Begegnungen

Kräftemessen …

Es ist 8:45 Uhr als ich gerade durch den Hausflur unserer Firma laufe, um die ausgehende Post weg zu bringen. Von diesem Hausflur aus, kann man einen herrlichen Blick über die Grünanlagen werfen. Das Laub an den Bäumen ist nur noch zu einem geringen Teil saftig grün. Der Großteil der Blätter ist schon gelb oder strahlend rot… nur die Büsche rundherum sind noch durch und durch grün.

Für einen Moment bleibe ich am Fenster stehen und genieße den Ausblick. Eine Frau eilt schnellen Schrittes über das Kopfsteinpflaster In Richtung Park. Sie hält einen Labrador an der Leine und der hat es augenscheinlich eiliger als sie. Die sehr schick gekleidete Dame eilt genau genommen ihrem Hund hinterher. Der Labrador verfügt über ausreichend Kraft, das schlanke Persönchen hinter sich her zu ziehen. So sehr sie sich auch dagegen zur Wehr setzen mag, sie ist einfach erfolglos.

Frauchen strauchelt also dem Hundchen nach. Ich bin nicht zu weit von diesem Schauspiel entfernt, zumindest kann ich erkennen, dass die Dame schicke Wildlederstiefel trägt, die einen Pfennigabsatz von etwa 8 cm Höhe haben. Zum Joggen eignen sie sich nicht wirklich, das ist völlig offensichtlich.

Der Hund scheint ein absolut dringendes Bedürfnis zu haben und hechelt, koste es was es wolle, auf den Busch zu; inklusive seines Frauchens, das am anderen Ende der Leine hängt.

Ihr Poncho (woher sie den wohl hatte?)  flattert und ihre Absätze versuchen irgendwie den Spalten im Kopfsteinpflaster auszuweichen. Glücklicherweise gelingt ihr das, denn eh sie sich versieht, zieht ihr Hundi sie einfach mit in den Busch.

Ich muß laut auflachen. Was für ein Bild!

Vergeblich zieht und zerrt sie an der Leine, während sie sich erschrocken und peinlich berührt immer wieder umsieht, in der Hoffnung, daß niemand sie so zu sehen bekam. War ja auch (fast) niemand da.

Sie erkämpft sich, Stück für Stück, ein paar Zentimeter Stein unter ihren Füßen zurück und begutachtet mit Abscheu die Absätze ihrer Stiefel. Ich glaube sogar, etwas Böses von ihren Lippen ablesehen zu können. Mit Erleichterung stellt Frauchen fest, daß ihr Hund nun endlich ein gut gewähltes  Plätzchen findet, um seinen Durchmarsch loszuwerden.

Wieder sieht sie sich um. Hektisch. Schuldbewußt.
Vermutlich dürfte es auch gar nicht so einfach werden, die Exkremente ihres Darlings zu entfernen, überlege ich schmunzelnd…

Ich sehe in den Himmel und überlege, daß es heute sicher noch regnen könnte.

Na ja, dann bringe ich wohl erst einmal die Post weg 😉

Alles Liebe,

Emily

43 Gedanken zu „Begegnungen

  1. Da hat die Dame sich wohl entweder die falschen Schuhe oder den falschen Hund zugelegt. Aber wahrscheinlich ist beides in ihren Kreisen gerade „in“ 😉 Und dann muss man da wohl oder übel durch, auch wenn es mitten in den Busch geht!!
    Wie immer toll geschrieben!
    Liebe Grüße an dich,
    Julia

    • Und sie war so schick gekleidet! Vielleicht hatte sie noch ein wichtiges Rende(z)vouz? Wer weiß 😉 Aber du hast Recht, wenn schon, denn schon. So hatte ich wenigstens etwas zum Schmunzeln heute!

      Ich danke dir und liebe Grüße zum Abend!

      Emily

  2. solche diven haben es gar nicht anders verdient 😀

    wenn ich doch genau weiß,ich habe meinen hund nicht unter kontrolle,ziehe ich mir doch wenigstens festes schuhwerk an um

    1) mit dem hund mithalten zu können und
    2) um nicht blöd auszusehen. HAHA 😆

    • Tja, das Vorhaben ging ja mal gehörig in die Buchs! Die Rechnung hat sie nämlich ohne ihren schicken Hund gemacht! Ein Prachtexemplar sag ich dir! Wenn auch mit Verdauungsschwierigkeiten 😉

      Liebe Grüße, Emily

    • Und die haben sicher keinen Absatz von 8 cm oder?! Die schönen Stiefel 😉

      Leg‘ die Beine lieber hoch!

      Alles Liebe und schön, dich zu lesen!

      Emily

  3. Solche Stiefel sind zwar schick, aber völlig ungeeignet für den Winter, und erst recht für Kopfsteinpflaster. Ganz davon abgesehen, dass man damit nicht rennen kann.

