Bürogeflüster

Für den heutigen Vormittag war eine Abteilungsbesprechung angekündigt. Da es sich um ein etwas längeres Meeting handelte, bestellten wir uns Brötchenhälften und stellten sie, zur freien Verfügung der Kollegen, auf den Tisch im Besprechungszimmer.

Brötchen bzw. Schnittchen sollte man immer mit Bedacht auswählen, bzw. auf den Belag achten. Es gibt kaum Schlimmeres als sich vor allen, peinlicherweise, mit einem einzigen Bissen den Schinken vom Brot zu ziehen und den auch noch am Kinn baumeln zu haben. Dann bleibt einem kaum eine andere Möglichkeit, als den mit spitzen Fingern von den Zähnen zu trennen und entweder den Schinken mit einem Happs in den Mund zu stopfen oder wieder aufs Brot zurück zu legen. Macht man aber alles in einer Gesprächsrunde nicht wirklich gerne.

Ich schnappte mir ein halbes Brötchen mit Käse. Mit Brie um genau zu sein.

Die Kollegen aßen viel schneller als ich, jedenfalls war ich mit meinem Brötchen noch zu gange, als die Kollegen mit der Sitzung schon mal starteten. Ich hatte keine sprechende Rolle und so knusperte ich genüßlich an meinem Käsebrötchen.

Unser Chef hielt eine Rede und sah jeden Einzelnen von uns an, als mir ausgerechnet ein Bröckchen von dem Brie vom Brötchen hupfte und zu Boden fiel. Auf den schwarzen Teppich. In einem Büro der Oberbosse.

Mist.

Jedenfalls hatte ich mir die ungefähre Richtung gemerkt.

Nun versuchte ich also meinem Chef gegenüber Aufmerksamkeit zu signalisieren und gleichzeitig das Stück Brie zu entdecken, um den Teppich retten zu können.

Nachdem der Blick meines Chefs zu einem anderen Kollegen wechselte, blickte ich zu Boden und fand den kleinen gelben Klumpen. Er lag zwischen den Füßen meines Nachbarn.

Ich blickte wieder auf und spürte, dass ich rot im Gesicht wurde. Knallrot.

Bloß nicht bewegen!!! Diese Hoffnung schickte ich in Gedanken zu meinem Kollegen, doch es half ja alles nichts.

Ich bückte mich vorsichtig, kam aber wegen eindeutig zu kurzer Armlänge nicht mal in die Nähe des Käsestückes.

Mein Chef sah mich an und redete weiter. Ich richtete mich wieder auf und lächelte.

Kaum sah er weg, beugte ich mich wieder hinunter und flüsterte meinen Kollegen an.

DER ABER DUMMERWEISE SCHLECHT HÖRTE!!

Er: „Hm? Was ist?“

Ich flüsterte: „Nicht bewegen, sonst trittst du den Käse in den Teppich.“

Er: „WAS?“

Chef irritiert: „Frau Rosensteuz? Alles in Ordnung?“

Neee, eben nicht!

Vor allem hatte ich jetzt die ungeteilte Aufmerksamkeit aller….

Ich mußte über mich selbst schmunzeln, während ich spürte, dass mir die Gesichtsröte bis zum Haaransatz reichte: „Mir ist Käse runter gefallen und der liegt jetzt zwischen den Füßen von Herrn Schneider. Ich habe ihn nur gebeten, dass er sich nicht bewegen sollte, damit er den Käse nicht fest tritt.“

Herr Schneider sah zu seinen Füßen und rückte vom Tisch ab. Ich beugte mich augenblicklich hinab, um das ziemlich weiche Stück Käse vom Teppich zu pflücken.

Natürlich sahen mir bis dahin alle zu und die Besprechung war unterbrochen…bis ich fertig war halt. Ich legte das Käseteil auf eine Serviette, wickelte es in aller Ruhe sorgfältig ein und lächelte: „So, kann weiter gehen!“

Ich zog die Schultern hoch und sah mich unschuldig um, als wäre nie etwas passiert 😉

Alles Liebe ins Wochenende,

Emily

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17 Gedanken zu „Bürogeflüster

  1. Was meinst du wohl, wieviele Krümel da auf dem Teppich lagen.
    Bei Brötchen splittert doch immer was ab, wenn man nicht penetrant aufpasst.
    Also eigentlich alle Aufregung umsonst *lach.

    • Ich hätte den gelben Käsefleck ja auch ignorieren können. Oder sagen können: „Was hast DU denn da gemacht“
      hehe… 😉

      Dir noch einen schönen Sonntag & liebe Grüße, Emily

  2. Liebe Emily,

    das ist ja wieder mal eine schöne Geschichte. Wie das Leben halt so spielt. Täusche ich mich oder passieren Dir solche Sachen öfter? 😉
    Egal. Auf jeden Fall gefallen mir Deine Geschichten immer. Mach Dir wegen dem roten Kopf keine Gedanken. Da ist wenigstens mal der Kreislauf in Schwung gekommen. 🙂

    Ein schönes Wochenende
    Harald

    • Mir? Äh…nur ja. Manchmal halt schon. Ähnliches passiert uns vielleicht allen mal. Es sind die kleinen Mißgeschicke des Alltags und ich finde sie lustig. Und es freut mich sehr, wenn ich andere mit dem Spaß anstecken kann 😉

      Danke und liebe Grüße zu dir, Emily

  3. Liebe Emily,
    ich musste beim Lesen richtig schmunzeln. Je mehr man aufpasst, umso schneller passiert etwas. Vor allem beim Essen…
    Viel Glück beim nächsten Mal.
    Grüße sweetminds

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