ein ganze Stück weiter. Es tut mir gut, wenn diverse Körperteile ordentlich gedehnt werden. Muskelgruppen, die schon ein wenig in Vergessenheit gerieten, werden endlich wieder ordentlich durchblutet. Und das Gute am Yoga ist, nahezu jeder kann es ausführen. Schließlich geht hier alles gemächlich und behutsam vor sich, auch dann, wenn es einmal knirscht im Gebälk!

Am vergangenen Samstag war ich zu einem Yoga-Workshop. An einem ganzen Vormittag hatte ich die Gelegenheit dazu, mich also kräftig nach allen Regeln der Kunst zu verbiegen! Wenn mich jemand danach befragt, ob man sich dabei nicht auch »verknoten« kann, und solch lustige Fragen kommen dann und wann, kann ich nur sagen, man ist in der Tat nicht allzu weit entfernt davon. Nach ein paar Stunden meditativer Dehnerei ist man nämlich so gelenkig wie ein Gummistäbchen! Vor allem aber, hat man irgendwann wirklich Hunger.

Vor dem Yoga isst man am besten nichts. Oder nur etwas Leichtes. Der Körper sollte nicht mit der Verdauung eines doppelten Mettbrötchens mit Zwiebeln beschäftigt sein, während man beispielsweise einen Kopfstand versucht. Das leuchtet doch ein, oder?

Also gab es bei mir zum Frühstück ein Schälchen mit Haferflocken und etwas Obst. Damit bin ich prima klar gekommen. Der Haken ist nur, irgendwann sind auch die besten Haferflocken verbrannt! Die ersten Yogaeinheiten waren mächtig anstrengend.

Natürlich haben wir auch eine Pause eingelegt, doch mit einem Tässchen mit grünem Tee kommt man bekanntlich nicht wirklich weit.

Wir hatten noch etwa eine halbe Stunde bis zum Ende unserer Turnerei, als eine unserer Gruppe erwähnte, dass sie nahtlos zu einem Weihnachtsmarktbesuch über gehen würde. Als sie das erwähnte, war ich zunächst völlig unbeeindruckt. Ein Weihnachtsmarktbesuch lockte mich nicht aus der Reserve. Ich war herrlich entspannt, wozu sich also der Schubserei und gepantschem Glühwein hingeben?

Och nöööö.

Ich lag also gerade im »herab schauenden Hund«, als das Mädel plötzlich damit begann, von einer Dampfnudel zu schwärmen. Ich weiß nicht woran es lag, aber wenn es ums Essen geht, bekam ich natürlich – wie immer – alles gleich mit. Ich könnte mich noch so sehr darum bemühen einfach nicht hinzuhören, ich schaffte es einfach nicht.

Das Schlimme an diesem Fall war, dass sich das reine Wort – in diesem Fall die Dampfnudel – zu einem Bild verfestigte, ich dieses Bild anschließend vor meinen – geschlossenen – Augen hatte. Damit nicht genug, ich konnte sie sogar fast auf meiner Zunge schmecken! Fürchterlich.

Ich versuchte die Gedanken daran abzuschütteln, doch das Ganze wurde noch zusätzlich dadurch verschärft, dass jemand aus unserer Gruppe Details hinterfragte.

»Was ist eine Dampfnudel?«.

Was für eine blöde Frage!

Sie war nicht deswegen blöd, weil jemand nicht wusste, um was es sich bei einer Dampfnudel handelte. Sie war blöd, weil jedes Wort der Beschreibung einer leckeren, süßen, Dampfnudel in meinem Magen ankam. Mein Magen knurrte.

Glücklicherweise trat bald wieder die gewohnte Stille ein und wir gingen in die Haltung des Baumes. Zunächst war ich mit der neuen Haltung auch abgelenkt, doch dann schob sich die Dampfnudel wieder vor mein geistiges Auge. So sehr ich auch versuchte sie zu verscheuchen, es ging einfach nicht.

Ich war zu schwach.

Zu unterzuckert…

Plötzlich begann eine weitere Teilnehmerin von einer Dampfnudelvariante zu erzählen, die ihr in den Sinn kam. Anscheinend war ich nicht die Einzige, die unterzuckert war!

»Mmmmh, ich liebe sie, wenn sie in heißer Vanillesoße schwimmen!«, sagte sie.

»Oder, wenn sie mit Pflaumenmus gefüllt sind«, rutschte es mir heraus und damit rutschte ich auch aus »dem Baum«.

Ich versuchte mich wieder in die richtige Position zu bringen.

»Jaaa, oder, wenn sie mit heißen Kirschen übergossen werden…«, sagte eine andere.

Die Yogalehrerin spürte, dass mit uns nicht mehr viel anzufangen war. Die Konzentration war vorbei. »Kommt ihr Lieben. Gehen wir noch einmal in die Entspannung, ja?! Reißt euch noch ein paar Minuten zusammen!«

Wir gingen in den Lotussitz. Es war mucksmäuschenstill! Bis mein Magen knurrte.

»Tut mir echt leid. Aber ich bekomme die Dampfnudel nicht aus meinem Kopf!«, sagte ich und steckte meine Kolleginnen mit meinem Lachen an.

Warum auch nicht? Lachen entspannt schließlich ganz ungemein!

