Der notorische Mitschreiber

Ich sollte eine neue Reihe eröffnen. Das Motto: Seminarteilnehmer.

Den Textmarker-Killer habe ich ja schon einmal herausgearbeitet. Heute lasse ich euch an meinen Beobachtungen zum „Mitschreiber“ teil haben.

Somit erkläre ich mich zur Ornithologin von Seminarteilnehmern!

Bereits früher sind mir schon einige Male die Typen in Seminarkreisen aufgefallen, die zu Beginn eines Vortrages, wie starr, gebannt an die Leinwand sehen und bereits an dieser Stelle im Begriff sind, die 1. Folie der Präsentation (meist: Thema, Name des Dozenten/Firma o. ä., sowie das Tagesdatum) abzukritzeln!

Das sind die Typen, die sich auch sofort in der ersten Reihe platzieren, um die beste Sicht zu haben.

Genau diese Typen sind es auch, die spätestens bei Folie 53 in der Regel auch meist kurz davor stehen, vor
Armkrämpfen böse geschüttelt zu werden, aber sie halten durch. Bis zum bitteren Ende. Seite um Seite, Tabelle um Tabelle wird hektisch mitnotiert.

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit, damals haben wir ja tatsächlich die Informationen von der Folie abpinnen müssen und es war gar nicht schön, wenn man zu langsam war, oder der Lehrer zu schnell und der dann auch noch viel zu früh die Folie wechselte. Dann gingen hektisch die Blicke flink nach links und rechts, vielleicht waren die Schulkameraden schneller als man selbst, mit der Abschreiberei.

Zur Not hat man am Ende der Stunde in die Klasse gerufen: „Hat irgendeiner den vorletzten Satz von Seite 7???“ Denn die Zusammenhänge haben die Antwort nicht zwingend geliefert. Manchmal konnte man sein eigenes Geschribsel selbst nicht entziffern.

Zurück zur technischen Neuzeit.

Der Kritzelheini, den ich in „meinem“ Seminar im Augenwinkel habe, pinnt jedenfalls mit, was das Zeug hält. Gesprochenes wird sicher automatisch und sicherheitshalber mitstenoisiert (wenn es dieses Wort noch nicht gibt, habe ich es jetzt erfunden).

Der Dozent reißt mich aus meinen Gedanken: „Die Präsentation haben wir Ihnen übrigens auf einen Stick gezogen, der am Ausgang für Sie bereit liegt.“

Und genau in Momenten wie diesen, weiß ich einfach, warum ein gewisses Maß an Gelassenheit im Leben einfach wichtig ist.

Und in genau solchen Momenten wie diesen, weiß ich ebenfalls,  warum es Spaß macht, andere Menschen zu beobachten.

Alles Liebe zum Fast-Wochenende,

die Emily 😉

28 Gedanken zu „Der notorische Mitschreiber

    • Wenn kein Stick da gewesen wäre? Niemand hätte die Präsentation im Nachhinein verschickt? Ich hätte dann jemanden gebeten, abschreiben zu dürfen 😉

      Liebe Sonntagsgrüße, Emily

  1. Im Zweifelsfall hat Emily einfach ein wesentlich besseres Gehirn als der Mitschreiber und kann sich alles merken… oder sie fragt den Mitschreiber nach dem Seminar 😀

    Aber ja.. die Schadenfreude ist deutlich…

    Ich bin übrigens auch eine Mitschreiberin… mein Hirn verlässt mich meist recht schnell und so weiß ich wenigstens meine Hände beschäftigt…

    • Liebe Svü, mein Hirn hätte sich vermutlich nicht alles merken können, zumal ich ja auch mit meiner ornithologischen Beobachtung beschäftigt war :mrgreen:

      Ich hätte gehofft, dass der Vortrag auf einem anderen Wege zu mir gekommen wäre: E-Mail o. ä.
      Sonst hätte ich abpinnen müssen!

  2. Ähh …. hmmm … ich oute mich hier auch mal als Mitschreiberin. Es ist bei mir nämlich so, dass ich das, was ich mit der Hand geschrieben habe nicht so rasch vergesse. Selbst wenn man mir bestimmte Dinge uaf dem Stick liefert, nützt mir das nicht soviel, als wenn ich mitschreibe.

