Museum oder Krimi?

Kürzlich war ich im Essener Folkwang Museum. Dieser schicke Kasten wurde 2010 neu eröffnet und mit viel Brimborium gefeiert. Stylisch gesehen kann es etwas, ganz sicher und dort waren auch schon tolle Ausstellungen zu sehen.

Nun, neulich war ich zum ersten Mal dort. Ich bin einfach drauf los gefahren und zwar ohne zu wissen, welche Ausstellungen dort zur Zeit gezeigt werden.

Ich betrat das Museum, schritt auf den Empfang zu und fragte denn mal gleich drauf los: „Welche Ausstellungen zeigen Sie gerade?“

Mit großen Augen sah mich die Dame hinterm Tresen an.

Welch‘ impertinente Frage aber auch …

Nachdem sie wieder atmete, leierte sie die Themen herunter. Nicht so ganz flüssig, wie ich es nun erwartet hätte.

Siehste, war wohl gar nicht so alltäglich meine Frage. So bleibt man doch wohl in Übung!

Ich zückte mein Portemonnaie, erhielt ein Bändchen für mein Handgelenk und wollte mich schon umdrehen, als mir meine Kamera einfiel. „Darf ich hier Aufnahmen machen?“

Jetzt sah sie mich, neben diesem Große-Augen-Blick, ernst an.

Hallo?! Ich habe sie doch nicht um ihr Auto gebeten!

Wie konnte ich nur eine so überflüssige Frage stellen?

Sie: „Nein! Hier darf man keine Fotos machen.“

Klare Aussage.

Ich lächelte gequält und schlich mich von dannen.

Dennoch sah ich mich mal vorsichtig um. War ich hier wirklich im Museum oder beim Finanzamt?

Ich atmete tief durch und ging dann gemütlich in den ersten Raum und betrachtete die schwarz-weiß Aufnahmen, als der erste „Aufpasser“ auf mich zu kam.

Zuerst sah ich ihn nur aus dem Augenwinkel, aber plötzlich war der ganz nah.

„Kann ich mal Ihr Bändchen sehen?“

Darf ich dir mal vor’s Schienbein treten? Also ehrlich!

Auf derartige Fragen ohne Begrüßung und ohne einem „Bitte“ reagiere ich zuweilen allergisch! Er muß mir ja nicht die Tür aufhalten, obwohl ich nichts dagegen hätte, aber ein „Bitte“ dürfte schon machbar sein.

Ohne eine Mine zu verziehen zeige ich ihm mein Armband. Als er nickte, liess ich ihn unverblümt mit einem tonlosen „Bitte“ stehen.

Frechheit! Was ist das denn so verkrampft hier?

Nun sah ich mir diese Möchtegern-Man-in-black-Aufpasser-Typen mal genauer an. Schließlich standen genug Exemplare in allen Räumen des Museums herum. Jeder von ihnen trug einen dunkelgrauen Anzug. Mal besser, mal schlechter sitzend. Grimmige Mimik (ohne die wird man hier vermutlich gar nicht erst eingestellt). Und nun das wichtigste Utensil: Headset!

Eine kleine in weiß gehaltene, kringelige Schnur zog sich über ein Ohr, dazu passend in der Hand und eindeutig unverzichtbar: das Sprechgerät.

Und tatsächlich! Als ich zwei dieser Aufpasser passierte, bekam einer von denen scheinbar gerade den Hinweis, dass in seiner Nähe etwas geschehen sein mußte.

Fluchs drehte er sich auf dem Absatz um und flitzte in den nächsten Raum. Und ich dann mal gleich unauffällig hinter her.

Ja mal ganz ehrlich, das kann ich mir doch jetzt nicht entgehen lassen!

Zwei Damen standen in diesem Raum und betrachteten ein Gemälde etwas näher. Sie versuchen die Schrift zu entziffern, die das Bild beschreibt und den Künstler nennt.

Er schritt bestimmt auf die Damen zu. „Sie halten den Mindestabstand von 1 Meter nicht ein! Treten Sie bitte zurück!“

Die Damen sahen den Typen verunsichert an.

