„Es gibt noch Restkarten!“

So das Motto des aktuellen Programms von und mit Michael Krebs und damit ist dann auch die diesjährige Kabarettsaison für mich gestartet!

Der schwäbische Comedian hat schon einige Comedypreise eingeheimst und bezeichnet sein Klavier-Kabarett selbst als „Kleinkunst Rock’n Roll“. Gut, seine Gesangsqualitäten haben mich nicht wirklich umgehauen, doch Michael Krebs hat es leichtfüßig geschafft, sein Publikum für Metallica zu erwärmen & für den Gruß eines Metallers zu begeistern. Nur nach Wacken wird wohl keiner freiwillig fahren.

So viel zum Programm! Kürzlich war ich mit meinem Freund Jan in eben dieser Vorstellung. Wir hatten ein Glas Wein in Hand, eine gute Sicht, gute Plätze … aber mein Nachbar zur Rechten war irgendwie merkwürdig.

Nachdem wir uns unsere Plätze gesichert und uns für die kommende Stunde häuslich einrichteten hatten (keine Sorge, die Puschen hatte ich zu hause gelassen), nahm ein Paar mittleren Alters neben mir Platz. Kaum saß er, packte er seine kleine Knipskamera aus.

Auf der Bühne war noch gar nichts passiert, doch kaum hatte er seine Jacke abgestreift, knipste er gleich drauf los. Dabei produzierte seine kleine Kamera lauter fiebsige Geräusche. Er fotografierte die Ränge. Dann die leere Bühne. Und noch mal ein Sicherheitsbild hinterher. Und noch eins.

Ungläubig sah ich ihm dabei zu, wie er mindestens zehn Aufnahmen der leeren Bühnen anfertigte. Das Display seines Fotoapparates war so hell, dass ich alles verfolgen konnte. Absolut alles!

Hatte der jetzt etwa auch die Stühle von hinten fotografiert? Er hat!

Ich tippte Jan an.

„Sag mal, was fotografiert der? Ist doch noch gar keiner auf der Bühne!?“

„Keine Ahnung.“

Ich strich mir über die Schläfen.

Michael Krebs betrat die Bühne und der Typ neben mir knipste drauf los. Das Szenario hatte etwas von einem roten Teppich. Kein Witz!

Jetzt wurde auch Jan nervös. „Was knipst der da?“

„Gute Frage! Ich weiß nur eins, wenn der so weiter macht, dann wird es eine Dia-Show. Oder er dreht am Ende noch einen Film, ohne Ton versteht sich.“

Ich weiß nicht was nerviger war, das dauernd aufblitzende Display seines Fotoapparates, oder das Geräusch, das sein Knipsdings  ständig machte. Jedenfalls war ich von dem eigentlichen Programm, nämlich dem Kabarett, in der Tat abgelenkt.

Vermutlich hatte der Hobbyfotograf gehört, wie Jan seine Frage an mich gerichtet hatte. Denn der Knipser lies seine Kamera sinken. Es fiel ihm sichtlich schwer, ein paar Minuten lang mal keine Fotos zu schießen. Sorgsam legte er die Kamera in seinen Schoß, aber nicht, ohne sie auch noch einmal liebevoll zu streicheln. Richtig, er   s t r e i c h e l t e   seinen Fotoapparat!

Ich beugte mich etwas vor und linste zu seiner Partnerin. Ich fragte mich, ob sie vielleicht auch gerne eine Kamera wäre… oder war sie darüber erleichtert, dass ihr Lebensgefährte etwas zum Spielen hatte? Ergänzten sie sich zusammen einfach perfekt, in dem SIE von dem Kabarett berichtete und ER die Bilder dazu zeigte? Arbeitsteilung quasi? Gehörte der Typ gar zum Kabarett?

Man weiß es nicht. Im Ganzen war es jedenfalls ein lohnenswerter Abend, so viel steht mal fest!

Sollte sich jemand von euch das Stück ansehen wollen, haltet gegebenenfalls Ausschau nach einem untersetzten Typen mit einer kleinen Kamera in der Hand! Man kann ihn auch hören, da er ganz prima mit dem Fuß Flaschen umstoßen kann!

Die Emily

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10 Gedanken zu „„Es gibt noch Restkarten!“

  1. Das ist ja sogar im chaotischen Berlin in den Vorstellungen meist verboten – und wenn schon, dann natürlich ohne Blitz und ohne Auslösergeräusch. – Ich hätte ihn auf seine „hervorragenden“ Kamerakenntnisse angesprochen – oder schlimmer – ich hätte ihm das Ding symbolisch entwunden.

    • Hier ist es eigentlich auch untersagt. Aber, wenn es nicht ausdrücklich erwähnt wird, macht doch jeder, was er will. Ich wundere mich immer darüber, dass die Leute selbst nicht merken, dass sie mit ihrem Verhalten stören. Scheinbar sind sie da einfach nicht sensibel genug. Und dann kann man ja auch immer noch sprechen. Er ist scharf daran vorbei geschrammt;o)

  2. Michael Krebs versteht es bestens, sein Publikum in seinen Bann zu ziehen, sie mit seinem „lach dich scheckig-Humor“ musikalisch anzufixen, ob er nun über die hässliche Nudel von Heinz sinniert oder darüber, dass man ihm bei ALDI Hausverbot erteilt hat oder gar darüber wie sein Opa junge Dinger anbaggert. Das wohl künstlerisch wertvollste Werk auf „Vom Wunderkind zum Spätentwickler“ ist „Das Clayderman-Konzert“. Hier zeigt Michael, dass man auf dem Piano einen Song spielen kann, zu dem man aber einen ganz anderen Song singt. Das ist wahres Können und sucht Seinesgleichen. Wunderschön erklingt „Rote Rosen“, angelehnt an „Für mich soll`s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef, erfrischend jazzig ausgeführt und neu getextet. Die Texte von Michael Krebs sind gekonnt zusammengeschrieben und charmant bis humorvollst vorgetragen, oftmals klug und zum Nachdenken bestimmt („Beraterparadies“) mit dem Ergebnis, dass keine Lidfalte trocken bleibt und man sich hemmungslos beömmeln kann, bis sich die Lippen blau färben. Diesen Zustand erreicht man am schnellsten, wenn man die Nummern erwischt, die mit schwäbischem Dialekt gespickt sind.

    • Du scheinst ihn doch besser zu kennen und schon mehr von ihm gesehen zu haben.
      Danke, für deinen Kommentar. Eine Mischung aus mehreren Elementen seines Programmes!

      Viele Grüße, Emily

  3. Man fragt sich ja wirklich, was er mit den Fotos will…vielleicht war die Kamera neu??? Michael Krebs ist auch schon hier aufgetreten und ich fand ihn sehr erfrischend mit seinem herrlichen Dialekt! Ein schönes Wochenende wünscht dir Rana

    • Du, ich habe keinen blassen Schimmer. Vielleicht war sie tatsächlich neu und er musste ein wenig herum probieren. Schön, wenn dir der Herr Krebs auch gut gefallen hat!

      Hab noch einen schönen Sonntag & liebe Grüße, Emily

    • Ich habe tatsächlich daran gedacht ihn anzusprechen. Allerdings war er so in seine kleine Kamera verliebt, dass sich das erübrigt hatte. Vielleicht hat er auch nur mit seiner neuen Knipse geübt? Eine andere Gelegenheit wäre durchaus passender gewesen 😉

      Liebe Grüße, Emily

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