    Tja, so isses ;-(

    • Damit hast du gleich einen weiteren „Lernkanal“ genutzt. Das ist gut so. Wenn man sich das Geschriebene auch noch vorspricht, nutzt man sogar den dritten Kanal. Aber das kommt in einem Seminar vermutlich nicht so gut 🙂
      Das ist schon der richtige Weg, denn dann bist du sicher eine von denen, die gefragt werden, ob sie einem helfen können 😉

      Liebe Grüße!

  3. Nanu, Frau Emily! Sollte man sich in einem Seminar nicht besser auf den Vortrag als auf einen ‚Mitschreiber‘ fokussieren? Ä-häm!

    …Äh…ja, dann wäre es auch langweilig für uns „Stalker“ geworden, gell!

    🙂
    GLG

    • Hast mich wieder erwischt! Jaaaaaaa, hätte ich. Aber was soll ich machen?! Ich kann einfach nicht aus meiner Haut 😉
      Und ganz ehrlich, so bespaße ich mich am Ende auch noch selber! „Stalker“mäßig…

      Viele liebe Grüße zu dir!

  4. Hallo Emily. Ich oute mich mal, bin auch ein notorischer Mitkritzler. So ne Art Angewohnheit, aber nicht ALLES Gesagte. Kommt dann die Ansage: „Datei anbei zum überspielen…“ grinse ich sogar noch 🙂

    • Vermutlich hast du es am Ende besser drauf, als die Nicht-Mitkritzler! Die vergessen nämlich schnell, was sie gerade gesehen haben und müssen – evtl. – einiges nachlesen. Ganz schlimm sind die, die mit ihrer Aufmerksamkeit dann auch nicht mal ganz bei der Sache sind 😉

  5. „Momente wie diese …“ – könnte einen guten Titel für ein Schnulzenalbum abgeben.

    Aber ja, die Gelassenheit ist die Mutter der Weisheit. Der Vater ist Faulheit. Die Großeltern sind Else und Claus Meyer. („Klaus mit C, Meyer mit ‚ey'“, wie Claus oft erwähnt, um ein Gespräch witzig zu eröffnen; wenn niemand den Witz versteht, fügt er gern hinzu: „Ausgesprochen: Mey-ér. Alter deutscher Adel.“

    • Aus dem Titel könnte ich noch mehr machen. Die Texte zu den Songs schreiben, zum Beispiel. Krieg‘ ich hin.
      Die so wichtige Gelassenheit dürfte gerne öfter bei mir zu Gast sein. Komisch, das ist sie immer nur dann, wenn es um’s Lernen geht *hüstel*

      Und bei Else und Claus (ich dachte immer, der schreibt sich mit K), habe ich eindeutig dazu gelernt :mrgreen:

  6. Liebe Emily, du hast das sehr gut beschrieben. Vor allem gefällt mir dieser Satz hier: „Dann gingen hektisch die Blicke flink nach links und rechts, vielleicht waren die Schulkameraden schneller als man selbst, mit der Abschreiberei.“ So war das bei mir zur Schulzeit auch. Aber jetzt im Studium, habe ich nicht immer alles abgeschrieben. Ich bin eher die Zuhörerin, die sich hier und da Notizen macht. Außerdem haben wir viele Skripte auch einfach downloaden können. Bei uns hat es der Dozent gleich von Anfang an gesagt. Das ist doch das Beste 😉

    • Liebe Sweetminds, in der Schulzeit darf man auch abpinnen. Vieles wird doch „nur“ auswendig gelernt und im Nachhinein abgespult. Im Studium kommt mehr Individualität hinzu. Man wählt selbst, was gebraucht wird. Meistens. Also oft 😉
      Ausser bei Gutenbörg 😉

  7. Ich habe ein Vorbild. Werner Höfer vom Internationalen Frühschoppen. Der sagte mal, dass er aus persönlichen Gründen (Handgelenk) fast nicht mit der Hand schreiben kann und deshalb versucht, sich alles zu merken. Seitdem mache ich das auch. Schreibe in Besprechungen nur Termine auf. Des Rest behalte ich mir im Sinn und notiere hinterher im Büro. Beim Zuhören nehme ich mehr auf. Das „Nichtschreiben“ kann man trainieren.
    C.H.

    • Davor ziehe ich meinen Hut! Ich finde es bewundernswert, wenn man sich merken kann, was man hört.
      Ich lasse mich einfach viel zu sehr ablenken… Daher habe ich am Ende auch immer mehr zu tun, als alle anderen 😉

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