Ich wollte nur Briefmarken!

In der Nähe der Firma, in der ich arbeite, befindet sich ein kleines Büdchen. Für den schnellen Griff zu Zeitungen & Co eine ziemlich bequeme Anlaufstelle. Auch Briefmarken können hier käuflich erworben werden.

Der Besitzer dieses Büdchens gibt einem Kunden allerdings stets das Gefühl, dass man ihm mit „Geschäft“ droht. Er ist ein absoluter Stiesel *)

Meist sitzt er in einem kleinen Nebenraum, nahe der Theke. Logischerweise muss er dann aufstehen, wenn ein Kunde den Laden betritt. Das macht ihn nicht glücklich. Den Kunden im Übrigen auch nicht wirklich.

Diese Dienstleisterrowdies habe ich ja gefressen! Mit notorischer Regelmäßigkeit habe ich diesen Laden also betreten, gegrüßt und dann auch noch zur Krönung des Ganzen gelächelt. Und siehe da, eines Tages lächelte er doch tatsächlich zurück. Geht doch!

Meine Kollegen unterhielten sich neulich ebenfalls über Herrn Stiesel. Demonstrativ schnappte ich mir eine Akte und ging an den beiden vorbei, aber nicht ohne erwähnt zu lassen, dass er MICH schließlich schon anlächeln würde. Es gibt Triumphe, die muss man einfach auskosten.

„Wie hast du das denn hingekriegt?“

„Tja, ich habe den so lange angegrinst, bis er nicht mehr anders konnte. Ganz einfach. Da kann man nur mit Methode ran!“

Mein Kollege verdrehte die Augen und winkte ab.

Gestern musste ich wieder in das besagte Büdchen. Zunächst verlangte ich meine Zeitung und begann dann allerdings einen groben Schnitzer.

„…ach, und zwei Briefmarken zu -,58 ct bitte.“

Jetzt war ich zu weit gegangen. Nicht, dass ich nur meine Zeitung wollte. Nein. Ich verlangte am 03.01.2013 bereits zwei Briefmarken mit neuer Wertigkeit. Ja Entschuldigung, aber das schlug dem Fass ja wohl den Boden aus!

Wortlos trabte er zu seiner Schublade (er trabte übrigens wirklich) und riss daran herum. Ich versuchte zu beschwichtigen.

„Auch doof jetzt irgendwie oder? Also ich meine, dass die jetzt -,3 ct da jetzt hinzu kommen…“

Außer seinem Rascheln hörte ich: Stille.

Okay, also er will scheinbar nicht sprechen.

Wortlos legte er mir zwei Briefmarken zu -,55 ct und zwei weitere zu -,3 ct auf die Theke.

Na guck‘ mal, das hätten wir doch schon mal geschafft!

„Na, hoffentlich kommen heute dann mal nicht so viele, die auch neue Briefmarken brauchen was? Ist ja schließlich noch früh.“

Lese ich Entsetzen in seinem Blick? Fein! Dann habe ich ja alles richtig gemacht!

Wäre denkbar, dass ich demnächst wieder Aufbauarbeit leisten muss. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen und Spaß an der Freude?

Alles Liebe, die Emily 😉

*) Der Duden schreibt übrigens Folgendes:

Stiesel = Wortart: Substantiv, maskulin (Sorry Jungs, aber dafür kann ich nun wirklich nichts!)

Worttrennung: Stie / sel (für den Fall, dass das wichtig ist)

Bedeutung: Mann, der sich in Ärger hervorrufender Weise unhöflich […] verhält

23 Gedanken zu „Ich wollte nur Briefmarken!

  1. War das eine Machtdemonstration oder brauchtest du tatsächlich zwei Briefmarken? Bei Ersterem gilt wohl: „Vorsicht, wenn du Emily aus der Reserve lockst“, während die zweite Fassung Emilys Beharrlichkeit (den bringe ich schon noch zum Grinsen) zeigt. Ich gebe meine Briefe, kommt selten vor, auf der Poststelle persönlich ab und lasse die freundlichen „Postler“ die Klebearbeit machen.
    C.H.