Na daaaa hat er jetzt aber mal eine ganze Heldentat vollbracht!

Mit von Stolz geschwellter Brust dackelte der Typ ab…. Ich frage mich ganz ehrlich, was ist bei solchen Typen schief gelaufen?

Oder passiert hier wirklich so viel Chaotisches? Böse Gemäldeanfasslinge?

Keine Ahnung, aber interessiertes Wohlgefallen wird da ein ganz klein wenig stressig.

Schön war es natürlich trotzdem.

Nur Bilder habe ich keine mitgebracht. Weder den hübschen Renoir, noch den kleinen van Gogh.

😉

Alles Liebe,

die Emily

29 Gedanken zu „Museum oder Krimi?

    • Ich mache ja immer das Beste daraus. Entscheidend war am Ende das Museum und die Ausstellungen und die waren empfehlenswert. Ganz bestimmt.
      Wenn auch der Kaffee ganz schön teuer ist 😉

      Einen ganz lieben Gruß zu dir.

  1. Och ja, so etwas gibt es tatsächlich, die Aufpasser können sehr unfreundlich werden. Schön, dass es dir trotzdem gefallen hat und liebe Grüße

    Marianne 😉

    • Ja, ist leider keine Seltenheit. Könnten die sich auch sparen. Letztlich ging es ja um das Museum und die Ausstellung. Und die haben entschädigt 😉

      Liebe Grüße, Emily

  2. Für mich steckt ein anderer Grund dahinter…
    Diese „Wärter“ ok Aufpasser 😉
    haben ja was zu sagen,
    das ist in Deutschland etwas was manche besser stellt
    und das wird dann auch weidlich ausgenutzt.
    Nun ist ja nicht jeder mit der Intelligenz einer Sachertorte gesegnet und wenn es dann nur bis zum Knäcke- oder Toastbrot gereicht hat, vergisst man schon mal das bitte oder vergreift sich im Ton…
    Keine Bilder in öffentlichen Ausstellungen knipsen,
    daran ist man ja schon gewöhnt,
    interessieren würde mich jetzt hat sich die „Investition“ gelohnt und wie hoch war diese? 😎

    Ich grüsse dich lieb, kkk

    • Die hatten etwas von einer Task force. Man man man. Ob die darauf gedrillt sind?
      Die Investition war lohnenswert. Doch, muß ich sagen. Der Kaffeepreis war happig, aber die Ausstellungen sind schon klasse.

      Ganz doll liebe Grüße zu dir, Emily

  3. mir ging es neulich aehnlich in der hokusai-ausstellung in berlin.
    wollte nur wegen der japanischen gasttochter nicht das zetern anfangen.
    keine bilder, keinen rucksack – obwohl manche damenhandtaschen echt groesser waren; auch da ging es nur um das prinzip
    fehlte nur noch, dass man gesagt bekommt, man betrachte das bild aber nun lange genug 🙄

    • Im „Grünen Gewölbe“ habe ich es schon einmal erlebt, dass meine Großmutter zu lange vor einer Vitrine stand. Hey, sie war 70 und konnte schlecht sehen. Haben die so viele schlechte Erfahrungen, oder wie? Ist ja unglaublich!

      Und dann bin ich noch mal gespannt, warum du das Hotel wechseln mußtest!

    • Ja, ist schon schade drum. Davon lasse ich mir den Besuch aber nicht verderben. Das fehlte mir noch. Aber verstehen kann ich das nicht wirklich. Sind die Besucher so stressig?

  4. So spannend kann ein Museuumsbesuch im Folkwang sein.
    Da war ich auch noch nicht drin. OHNE Kamera? Wie gemein!
    Aber bei solchen Typen lässt man die Kamera wohl tatsächlich besser in der Tasche. Darf man denn telefonieren? Mit Telefonen kann man auch fotografieren *kicher*

  5. es gibt heut schon ziemlich viel Museen, wo man nciht knipsen darf – aber sich dann die Bilder im Internet runterladen kann. so boese Blicke habe ich auch schon oefter auf mir gehabt, wenn ich etwas naeher ran ging. Abaer es gibt auch angenehme Menschen in den Museen, nur werden die leider immer seltener

    • Neulich habe ich in einem Museum, in einem Seitengang, ohne dass da Kunstwerke waren und aus Versehen, den Blitz betätigt. Ich dachte, die sperren mich gleich in das eigene Gefängnis. Warum ist das denn so?

