Begegnungen I.

Mal schnell zurück gespult:

Nach und nach füllte sich die Promenade mit Menschen. Ich achtete gar nicht näher auf sie, bis zwei alte Damen auf mich zu kamen: „Entschuldigen Sie, dürfen wir uns einen Moment zu Ihnen setzen?“

Ich blinzelte. „Ja, natürlich.“

Augenblicklich rückte ich auf „meiner Bank“ ein Stück zur Seite. Doch die eine Dame setzte sich zu meiner Linken, die andere zu meiner Rechten.

Ich: „Sie können auch gern zusammen sitzen?!“

Die Dame zur Linken lächelte: „Ach, nein, nein. Lassen Sie mal. Wir sind 24 Stunden am Stück zusammen. Da sitzen wir auch gerne mal neben jemand anderem.“

Okaaaaay…

Wir plauderten los. Die linke Dame begann, aus ihrem Naturheilkundebuch zu berichten. Saaaaaaagenhaft, was man alles mit Hausmittelchen alles so weg bekommen kann. Die Dame zur Rechten nickte zustimmend und lächelte lieb. Als ich für einen Moment überlege, ob die mir das Buch andrehen wollen, kommt eine 3. Bekannte hinzu.

Sie: „Da seid ihr ja! Na, junge Frau, ob ich wohl auch noch einen Platz Ihrer Bank haben dürfte?!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, setzte sie sich ebenfalls zu meiner Rechten. Ich nickte nachträglich, aber sie hatte schon richtig angemerkt: BIS EBEN WAR ES NOCH GANZ ALLEINE MEINE BANK!!!

Die dritte Dame legte sofort los und begann zu erzählen. Und was es alles zu erzählen gab…

Das war es dann wohl mit der Ruhe *hmpf*

Als sie gerade damit begann, mit ihren Händen vor meinem Gesicht herum zu fuchteln (sie wollte nur mal kurz auf die Fähre zeigen), kommen zwei weitere Damen und ein Herr auf uns zu.

Das war nun der Moment, an dem ich langsam aber sicher nervös wurde. Mein Lächeln war dezent eingemeißelt und mein Mundwinkel zuckte irgendwie…

Nur gut, daß die hier nicht auch noch sitzen wollen…oder können?!

Neuzugang 1 zu den Damen: „Sehen wir uns nachher beim Bingo?“

Neuzugang 2 zu der Dame zur Rechten: „Sag‘ mal, willst du nicht lieber auf einem Kissen sitzen? Also ICH hatte ja gestern noch Blut im Urin. Ich habe mir hier wohl eine Blasenentzündung zugezogen. ICH könnte ja nicht so einfach hier auf der Bank sitzen!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, entscheiden sich die drei Neuzugänge sich wieder auf den Weg zu machen.

Die Schnäbbelige zur Rechten: „Macht’s gut Kinder!!“

Die mit dem Blut im Urin: „Machen wir und geht mir ja nicht mit irgendwelchen Fremden mit!!“

Och…wieso eigentlich nicht?!

Die Dame zu meiner Linken war indes ganz still. Sie sah mich an, dann auf das Meer und sagte: „Die Ruhe hier tut gut, nicht wahr?!“

(Fortsetzung folgt)

Alles Liebe,

Emily on tour

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40 Gedanken zu „Begegnungen I.

  1. Herrlich, Deine Schilderung liebe Emily, ich sehe die Situation richtig vor mir und Du zu höflich, um „einzugreifen“ – bin gespannt, wie es weitergeht… Das Bild ist wunderschön, sieht fast wie ein Ölgemälde aus… Liebe Grüsse und einen sonnigen Tag Andrea

    • Höflichkeit ist eine Sache, Entspannung und Müdigkeit eine andere 😉 Das Bild hat mir auch mächtig gut gefallen. Auch aus der Ferne heraus!

      Hab ein schönes Wochenende & liebe Grüße, Emily

  2. „Die Ruhe hier tut gut, nicht wahr?!“

    Du hast doch wohl auf diese Frage mit engelsgleicher Geduld geflötet „Ja, könnte sein“, oder?

    ODER?

    ;o)

    Fein, fein, ich freue mich auf die weiteren Begegnungen!

  3. Mhh, wie ich mich kenne, wäre ich schon von Anfang an aufgestanden….wenn ich allein sein will, dann will ich allein sein…das klappt 😀

  4. Hach, vor meinem geistigen Auge sah ich sogleich diese Bank voller Mädels vor mir….lach*. Ja, ich bin immer wieder erstaunt, wie gerne manche Menschen alle Gelegenheiten nutzen, um etwas erzählen zu können. Egal, ob interessant oder nicht. Neulich im Bus setzte sich eine Dame neben mich und begann sofort zu berichten, dass sie auf dem Weg zur Chorprobe sei. So erfuhr ich, welche Lieder geprobt würden, wo die nächsten Auftritte seien, dass die zweite Sopranistin schwanger sei und einer der Bässe verstorben ist. Interessant, nicht wahr?
    LG von Rosie

    • Ja, es ist absolut interessant und meistens auf faszinierend. Man läßt solche Begegnungen und Gespräche oft nur an sich heran, wenn man dafür auch offen ist. Eines steht fest, es ist doch immer wieder spannend!

      Liebe Grüße zu dir, Emily

  5. Echt aufdringlich, die Damen… Mein Sohn hat sich früher immer die Finger in die Ohren gesteckt und laut gerufen: Ich will das gar nicht wissen… wäre vielleicht mal so eine Variante…

  6. Ich musste dich erst mal neu abonnieren. Irgendwie bekam ich keine Mailnachrichten mehr über dein Schreiben. So was aber auch. Morgen komme ich zum ausgiebigen Lesen, ja? Jetzt ist es Zeit zum Schlafen. Guts Nächtle!

  7. Haha, Du ziehst so etwas magisch an, liebe Emily!
    Ich hoffe, Du hast trotzdem etwas Ruhe abbekommen. Ansonsten empfehle ich die Herangehensweise von Ranas Sohn 😉

    • Jaaaa, das glaube ich auch 😉 Aber weißt du was? Meistens ziehe ich so etwas gerne magisch an. Die Ruhe danach habe ich mir in jedem Fall gegönnt!

      Liebe Grüße!

  8. Das ist ja eine lustige Geschichte. Ein bißchen Geselligkeit ist ja ganz schön. Man kann es aber auch übertreiben. Du hast ziemlich viel Geduld bewiesen. Ich bin mal gespannt, wie es weiter geht.

    Liebe Grüße
    Harald

  9. Har har har, ich glaube, ich wäre dezent aufgestanden und hätte das Weite gesucht…wie konntest du da nur so ruhig bleiben…aber vielleicht sollte ich erstmal den zweiten Teil lesen… 😉

  10. Pingback: Seelenleben auf engem Raum « Theomix

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