    • Nö. Ich brauchte tatsächlich zwei Briefmarken. Aber ich tippe mal generell auf eine Kombination von beidem 😉

      Liebe Grüße zum Wochenende, Emily

  2. Mich wundert’s stets, wie solche Stiesel überhaupt ihr Geschäft halten können, oftmals über viele Jahre hinweg. Aber wahrscheinlich hat der werte Herr in dieser Gegend so eine Art Monopol-Stellung. Man sollte vielleicht so etwas wie ein Konkurrenzgeschäft in der Nähe iniziieren. Mit freundlichen Leutchen hinterm Tresen, die zuvorkommend sind, und denen das Lächeln nicht gar so viel Ungemach bereitet… :mrgreen:

  3. Hehe 🙂 Hast du alles gut gemacht 🙂 Wenn ich auf so unfreundliche Leute treffe, werde ich immer gaaanz freundlich. Und irgendwann klappts dann wirklich, das sie aus der Reserve kommen. Aber dein Exemplar ist schon was besonderes 🙂 Und solange die Leute trotzdem kommen, kann er ein Stiesel sein, wie er will. Klappt doch trotzdem. 🙂
    LG Gabi

    • Siehst du, du machst es auch so. Die Erfahrung habe ich eben auch gemacht. Wer weiß, vielleicht stecken sie eines Tages selbst jemanden an 😉

      Hab ein schönes Wochenende, liebe Gabi!

  4. Ich mag es, Menschen aus der Reserve zu locken.
    In der Sauna habe ich jede Woche auch so einen „Stiesel“ gesehen, im Restaurant, beim Essen oder Zeitunglesen. Einmal bin ich an seinem Tisch stehen geblieben, habe ihn angeguckt und gesagt: Können Sie eigentlich auch lächeln? Er war völlig verdutzt, l ä c h e l t e und ich sagte: Na geht doch! Und Sie sehen gleich viel freundlicher aus.
    Seitdem lächelt er mich unaufgefordert an und grüßt auch freundlich 🙂 .

    Einen lieben Gruß,
    Anna-Lena

    • Hehe… da bist du noch eine Spur weiter, würde ich sagen 😆 Sehr gut! Wir kriegen die ernste Mannschaft eines Tages!

      Hab ein schönes Wochenende und liebe Grüße,

      Emily

  5. Ja, solche Kerle gibt es. Ich meine da gibt es zwei Möglichkeiten der Reaktion. 1. so wie Anna Lena und wenn das nicht klappt, den Kerl mal ordentlich in den Senkel stellen. Kann aber sein, dass Du Deine Briefmarken dann woanders holen musst. 🙂
    Hab einen schönen Tag.
    LG Harald

  6. Liebe Emily,

    der kann nichts dafür, das ist seine Natur. Lächle einfach weiter, bleib weiterhin freundlich und sei gewiß, dass du eines Tages ein Lächeln geschenkt bekommst und ich denke, dass du dich darüber sehr freuen würdest.
    Hab ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße von Mathilda ♥

    • So sehe ich das auch. So schnell vergeht mir das Lächeln ja nu nicht. Und wer weiß, vielleicht kriegt er ja doch noch die Kurve.

      Viele liebe Grüße, Emily

  7. Ähnlich erging es mir mal in einer Bäckerei: Meine Mum und ich betraten das Etablissement und zeigten Kaufbereitschaft. Der entsetzte Blick der Bäckereifachverkäuferin, die gerade mit ihrem Handy ein offenhörliches Privatgespräch führte, sprach Bände. Als sie sich uns später vorsichtig näherte fragte ich sie „Fühlen Sie sich durch unseren Umsatzwillen sehr bedroht oder gehts gerade noch?“. Daraufhin schnippte sie zurück, dass es sich schließlich gehöre zu grüßen, wenn man irgendwo rein kommt, woraufhin meine Mum und ich wie aus einem Mund sagten „Das haben wir!“. Sie kam also nicht umhin, uns doch tatsächlich bedienen zu müssen.

    Manche Tage sind eben einfach scheiße! 😉

  8. Genau, nur mit Freundlichkeit kommt man weiter bei solchen Stieseln.
    Grins, WAS für eine Herausforderung mit der neuen Briefmarke, herrlich!
    Danke für das breite Grinsen 😉

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