Überfordert!

Die Tanknadel meines KfZs neigte sich ziemlich bedenklich in Richtung Leeranzeige. Das rote Signallicht zeigte sich bereits, also konnte ich nicht anders als die nächst gelegene Tankstelle anzusteuern.

Ich suchte mir die passende Säule aus und stieg aus dem Wagen.

Ein junger Mann kam auf mich zu. Er trug eine Weste, auf dem das Tankstellensymbol aufgenäht war und lächelte mich freundlich an: „Guten Tag!“

Ok, was habe ich verbrochen?  Ich will ja eigentlich nur tanken…

Ich sah mich um.

Meint der mich überhaupt?

Stehe ich an der Säule für LKWs?

Schleife ich etwas hinter mir her?

Habe ich einen Blumenkübel überfahren und es nicht bemerkt?

Schließlich antwortete ich: „Guten Tag.“

Er lächelte immer noch und kam näher: „Darf ich vielleicht das Tanken für Sie übernehmen?“

???

Ich: „Ähm, nein! Dankeschön. Das krieg‘ ich schon hin.“

Er: „Gerne kontrolliere ich auch den Ölstand Ihres Wagens? Haben Sie noch genug Wischwasser?“

Also, mit so viel Freundlichkeit war ich schlichtweg überfordert und ehrlich gesagt, ist man das doch irgendwie auch glatt nicht gewohnt…

Ich stotterte weiter: „Danke! Ist alles gut…glaube ich.“

Etwas verlegen griff ich zum Zapfhahn und befüllte meinen Tank. Der freundliche Tankstellenmann half indes nebenan weiter.

Ich beäugte ihn schlitzäugig von der Seite her.

Tsetsetse…

Was ich mir leisten konnte floss wie flüssiges Gold ich den Tank. Dann lief ich in das Gebäude, zahlte und ging zurück zu meinem Wagen.

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und eine gute Fahrt!“, rief  mir der Tankstellenmann nun auch noch winkend hinterher.

Verblüfft winkte ich zurück und wünschte ihm ebenfalls einen schönen Tag.

Meinen hat er jedenfalls nett versüßt. So viel steht mal fest!

Alles Liebe,

die Emily

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53 Gedanken zu „Überfordert!

    • Das nenne ich Service und den sollte es öfters geben. Aber es gibt auch schwierige Kunden. Das darf man mal nicht verheimlichen 😉

      Hab Sonne im Herzen ♥

  1. Schon krass irgendwie dass man in unserer heutigen schnelllebigen Zeit mit ein wenig Freundlichkeit schon völlig verwirrt und überfordert ist, oder? Aber tatsächlich gibt es solche Momente kaum

  2. Ich glaube ich hätte auch erst mal Schiss gehabt, dass er vielleicht mein Geld klauen will oder so?!
    Wie schön, dass es auch anders geht 🙂
    Und – Du fährst bestimmt nochmal hin, oder?
    Schönen Tag Dir!

    • Ist das nicht verrückt, dass man so denkt?! Zwar dachte ich nicht daran, dass er mir ans Geld will. Aber stutzig hat mich diese Freundlichkeit dann doch gemacht. Anschließend habe ich ihm natürlich mein nettestes Lächeln geschenkt. Das war ich ihm schuldig 😉

      Komm gut in die neue Woche!

  3. Was für ein netter Mann 🙂 Echt traurig, daß wir Unfreundlichkeit schon so gewohnt sind, daß wir Freundlichkeit teilweise als merkwürdig und gruselig empfinden. Das man sich bei einem Lächeln eines Fremden fragt was der wohl will, sagt viel über unsere heutige Gesellschaft aus.

    • Da fahre ich doch gerne wieder hin und schon hat die Marketingstrategie funktioniert 🙂 Bevor ich gefahren bin habe ich ihn jedenfalls besonders nett angelächelt und alles gut gemacht! Es müssen mehr „Lächeln“ verschenkt werden. Klare Sache!