Ein herzliches Ooooooohhhhhmmmmmmm an alle,

die Emily

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31 Gedanken zu „Die gemeine Dampfnudel

    • Siehste siehste?! Genau so ist das nämlich. Versuche mal dich dabei auf eine Figur zu konzentrieren und ruhig zu atmen. Da geht bestenfalls die Schnappatmung 😉

  1. Verflixt, jetzt hast du mich auch mit dem Dampfnudel-Virus infiziert… Und der „Schellingsalon“ hat heute und morgen geschlossen, da sind die – selbstgemachten! – Dinger nämlich so groß wie Kindsköpf‘, mit viel heisser – und selbstgekochter! – Vanillesoß‘, und Mohn und Staubzucker obendrauf, und Powidel innen drin… Menno!!! 😕 Was mach ich jetzt bis Donnerstag??? :mrgreen:

    • Hehe… Es scheint mir auch so, als greife der Dampfnudel-Virus um sich! Aber hast du gesagt, die Dampfnudeln werden in dem Salon selbst gemacht?! Mit Mohn? Wo krieg ich jetzt nen Flug her?!

      • Genau so ist es! 🙂 Dort kann man überhaupt ganz wunderbar bayerische und Hausmannskost essen, richtig große Portionen zu für Münchner Verhältnisse recht kleinen Preisen. Im Lokal befinden sich Billardtische, da kann man am Abend Alt und Jung beim Spielen zuschauen, und die drei Bedienungen sind richtig herzlich und freundlich… Du musst mal wieder nach München kommen, Emily, dann verbringen wir einen Abend im „Schellingsalon“… 😉

        • Ach wie schön, scheint mir ein absolutes Original zu sein. In diesem Jahr habe ich es gar nicht nach München geschafft. Vielleicht wird es etwas in diesem. Wäre schon schön 😉

  2. Wenn sich so ein kulinarisches Bild im Kopf erst einmal festgesetzt hat, würde ich wohl auch höchstens noch den sterbenden Schwan schaffen ( öhm – falls es den beim Yoga gibt ) .

    Danke für diese köstliche Geschichte 😆
    LG Anna-Lena

    • Das ist so, als solle man eben nicht an einen gelben Elefanten denken. Das schafft kein Mensch! Wenn Magen und Hirn zusammen arbeiten, hast du keine Chance. Den sterbenden Schwan werde ich demnächst mal anregen 😆 Aber im neuen Jahr haben die maximal ein rohes Möhrchen dabei!

      Liebe Grüße, Emily

  3. Vor lachen laufen mir die Tränen, liebe Emily.
    Du und Speisen, das ist immer herrlich.
    Und was gab es dann???
    Dampfnudel?
    Oder in RE auf dem Weihnachtsmarkt an der Bühne gibt es die besten Reibekuchen in Deutschland.
    deine Bärbel

    • Ach nein. Meine Freundin hat mich zu Hause abgesetzt und ich habe den Kühlschrank geplündert! Reibekuchen vertrage ich leider nicht so gut. Die sind mir zu fettig und ich esse 3 Tage daran. Die werden dann und wann lieber selbst gemacht. Fettärmer eben.
      Freut mich, wenn du lachen konntest ♥

  4. Oje oje, liebe Emily, eben noch hab ich meinen letzten Bissen vom Abendbrot verdrückt und jetzt schreit mein Magen nach leckerer Dampfnudel. Nö, das geht ja gar nicht, wo soll ich die noch herbekommen?
    Liebe Grüße und
    schnell wech auf die Suche nach Leckerlis
    FFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFischi

    • Dampfnudel mit Weinsoße? Davon habe ich noch nie gehört, lieber Charles. Ist es eine Rot- oder Weißweinsoße? Süß oder „trocken“?

      Kulinarische Grüße zu dir, Emily

      • Das war immer eine Weißweinsoße.
        Süß oder trocken? Das ist aus der Erinnerung schwer zu sagen. Nach dem damaligen Geschmack zu urteilen, war es wohl eher eine säuerliche Weinsoße.
        Mit den Geschmacksveränderungen im Laufe der Zeit ist heutzutage sauer oder süß anders, als es damals gewesen war.
        Süß? Nein, ich glaube wirklich nicht. Es muss sauer gewesen sein.
        Kulinarische Grüße sind immer gut.
        Liebe Grüße Charles

  5. Ich frage mich grade, ob es eine Yoga-Haltung gibt, die Dampfnudel heißt 🙂 Müssen ja nicht immer nur Tiere oder Bäume sein! Ich werde meine Yoga-Lehrerin heute Abend mal fragen!
    Mein Lieblingsessen als Kind waren übrigens Dampfnudeln. Mit Vanillesoße und karamellisiertem (!) Zucker.
    Viele liebe Grüße,
    Caramellita

    • 😆 Liebe Caramellita, ich habe jetzt soooo laut auflachen müssen und werde im Januar (= nächster Workshop) um die Dampfnudel-Asana bitten. Aber vielleicht weiß deine Yogini schon mehr. Ich bitte dringend um Bericht!
      In der Zwischenzeit träume ich von Karamell & Vanillesoße :-*

      Viele liebe Grüße zu dir,
      Emily

    • Dein herzliches Ommmm ist angekommen. Ich danke dir. An dem gefüllten Magen muss ich noch arbeiten. Ob du es glaubst oder nicht. Mit der Dampfnudel bin ich noch immer nicht fertig! 😉

      Emily

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