Extraschicht – Nacht der Industriekultur

53 Spielorte, 200 Events, EINE Nacht… Einmal im Jahr werden Industriekulissen zu Bühnen für Inszenierungen, Illuminationen und allerlei Begegnungen. Dann ist Zeit für die Extraschicht, zu der die Menschen von nah und fern kommen, um in außergewöhnlicher Atmosphäre auf eine Endeckungsreise durch die Industriekultur zu gehen.

In dieser Nacht sind etwa 200.000 Menschen unterwegs, staunen, lassen sich mit Shuttlebussen, -schiffen oder -bahnen von Ort zu Ort bringen und genießen, was geboten wird.

Man muss dazu sagen, dass es unmöglich ist, in einer Nacht alle Spielorte zu besuchen. Der Besucher plant anhand eines Programmes eine Tour und legt dann los.

So wie meine Freundin Rieke und ich.

In diesem Jahr starteten wir beide am Umspannwerk in Recklinghausen mit einem Schiffsshuttle in Richtung Herne. Das Schiff fuhr etwa 1 Stunde lang über den Rhein-Herne-Kanal, bis wir über die Schleuse zur Künstlerzeche „Unser Fritz 2/3“ gelangten.

Schleusenfahrt

Allein diese Fahrt war schon interessant. Das Schiff unterlag einer Schlagerparadebeschallung und ich war kurz davor die Lautsprecher abzuschrauben, als sich unser beider Aufmerksamkeit auf ein Gespräch konzentrierte, das neben uns geführt wurde.

Sie: „Weißt du, ich gehe jetzt auch wieder schwimmen, wo es doch mit meiner Schuppenflechte nicht mehr so schlimm ist. Das Salzwasser tut ja sooooooooo gut!! Und mein Mann, mein Mann, der wollte ja eigentlich nicht mit. Ich denke ja immer, ich muss dem unbedingt mal Schwimmflügel besorgen. Gibt es die auch für Erwachsene sag‘ mal?! Jedenfalls hat er es mit Wasser ja nicht so.“

Die Freundin nickte zustimmend und ich zückte mal schnell einen Zettel und einen Stift, um mir ein paar Notizen zu machen. Rieke begann zu lachen.

Sie weiter (ohne Luft zu holen): „Und ich habe ihm jetzt für den Urlaub auch diese Schwimmschühchen gekauft. Ich möchte nicht, dass er sich die Zehe an den Steinen anstößt!“

Ist das nicht irgendwie lieb?!

Das Bild, das ich vor Augen habe ist ganz grauselig, da geht meine Phantasie gleich wieder mit mir durch. Fürsorglich ist es definitiv!

An der Künstlerzeche gingen wir von Bord. Draußen spielten Bands und drinnen zeigten uns einige Künstler ihre Ausstellungsstücke.

Es war eng in den Gängen des alten Zechengebäudes. Rieke war gerade auf dem Weg ein Drahtobjekt näher zu begutachten, als ihr ein Stuhl im Weg stand. Kurzerhand stellte sie ihn bei Seite.

Ich: „Heyyyy, was machst du?!“

Rieke sah mich irritiert an. „Was denn?“

Ich deutete auf den Stuhl.

„Was, wenn du jetzt ein Kunstwerk zerstört hast? Na? Der SOLLTE so stehen. Und DU verrückst den einfach so. Wer weiß, was … äh… hier… dieses Arrangement hier zu bedeuten hat.“

Eben so bedeutend blickte ich sie an und nickte bedächtig.

Danach schütteten wir uns vor Lachen aus.

Ich zückte mein Notizbuch und schrieb mir einen Satz auf, als der Künstler der Drahtobjekte mich ansprach.

„Und? Was wird notiert?“ (so, oder so ähnlich)

Ich stutzte und lachte ihn an: „Ach, die besten Geschichten schreibt das Leben immer selbst!“

Er konnte ja auch nicht wissen, dass wir gerade Blödsinn im Kopf hatten.