      Lächelnde Grüße zu dir 🙂

  4. Toll!! Und: Es ist immer wieder interessant, wie wir bei Freundlichkeit Vorsicht walten lassen. Aber: Wir sind uns einen Tankwart halt nicht mehr gewöhnt…

    • Ich meine mich sogar noch daran erinnern zu können, dass es Tankwarte an den Tankstellen gab. Hübsch? Nu ja, liegt ja immer im Auge der Betrachterin. Sagen wir es mal so, er war sehr nett 🙂 Da kann man alle Male tanken, meine Liebe ♥

      Ich grüße dich ebenfalls lieb zum Abend, Emily

  5. Öhhm, da flizt bei unserer Tankstelle auch oft einer rum, der einem den Tank füllen will. Auch mit Tankstellen-Aufnäher…
    Aber so viel Service bietet der nicht an.
    Tja, sowas am frühen Morgen kann einen schon aus den Pantoffeln haun, lach

  6. Schön! Wenn sich alle, Verkäufer und Kunden, ein ganz klein wenig Mühe geben, was wäre das schön. Und kosten tut ein Lächeln und ein freundliches Wort ja auch nichts. 🙂

  7. Oh, wie nett :-). Ich musste heute alles alleine machen, tanken, Scheiben wischen etc. Eine nette Hilfe war nirgends in Sicht 😦 . Dafür habe ich günstig getankt: 1,69 für Super. Wo findet man das heute noch 🙄 ?

    LG Anna-Lena

    • Tja du, so ein Service ist mir auch seltenst begegnet. Ob der dann auch gerne die Kreditkarte entgegen nimmt und die Zahlung durchführt? Ob der mir dann auch eine Karte aus Brasilien schickt?? 🙄
      Tankst du Super? Gab es gestern für den Bruchteil einer Minute zu 1,63! Es war wie Weihnachten!

      Liebe Abendgrüße, Emily

  8. Nett und freundlich sein hellt den Alltag immens auf – und kostet kein Geld, nur ein bißchen Übung. Thumbs up
    Ich winke dir heute einmal ganz besonders freundlich zu, liebe Emily..
    Isolde

    • Das ist die leichteste Übung der Welt und mit einem bisschen Freundlichkeit heitert man sogar seine eigene Welt ordentlich auf. Also, nicht geizig sein! 😉

      Herzliche und ganz liebe Grüße zu dir, liebe Isolde!

  9. Hallo Emily,

    mir ist das auch mal passiert. Der Tankwart bot seine Hilfe an hat getankt, die Scheiben gesäubert, nach dem Öl geschaut und sehr freundlich mit mir geredet. Ich habe mich gefreut – bis ich an die Kasse kam. Dort würde für diesen Service ein Euro berechnet. Davon hatte der freundliche Tankwart nichts erzählt. Service ist halt nicht immer Service.

    Liebe Grüße
    Harald

    • Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Service Geld kostet. Was ist schon umsonst. Allerdings sollte das auch irgendwo sichtbar sein, so dass du entscheiden kannst, was du willst. Wenn dir der Service der EUR wert ist, ist es ok. Wenn nicht, machst du es selbst.

      Aber nett war es trotzdem 😉

      Hab noch einen schönen Abend, lieber Harald!

  10. Das sind wir nicht mehr gewohnt. Bedienung anstatt Selbstbedienung. Weil das so ist, betanke ich meinen Dienstwagen (Diesel) mit Handschuhen, die im Kofferraum für alle Fälle bereit liegen.
    Nach meinen Erfahrungen dieser Tankstellenkette steht an der Kasse ein Sparschwein für den freiwilligen Euro.
    C.H.

    • Das Tankstellensparschwein ist völlig in Ordnung. Dann kann jeder entscheiden, wie er es handhaben will. Genug Leute entscheiden sich auch für den Service für umsonst! Ein guter Freund von mir bekommt von einem freiwilligen Tankwischwaschwart immer eine Vorwäsche für die Felgen, bevor der Wagen in die Waschstrasse geht. Der alte Herr gibt sich immer viel Mühe und dafür bekommt er auch immer seinen EUR. Finde ich völlig ok.
      Du hast die Handschuhe aber nur für’s Tanken im Kofferraum oder?? 😉

      Liebe Grüße, Emily

  11. Im solch einer Situation war ich kürzlich auch … und ich war genau so verdutzt … Diese Freundlichkeit hat mich dann doch 2 Euronen Trinkgeld gekostet … 🙂
    Rose

  12. Ist schon komisch, dass man echt ins Grübeln kommt, wenn jemand sehr nett ist. Eigentlich müsste das die Regel sein. Schön, dass es manchen noch ganz wichtig ist.

    Liebe Grüße von der Gudrun
    (Den hätte ich zu Beginn meiner Autofahrära haben müssen! Manno, hab ich mich angestellt. :D)

    • Ja, du hast recht. Aber gleichzeitig erinnert es auch daran, dass die Freundlichkeit ein günstiges und kostbares Gut ist und man es ruhig mal wieder verschenken darf 😉

      Meinst du, eine freundliche Hilfkraft wäre damals gut angebracht gewesen???

