„Das verräterische Herz“

Am Dienstagabend besuchte ich eine Lesung. Der Titel der Lesung „Das verräterische Herz“ und bezog sich auf Schauergeschichten. In Kombination mit dem Ort der Aufführung, dem historischen Ratskeller des Rathauses, war das Ambiente mehr als reizvoll.

Der Name des Vorlesers war mir unbekannt, aber DEN werde ich sicher nicht wieder vergessen: Michael van Ahlen.

Meine eigene kleine Schauergeschichte lief schon vorher ab.

Ich saß in einer kleinen Nische des Gewölbekellers, fast neben dem Podium.

Hier standen 2 Stehtische und die Sicht auf Herrn van Ahlen erschien mir von hier aus bestens.

3 Mütter um die 30 – 35 setzten sich an den anderen Stehtisch neben mir.

Die Akustik in dieser Nische war nahezu unglaublich. Ich verstand jedes noch so leise gesprochene Wort der 3. Zu welchem Thema? Na, welches wohl? Männer.

Nicht alle beteiligten sich rege an diesem Gespräch, aber bei einer hörte ich immer wieder klar und deutlich: „MEIN Mann…“ heraus.

Ich versuchte nicht hinzuhören. Ehrlich! Und lauschen wollte ich schon gar nicht. Aber jedes gesprochene Wort wurde mir mittels dieser Akustik direkt in den Gehörgang infiltriert.

Und schnäbbelig war die dann auch noch.

Eine der Drei: „Mein Mann war den ganzen Tag über im Garten. Es ist kaum zu glauben, wie viel Grünzeug da noch angefallen ist.“

Die Schnäbbelige: „MEINER hat neulich auch den Garten gemacht. Der Grünschnitt steht jetzt schon seit 2 Wochen in der Garage. Ich habe ihm schon TAUUUUUSEND mal gesagt, dass er den endlich wegbringen soll!! Aber der ist ja auch so oft im Keller.“

Die Andere der Drei: „Arbeitet er auch an diesen Modellautos? Die sind ja wieder ganz IN“

Schäbbelige: „Ja. Ich kriege den ja ÜÜÜÜBERHAUPT nicht mehr zu sehen.“

Ach?! Komisch?

Die Eine: „Wir haben am letzten Samstag mit der Wiiiii gespielt. Das war vielleicht ein Spaß, sage ich euch.“

Schnäbbelige: „MEIN Mann will auch eine. Und das wäre auch ein Weihnachtsgeschenk für unseren Kleinen. Und ihr spielt dann zusammen?“

Die Eine: „Ja klar spielen wir zusammen. Das ist dann unsere Familienzeit.“

Schnäbbelige: „IHR macht ja wenigstens was zusammen. MEIN Mann ist ja fast nur noch im Keller.“

Ich sehe mich um und suche noch einen freien Platz im Zuschauerraum. Fehlanzeige. Die Tante macht mich irre.

Die Andere: „Wollen wir vor Weihnachten noch mal zusammen essen gehen?“

Schnäbbelige: „Mit UNSEREN Männern?“

Ob der ein Brandmal auf seinem Hintern hat?  DU GEHÖRST MIR!!!! HAHAHA…

Die Andere lachte: „Nein. Wir. Wir Frauen, einfach mal nur wir. So wie heute. Warum mit Männern?“

Schnäbbelige: „Ich seh‘ MEINEN so selten….“

Wenn es nicht so weh tun würde, würde ich meinen Kopf auf der Tischplatte auftitschen. Oder ihren?

Sicherheitshalber nahm ich einen Schluck Wein und rollte mit den Augen…

Es hallte ja nicht einfach nur so, in dieser Nische. Nein. Jeder genervte Stöhner über IHREN Mann, kam bei mir total obszön an. Und sie merkte nicht einmal, dass sie gerade von mehreren angestarrt wurde. Denn das Gestöhne war nicht wirklich leise.

Das Licht wurde just in diesem Moment ausgeschaltet und die Stimmen verstummten.

Ich atmete tiiiiiief durch…. und war sehr sehr dankbar!

(Fortsetzung folgt)

Emily 😉

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19 Gedanken zu „„Das verräterische Herz“

  1. Emily, vor kurzem habe ich mal in eine Comedysendung geschaltet und Cindy von Marzahn mit dem spacken im karierten Pollunder (oder wie die Dinger heißen) eine Szene spielen sehen – ekelig hoch drei. Durch Fr*essen hoch vier hat sie einen Org“anisten“ vorgetäuscht, der schon an die Schmerzgrenze ging. – So ähnlich könnte ich es mir dort vorstellen.
    Belustigte Grüße von Clara

  2. Den Herrn van Ahlen haben wir auch schon mal erlebt. Und der wird am Sonntag vermutlich wieder die Einführung von Frau Dr. Maurer vornehmen.
    Beim Bücherherbst.
    Aber die drei „Damen“ hielten dann hoffentlich ihre Schnüss.
    So konntest du doch noch Michael von Ahlen genießen.

    • Lieber Harald, glücklicherweise waren sie während der Lesung still. Das wäre gar nicht gegangen und da hätte ich auch freundlich darauf hingewiesen, dass spätestens jetzt Ruhe angesagt war.

    • Wie gut, dass es Keller u.ä. gibt, damit „MEIN Eigentum“ wenigstens in der Nähe ist. Damit gibt es Nutzungsmöglichkeiten fürs Babyphone *g*

  3. Hoffentlich war die Lesung erquicklicher 😆
    Ich musste während des Lesens immer an schnatternde Gänse und ihre hoch gereckten Hälse denken. Zufall? 😯

    LG Anna-Lena

    • Nein, kein Zufall! So ähnlich war es auch. Nur schnatterte hauptsächlich 1 Gans. Die anderen kamen nicht so richtig durch.

      Die Lesung war spitze! Der Leser packte uns mit seiner Stimme und sorgte für die notwendige Stimmung. Das war wirklich gut!

      Einen lieben Gruß zu dir, Emily

  4. Jetzt wird einem klar, warum Männer immer so „witzige“ Hobbies haben. Die Titanic aus 30.000 Teilen im Maßstab 1:250 detailgetreu nachbauen und/oder Fallschirmspringen sind in Wahrheit nur Mittel und Wege, den quakenden Frauen zu entkommen… HA!

    😀

    • Warum sie nicht in eine Kneipe ging? Vermutlich weil IHR Mann nicht dabei war. Als wenn man Nähe erzwingen könnte. Leider geschieht dann das Gegenteil. Für sie ist bestimmt alles super, nur er geht flüchten.

      Liebe Grüße zu dir, Emily

  5. Hört sich seeehr genervt an – wahrscheinlich wollte die Schnäbbelige endlich einmal wieder von irgendjemand angestarrt werden…..IHR Mann ist wohl viel zu oft im Keller – aus welchem wahren Grund wohl?? Hmmm..
    :mrgreen:

    • Na, Flucht nach vorne! Ich glaube, sie hat gar nicht gemerkt wie laut sie war. Das lag ja an diesem Minigewölbe in der Nische. IHR Mann hat sicher schon die Ohren runtergeklappt und war froh, dass er zu hause mal seine Ruhe hatte 😉

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