    Toll beobachtet, da braucht es noch nicht einmal Fotos.
    Du schreibst das so lebendig, wunderbar.
    Viele liebe Grüße
    deine Bärbel

    • Doch, man kann damit rennen! Wenn man muß 😉

      Freut mich sehr liebe Bärbel, wenn du mir folgen konntest! Ich sag ja, ich brauche eine Kamera, die ich mir um den Hals hängen kann!

      Einen schönen Abend und liebe Grüße zurück,

      Emily

  4. Herrlich, so was! Solche Geschichten schreibt wirklich nur das Leben – na und du!
    Das passiert mir jetzt schon zum zweiten Mal, dass ich soooo saumüde von Arbeit komme, deine Geschichten lese, und wieder munter bin.

    Liebe Grüße von der Gudrun

  5. Schön, das es Menschen gibt, die ihre Augen offen in´s Weltgeschehen richten (auch wenn es ein kackender Hund ist 😉 ) und dann auch noch die Gabe besitzen das Erlebte bildhaft nieder zu schreiben. Dankeschön liebe Emily!
    Tanti Saluti, Angelo

  6. Oh je, das erinnert mich an die Zeiten, in denen ich an der Leine meines Hundes hing!
    Guten Morgen, liebe Emily.
    🙂

    Glücklicherweise ohne Absatzschuhe und Poncho, sondern eher robusten Wanderschuhen und Parka.
    Attila hat gezogen und gezerrt, selbst wenn er keinen Durchfall hatte. Ich kann dir sagen, meine Arme waren so lang wie Telegrafenmaste und so wie meine Wirbelsäule gedehnt wurde, hätte das kein Physiotherapeut hinbekommen.
    *g*

    Gut, dass er dann schlichtweg ein sogenanntes „Geschirr“ um die Brust bekam. Seitdem läuft er wie ein Lamm.
    Ich glaube ja, dieser permanente Druck auf den Kehlkopf hat ihn so irre gemacht. Je mehr er zog, umso unschöner wurde dieser Druck. Ein ewiger Kreislauf.

    Hach, habe ich es gut. Ich könnte jetzt sogar mit Hackenschuhen und Poncho spazieren gehen.
    🙂

    Danke für die unterhaltsame Geschichte!
    Ich wünsche dir einen schönen Tag,
    liebe Grüße
    Heike.

    • Liebe Heike,

      vielleicht treffe ich die Dame ja noch einmal und vielleicht kann ich ihr den Tipp mit dem Geschirr ja einfach mal geben, sofern sie die Gelegenheit zu einem Gespräch hat 😉

      Ich glaube ja, der arme Bursche hat den Druck in diesem Augenblick ganz woanders gespürt und hatte es aus dem Grund besonders eilig.

      Ich wünsche dir einen schönen und geruhsamen Abend und

      viele liebe Grüße,

      Emily

  7. Hehe, da lobe ich mir echt Katzen, aber ich kenne das, wenn Hunde unbedingt zu einer Stelle wollen, egal, ob noch ein Mensch an der Leine befestigt ist oder nicht. Seitdem gehe ich nie wieder mit den Hunden meiner Schwester Gassi. 😉

    • Genau, wir müssen hier und da nur die „Schüppe“ schwingen 😉 Wenn so ein Hund einmal das gewisse Bedürfnis hat – und meistens kann es ja nicht irgendeine Stelle sein – dann ist es wohl gleich, wen er an der Leine hat. Es sei denn, er hat das gewisse Gegengewicht 🙄

  8. Durchfall sagst Du? Dann wäre es wohl auch nicht ganz auszuschließen, dass es nicht ihr Fellvieh war, sondern das ihres Chefs o.ä.. Der hatte nämlich sicher auch keine Lust, das Zeux hinterher einzutüten. Hätte ich auch nicht. Aber ich habe ja auch keinen Vierbeiner.

    Danke für die Anekdote, liebe Emily! Wenn ich unterwegs bin, sehe ich auch des öfteren Herrchen und Frauchen hinter ihren Hunden her hechten. Aber meist sind sie nicht angeleint; die Strecke führt entlang einer Bahntrasse mit Schutzwand. Und da ich keine Angst habe, finde ich es sowieso generell besser, wenn die Hunde frei laufen können. Umso friedlicher sind sie und ziehen könnse auch nicht! ;o)

    • Was für eine schöne Idee! Der Wuffi gehörte ihr gar nicht .. hehe… und der Chef hat anschließend sicher breit gegrinst!

      Der Park ist in der City. Da läuft ohne Leine quasi nichts. Dazu hätte sich Madame ein Stück fortbewegen müssen. Das war ein „MUSS“ auf die Schnelle 😉

  9. Die Dame hat nichts gemerkt, aber der Hund hat wohl mitbekommen, dass es eine stille Beobachterin gab. Warum sonst sollte er sich in den Busch verdrücken? Ein Anstands Wauwau :-).

  10. Pingback: Leserbrief einer Hündin « Emily's Blog

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