      Alles Liebe, die Emily

  13. Ich bin von Grund auf ein freundlicher Mensch und ich lächle oft andere Menschen an, wenn ich durch die Straßen laufe. Entweder es kommt ein Lächeln zurück oder eine Hand vorm Gesicht, die wischähnliche Bewegungen macht, so in der Art: Die Alte hat ne Macke ;-).

    Es sollte uns zu Denken geben, wenn wir durchdargebotene Höflichkeit durcheinander geraten….

    Komm gut ins Wochenende!

    • Das ist so gut, dass du das machst! Freundliche Menschen sieht man doch auch viel lieber an als so olle Knöselgesichter. Es wirkt viel offener und überhaupt! Ich würde zurück lächeln, ganz klar!

      Hab noch einen schönen Abend und liebe Grüße zu dir.

  14. Da tut sich die ganze Tristesse des deutschen Service im Alltag auf: ein freundlicher, zuvorkommender Mensch kann einen direkt misstrauisch machen….
    Ja, doch, das stimmt alles! Ich erinnere mich, wie ich mich bei jedem Besuch in Deutschland über div. unhöfliche, pampige, unwillige oder gar widerwillige Bedienung gewundert/geärgert habe. Service fängt beim Lächeln an.

    • Da hast du gut gebrüllt Löwe. Und auch den Kunden würde es gut tun dem Service ein Lächeln zu schenken. Dann sind die Leutchen vielleicht auch etwas aufgeschlossener. Sammelst du bei euch bessere Erfahrungen?

      • Da hier die Leute im Dienstleistungsbereich auf Trinkgelder angewiesen sind (vom mickerigen Grundlohn kann man keine Familie über die Woche bringen) sind eigentlich alle sehr aufmerksam, immer freundlich und hilfsbereit. Schätze, eine Kassiererin, die im Super dem Kunden keinen „Guten Tag“ und nach dem Kassieren „ich wünsche Dir/Ihnen einen schönen Tag“ wünscht, die fliegt. An der Tanke, ob Frauen oder Männer bedienen (SB habe ich hier noch nie gesehen) müssen sie die volle Palette an möglichem Service anbieten und selbstverständlich die Scheiben waschen. Und lächeln!
        Ja, Service wird hier sehr gross geschrieben. Dazu gehört auch, das auf beinahe jedem Parkplatz Autowäscher-Trupps warten, die eine Autowäsche während des Einkaufs für 40 Pesos (2,40 Euro) anbieten un d gut gebucht sind.

        • Okay, das nenne ich Service. Begründet, gar keine Frage. Wenn ich dabei an die Minijobber denke, sind die Aussichten eigentlich ähnlich. Und doch sehen wir eher herunter gefallene Mundwinkel. Sicherlich jammern wir auf einem sehr hohen Niveau oder liegt das Nörgeln ist unseren Genen?

        • Vielleicht weil sich zu Bedienende manchmal auch so aufführen, als hätten sie den ganzen Service für sich gepachtet? Manche lieben es auch, jemanden für sich buckeln zu sehen. Respekt sollte natürlich jedem entgegen gebracht werden. Jeder Job, dem nachgegangen wird ist kostbar und jeder Mensch ver“dient“ seine Lebensgrundlage. Etwas mehr Toleranz für einander, vielleicht ist das ein Anfang.

  15. Hihi, ich sehe Deine Verwirrung förmlich vor mir… Eigentlich traurig, dass wir bei soviel ungewohnter Freundlichkeit gleich „komisches“ denken. Mir ist in Luxemburg letztens auch so ein netter Tankwart begegnet, das Tat richtig gut und ich dachte natürlich: andere Länder, andere Sitten:-) freundliche liebe Grüsse Andrea

    • Und siehe da, wir müssen nicht mal bis nach Luxemburg reisen. Münster reicht schon! So schöne und aufheiternde Erlebnisse 🙂

      Sonnige Wochengrüße, Emily

  16. In einer Welt der Spritpreisbindung entscheidet nur noch der Service über Sieg oder Niederlage beim Kunden. – Aber das stimmt, freundlicher Service wirkt manchmal befremdlich, wenn man ihn nicht erwartet. Und an der Tanke erwartetet man ihn nicht. – Ist so. 😀

    • Service ist extrem wichtig, dazu zählen sicherlich auch Beratung und Freundlichkeit. Die Margen sind oft so knapp bemessen, da haben Unternehmen oft wenig Spielraum. Das gilt für einige Branchen. Aber mit Freundlichkeit werde ich doch äußerst gerne überrascht 😉

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