Ausgerechnet, als wir den Raum verließen, rannte Rieke beinahe eines der Drahtobjekte um. Beinahe! Ist nichts passiert! Im Geiste hatte ich schon überlegt, ob ich eines der Kunstwerke nicht irgendwo unterbringen könnte.

Mit einer, für uns, nahezu historischen Straßenbahn fuhren wir vorbei an der Zeche CONSOL in Gelsenkirchen, hin zur Zeche Zollverein (alias UNESCO-Welterbe) in Essen. Die Zeche Zollverein wird als die schönste Zeche des Ruhrgebietes bezeichnet. Man kann jedenfalls sagen, dass es hier ein wunderbares Casino gibt, in dem man großartig essen kann! Man kann auch sagen, dass diese Zeche ein Besuchermagnet ist, da hier viele Ausstellungen und Konzerte stattfinden.

Die Stunden zogen nur so an uns vorbei und so kehrten wir weit nach Mitternacht langsam aber sicher heim.

Es war eine laue Sommernacht (endlich mal eine) und die Stimmung war wirklich prächtig. Eine Veranstaltung, die ich wirklich jedem nur empfehlen kann!

http://www.extraschicht.de

So, ich wäre dann also wieder da!

Alles Liebe für die neue Woche,

die Emily 🙂

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19 Gedanken zu „Extraschicht – Nacht der Industriekultur

    • Herzlichen Dank, liebe Mathilda! Mensch, die Kommentare wären mir hier beinahe untergegangen.

      Auch dir wünsche ich eine angenehme neue Woche und eine angenehme vergangene Woche gehabt zu haben 🙂

      Liebe Grüße, Emily

    • Ich danke dir! Kannst du dir einen Typen vorstellen, dessen Bauch über der Badehose hängt und der in farbigen Schwimmschühchen steckt???? 😆 Wenn du einen schlechten Tag gehabt haben solltest, hilft es mit Sicherheit ungemein!!

  1. Ich hatte auch dran gedacht, was mitzumachen. Aber dann las ich, dass es Karten gibt. Die zu besorgenhatte ich dann keine Lust.
    Bei der Zeche Zollverein ist doch auch die längste Rolltreppe Deutschland, soweit ich weiß.
    Toll, dass du immer was unternimmst, wenn sowas angeboten wird.

    • Du kannst die Karten auch vor Ort bekommen und dir dann eine Location oder mehrere ansehen. Ganz wie du magst. Die freien Shuttlebusse/bahnen bringen dich dann zu den anderen Orten.
      Wir sind mit der Rolltreppe auch rauf gefahren. Wir wollten ursprünglich auf das Dach, doch am Ende war uns die Wartezeit zu lang.
      Manchmal wundere ich mich auch darüber, wie ich das alles schaffe 😉

  2. Da hatte ich ja noch einmal Glück. Ursprünglich wollte ich Keramikobjekte herstellen. Als hätte ich’s geahnt!

    Liebe Grüße an Rieke.

    Und natürlich auch liebe Grüße für Sie, Emily N.
    Ich freue schon auf ihre nächsten Texte

    • Ha!! Seien Sie froh, dass Sie keine Keramikobjekte hergestellt haben. In diesem Fall wäre ICH dagegen gelaufen und zwar 100%ig! Mit Zerbrechlichem habe ich es nicht so. Haben Sie Ihre Presse noch an den Mann oder die Frau bekommen?

      Ganz wichtig: Herzlich willkommen auf meinem Blog und in meinem Alltag 🙂 Es freut mich, dass Sie tatsächlich vorbei schauen!

      Einen lieben Gruß zurück, die Emily

    • Es freut mich, wenn meine Zeilen solche Erinnerungen geweckt haben. Und es ist eigentlich wie du sagst, es ist ein Brief aus der Heimat.

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