  6. gut … nicht-fotografieren-dürfen in Museen kann ich evtl. noch nachvollziehen …. aber mich machte man in einem Gartencenter darauf aufmerksam … und als ich im Beisein der „Dame“ die Fotos löschen wollte, winkte sie dann „großmütig“ ab …. zumal ich den Lösch-Vorgang auch laut kommentiert habe. ….

  7. Oh ja, Museumswärter sind die Wichtigkeit in Person. Obwohl ich natürlich damit einverstanden bin, wenn jemand darauf achtet, dass die Kunstwerke nicht beschädigt werden, setze ich gesunden Menschenverstand und wenigstens rudimentäre Höflichkeit bei den Angestellten voraus. Danke, Bitte, Guten Tag und vielleicht sogar noch ein Lächeln wäre nett. Vor einiger Zeit war ich im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen/Italien, um ÖTZI einen Besuch abzustatten. Dort wurde ich schon an der Kasse darauf hingewiesen, dass ich nur eine bestimmte Zeit vor Ötzi`s dicker Glasscheibe stehen durfte.

    • Ach, du bist im Ötzi-Museum gewesen! Bei meinem Tagesausflug Anfang Oktober meinte eine Mitreisende, dass man sich dieses ersparen könne, „weil, so interessant is‘ des a wieda net.“ So bin ich lieber den ganzen Tag über im Städtchen unterwegs und auf der Fotopirsch gewesen…

      • Liebe Margot, für mich war ÖTZI faszinierend. Beeindruckend auch, wie gut erhalten sowohl er selbst, als auch die bei ihm gefundene Kleidung und die verschiedenen Utensilien, die ja immerhin aus der Kupferzeit stammen, sind. Einen 5000 Jahre alten Gletschermann quasi vor Augen zu haben ist meiner Meinung nach schon etwas Besonderes. Ich fand den Besuch im Museum insbesondere auch deshalb sehr spannend, weil die verschiedenen Aspekte und Vermutunges des „historischen Kriminalfalles“ beleuchtet wurden.
        LG von Rosie

    • Vor den Kronjuwelen in London stand ich als Kind mit großen Augen und staunte vor mich hin. Damals wurde ich auch weiter gescheucht. Im „Grünen Gewölbe“ in Dresden habe ich das auch schon einmal erlebt. Aber allein die Floskeln der Höflichkeit sollten doch überall angebracht sein. Selbst in öffentlichen Ämtern bemüht man sich mittlerweile hier und da um diese Kleinigkeiten. Kann doch so schwierig echt nicht sein.
      Und wenn man die „Masse“ an Besuchern nicht gerade aufhält, darf doch ein längerer Blick erlaubt sein. Den Ötzi würde ich auch gern einmal sehen. Und wenn es geht etwas länger.

  8. Und dann beschweren sich Museen, dass Besucher ausbleiben. – Wasn Idiotenvolk solche Museenbetreiber sein können!

    Und solche „Grauen Männer“ machens vermutlich nicht einmal von Natur aus so, wie sie es machen, sondern werden von den Bürokraten des Museums entsprechend eingestellt.

    Man kriegt direkt Lust, ins Folkwang zu fahren, und auf das keifende: „Kann ich mal Ihr Bändchen sehen?“ zu anwtorten: „Nein!“

    • Hehe… Wenn man „Nein“ sagt, wird man bestimmt in den Keller des Museums gesperrt, bei Flyern und Broschüren! Vermutlich wird man, nach Absitzen der Strafe, auf Lebenszeit verbannt von diesem Ort. Bestimmt 😉

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