Bürogeflüster

Kürzlich war ich Gast bei einer Sitzung. Es waren viele Leute dort, so dass die Sitzungstische von der Außen- und Innenseite jeweils mit Teilnehmern besetzt werden mussten. Als ich eintraf waren die Innenseiten der Tische noch spärlich besetzt, was mir ganz gelegen kam. Besser ich saß hier, als irgendwo am Ende eines Tisches. Von dort aus war die Sicht meist ziemlich schlecht, weil man entweder zu nah an der Präsentation saß, oder zu weit entfernt davon. Am Ende eines Tisches  standen übrigens auch meist keine Plätzchen. Ein nicht ganz unwichtiges Argument!

Mein gewählter Platz war jedenfalls ziemlich gut. Vor mir stand eine Kanne mit Kaffee, Kaltgetränke UND ein Teller mit Plätzchen. Heile Welt könnte man meinen… Und jetzt kommt’s!

Da stelle sich doch bitte mal jemand mein Gesicht vor, als mir ein angeblicher Kollege die Kaffeekanne weg nimmt und mir die Kanne mit dem Teewasser vor die Nase setzt. Ohne zu fragen. Ohne etwas zu sagen. Guckt mich nicht einmal an, der Bursche. Was hat denn der zum Frühstück gehabt?!

Gut, er weiß ja nicht, dass ich derzeit keinen koffeinhaltigen Kaffee trinke, aber bitte, wo sind wir denn hier?

Ich denke, es versteht sich von selbst, dass ich diesen Zustand so natürlich nicht hinnehmen kann.

Die Sitzung beginnt. Der Kaffeedieb ist konzentriert bei der Sache. Showtime!

Ich stupse den Typen zu meiner Rechten, also den Kaffeedieb, an und unterbreche die Informationsaufnahme für einen Moment.

„Äh… ob Sie mir wohl mal eben die Teebeutel reichen könnten?“

„Was? Äh klar.“

Ich: „Macht ja auch Sinn. Wenn sie mir schon das Teewasser vor die Nase stellen, brauche ich ja auch die Teebeutel, nich?!“

Wortlos schiebt er mir die Teebeutel rüber und blickt wieder auf den Redner.

Hmmm, hättest du wohl gerne!

„Äh, ob Sie mir wohl mal eben noch die Milch anreichen würden?“, frage ich überfreundlich.

Der Typ ist irritiert, kann er doch leider gar nichts von der Präsentation verstehen. Ich auch nicht, aber mir ist das im Gegensatz zu ihm gerade mal schnurzpiepegal! Freundlicherweise erhalte ich gleich drei Milchtöpfchen. Während sich sein Blick wieder auf dem Weg zum Vortragenden macht, bleibt er für eine Sekunde zu lange an dem Plätzchenteller hängen, der vor mir steht.

Meine Hand fährt aus und schnappt sich die Teekanne, es wird Zeit, dass ich mir einen Tee zubereite. Sorgsam stelle ich sie wieder vor dem Keksteller ab und zwar so geschickt, dass der Kaffeekannendieb schon um die Kanne drum herum greifen müsste, um an einen Keks zu kommen.

Er streckt den Arm aus, greift um die Kanne herum und bekommt doch tatsächlich ein Plätzchen zu fassen. Ein anderer Kollege, der mir schräg gegenübersitzt, linst ebenfalls auf den Plätzchenteller. Nett wie ich bin, schiebe ich dem den Teller natürlich gerne zu. Der Kaffeekannenmopser kann den Keksen nur noch hinterher sehen.

Die Milchtöpfchen schiebe ich erst einmal beiseite. Ich mag nämlich gar keine Milch in meinem Tee.

Der Vortrag läuft weiter und ich gieße mir den zweiten Tee auf.

„Tschuldigung, aber ob Sie mir wohl noch einmal den Teebeutelteller geben könnten?“

Leider muss ich den Typen dann doch noch einmal davon abhalten dem Vortrag zu folgen.

„Sie haben ihn doch schon!“, genervt zeigt er auf den Teller mit den frischen Teebeuteln.

„Jaaaaaa, den schon. Aber ich brauche noch einen Teller für die gebrauchten Beutel.“

Ich bekomme Teller Nummer zwei gereicht.

„Danke.“

Der erste Vortrag endet.

„Ach?! Schon vorbei? War der nicht interessant?“, frage ich den Kannendieb, der von dem Vortrag nicht viel mitbekommen haben dürfte. „Ach, und würden Sie gerade mal aufstehen bitte? Ich muss nämlich mal raus, der Tee drückt.“

Was soll ich sagen, wir hatten noch viel Spaß miteinander 😉

Kommt gut ins Wochenende und alles Liebe,

die Emily

26 Gedanken zu „Bürogeflüster

  1. Liebe Emily,

    Das hast Du toll gemacht. Wenn ich jemand furchtbar nervt werde ich überfreundlich und piesacke ihn wo es geht.

    Liebe Grüße und komm gut über die arbetisfreien Tage.
    Harald

    • Überfreundlichkeit ist auch eine Art und Weise zu zeigen, dass man getroffen wurde. Allerdings.

      Hab einen schönen Sonntag & liebe Grüße, Emily

    • Ich frage mich wirklich, wo sind wir denn hier? Sollte ich noch einmal die Gelegenheit dazu haben neben ihm zu sitzen, werde ich das garantiert tun. Und dabei werde ich genauestens (!) kontrollieren, ob er etwas gelernt hat. Ansonsten helfe ich gerne noch einmal nach :mrgreen:

      • Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Warum nur …?! 😛

        Manche Wesen sind echt zu stokelig! Denen muss man dann auch auf die Füße helfen. Sonst blamieren sie sich doch immer wieder. Und wer hätte das verhindern können? Genau: DU. Es wäre sträflich, wenn Du das dann unterlassen und ihn in weitere Messer laufen lassen würdest. Ganz klare Sache! Ja, sehe ich auch so!

        ;o))

        • Wenn ich gekonnt hätte wie ich wollte, hätte ich ihn am Stuhl festgebunden, den Kaffee vor seinen Augen genüßlich aufgeschlürft und die Kekse weggenuspert und dann hätte ich ihn mal gefragt, ob ihm ein Licht aufgeht. So musste ich eine weitaus weniger spektakuläre Art der Überzeugung wählen.
          Du zweifelst halt nicht, weil wir doch ähnliche Gedankengänge pflegen *ggg*

  2. Sen-sa-tio-nell, liebe Emily, ich habe laut gelacht… Eine kleine sadistische Ader kannst Du aber nicht verleugnen, oder??? 🙂 Schmunzel-lachende liebe Grüsse Andrea
    P.S. Falls er erkannt hat, was genau sein Fehler war, wird er DEN nie wieder begehen:-)

    • Durchaus, liebe Andrea. Ein bisschen Sarkasmus entfleucht mir dann und wann schon einmal. Man lernt doch am ehesten durch eigene Erfahrungen, nicht wahr?! 😉

      Liebe Grüße, Emily

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