„Über den Wolken…“

Nachdem ich eine kleine Spazierrunde vor dem Gate gedreht hatte, setzte ich mich zu anderen wartenden Passagieren. Zu Menschen, die keine Jogginghosen trugen!

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich noch etwa 50 Minuten Wartezeit überbrücken mußte. Also wiederholte ich meine Idee noch etwas zu lesen und kramte mein Buch hervor.

Wenige Minuten später nahm ich reges Treiben um mich herum wahr und sah auf.

Was war denn los?

Eine Stewardess bezog hinter ihrem Tresen Stellung und schon stellten sich die Passagiere artig in einer Schlange an.

Ich sah wieder auf meine Uhr.

Noch 30 Minuten bis zum Boarding.

Ob die Leute Sorge haben, dass sie keinen Platz mehr bekommen? Ob sie wissen, dass sie schon einen Platz haben?

Ich wartete jedenfalls, bis sich die größte Masse durch den Gang gequetscht hatte und folgte dann dem Rest. Langsam aber sicher spürte ich die Müdigkeit aufkommen. Jetzt war ich immerhin schon fast 6 Stunden auf den Beinen. Träge erhob ich mich, schnappte meine Tasche und ging ebenfalls zum Schalter.

Mein Ticket wurde entwertet und ich lief die Treppe hinab, um in den Passagierbus zu steigen.

Feststellung: Wenn man etwas kleiner geraten ist, ist die Halteposition im Bus nicht immer die beste Position!

Wir fuhren gefühlte 20 km über den Flughafenplatz. Sicher, die Distanz war deutlich geringer. Nur kam es mir in dieser Sardinendose halt so vor.

Neben mir stand ein älterer Herr mit seiner Liebsten. Sie standen nebeneinander, hielten sich an den Händen und die anderen Hände an die Halteschlaufen. ER war übermächtig gut gelaunt und total aufgeregt.

Er las den Namen von jedem Flugzeug, an dem wir vorbei fuhren, laut (und ich meine laut) vor. Egal ob richtig oder falsch. Wenn die Namen zu kompliziert waren, schob er noch seinen Kommentar nach.

Bei einer französischen Airline dudelte er die französische Nationalhymne. Bei einer deutschen Airline sang er den Song von Reinhard Mey an: „Über den Wolken…tüdelüdelü… muß die Freiheit wohl grenzenlos sein…“

Er hatte Spaß, seine Freundin lächelte ihn an.

Ich freute mich mit, auch wenn ich den Eindruck gewinnen mußte, dass sich meine mühsam bewahrte Entspannung langsam aber sicher verabschieden wollte.

(Fortsetzung folgt)

Alles Liebe in die neue Woche,

Emily

6 Gedanken zu „„Über den Wolken…“

  1. Es ist tatsächlich eigenartig, wie sie in teils rennender Weise zu dem Pult hasten.
    Das einzige Nachteilige ist, wenn man als letzter in den Bus kommt. Oder eben als allerletzter. Da steht man dann wenigstens an der Tür und hat ein wenig Halt, lach.
    Mal wieder super beschrieben, liebe Emily ♥

  2. Habe auch nie verstanden, warum die Leute immer wieder sofort zum Thresen rennen, wenn zum Boarding aufgerufen wird….ich glaube sie wollen bloß nicht diejenigen sein, die von allen angestarrt werden, wenn sie am Ende das Flugzeug betreten…..

    • Oder sie wollen sich zuerst auf die Zeitschriften stürzen. Denn zu Beginn kann man sich ja gleich mal 5 Stück mitnehmen. Egal ob man sie liest oder nicht…

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