ES QUALMT!!!

Es ist ja nun wirklich nicht so, dass mir im Büro zur Zeit auch nur annähernd langweilig wäre. Aber dieser Schreck war mir am Freitag eine Schüppe zu viel!

Wenn ich aus dem Fenster unseres Büros schaue, sehe ich über die Dächer benachbarter Häuser in die sich langsam verfärbenden Baumkronen. Während mein Blick also mal kurz von dem Bildschirm meines PCs zu meinem gewohnten Ausblick wanderte, entdeckte ich zwischen eben diesen Baumkronen eine kleine Rauchwolke.

Tja, es beginnt eben auch die Zeit, in der die Kaminschlote wieder glühen, weil die Leute ihren Kamin anfachen. Wie romantisch!

Mit diesem Gedanken atmete ich einmal tief durch und widmete mich wieder meiner ach so spannenden Tabelle. Na, die ist doch auch schön. Irgendwie. Lassen wir das.

Mein Blick richtete sich noch einmal in die Bäume und noch immer waberte der Qualm dort zäh vor sich hin. Luftlinie vielleicht 200 m? 300? Schwer zu schätzen …

Plötzlich hörten wir Sirenen. Feuerwehr und Polizei fuhren in aller Hast über die Straßen… und zwar genau in die Richtung, aus der der Qualm kam. Ach, sollte das Feuerchen etwa größer sein, als das eines Kamins?

Noch mehr Feuerwehrfahrzeuge rasten in diese Richtung. Jetzt war ich abgelenkt.

Nicht schön. Ich meine, ein Brand ist ja generell überhaupt nicht schön. Aber… mein neues Auto parkte ich ja immer in dieser Ecke dahinten.

Für einen Moment überlegte ich, ob ich mal ganz schnell raus musste, um bei meinem Auto nach dem Rechten zu sehen. Dann war ich mir sicher, dass ich das tun musste. Der Rauch nahm zu.

Ich: „Leute, ich hab’ keine Ruhe. Ich muss mal eben gucken gehen, ob da alles noch in Ordnung ist!“

Kollegin: „Gehst du jetzt echt zu deinem Auto?“

Ich stierte aus dem Fenster und beobachtete die aufsteigenden Rauchschwaden: „Ja. Das steht doch da, woher der Rauch kommt.“

Kollegin: „Hast rechth. Abgesehen davon, steht da hinten ein abbruchreifes Haus…“

Ich: „Hm. Ich laufe schnell rüber.“

Kollege: „Hähä… dein Auto steht da?“

Meine Nackenhaare stellten sich spontan auf, wie der Kamm bei einem Hahn. Der Ton den mein Kollege da gerade an den Tag legte, gefiel mir überhaupt gar nicht.

Dafür habe ich zur Zeit

a) einfach zu viel Stress und
b) Erkältungsviren im Anmarsch und
c) eine dünne Haut für so was. Wir sprechen hier gerade über mein neues, hübsches, liebes, kleines Auto! Dazu habe ich mein Sparbuch schließlich in Blech investiert und zwar in der Hoffnung, dass es sich möglichst lange rentiert!

Ich: „Ja, tut es. Deswegen gehe ich jetzt gucken.“

Noch mehr Feuerwehrwagen rauschten an.

Kollege: „Hä hä… dein Auto fackelt jetzt ab“, sagte ES und grinste blöde vor sich hin und dann aus dem Fenster.

Ich sagte ein böses Wort, das mit A begann und mit h endete. Wer austeilt, muss auch einstecken. Und dieser Begriff war eindeutig unmißverständlich.

In Windeseile flitzte ich die Treppen hinab ins Erdgeschoss. Der Fußmarsch zu meinem Wagen beträgt ein paar Gehminuten, doch dieser Weg war heute mal abwechslungsreich. Die Straße war gesperrt. Gesperrt für Autos, pah, nicht für Emily’s, die ihr Auto retten müssen. Schnellen Schrittes eilte ich über die sonst so stark befahrene Strasse. Und tatsächlich, ein Feuer schien in dem verlassenen Gebäude ausgebrochen zu sein. Ein großer Polizeieinsatzwagen stand nahe meines kleinen Autos.

Ich musste die Polizei doch einfach befragen, ob mein Auto da auch sicher war. So konnte ich auch gleich mal linsen, ob da keiner einen Kratzer produziert hat.

Ja was denn? In dem Haus und drum herum kam niemand zu Schaden. Da kann meine Sorge meinem Äutochen gelten.

Ich sah nach links und rechts und lief auf die Straße zu dem Polizisten, der mir am nettesten zu sein schien. Es war zwar damit beschäftigt, den Verkehr umzuleiten, aber er würde mir sicher eine Minute seiner Zeit
widmen.

„Sie?! Entschuldigung. Mein Auto steht da vorn. Sollte ich es vielleicht besser weg stellen?“

Er sah sich um und lächelte. Die Polizei dein Freund und Helfer! „Wo steht denn ihr Auto?“

Ich: „Hier…“, ich zeigte auf das hübscheste Auto, weit und breit, „… das da ist meins.“

Er: „Nein, nein. Das steht da sicher.“

Ich: „Sicher?“

Er lächelte entwaffnend: „Ganz sicher.“

Ich überlegte, ob ich noch einmal nachfragen sollte, um wirklich gaaaaaanz sicher sein zu können.

Ich sah noch einmal zu meinem Auto. Ob ich es noch einmal streicheln sollte, bevor ich wieder umkehrte?

Ich lächelte zurück.

„Na guuut. Wenn Sie darauf aufpassen!“

Sorgenfrei kehrt ich zurück an meinem Schreibtisch.

Meine Kollegin empfing mich mit einem lieben Lächeln: „Alles gut?“

Ich: „Jepp. Jetzt kann ich weitermachen.“

Mein Blick fiel noch einmal durchs Fenster in die Baumwipfel. Es qualmte nichts mehr.

Kollege: „Käffchen?!“

Ich: „Gerne.“ Wir lächelten uns an und ich hielt ihm meine Tasse hin.

Dann konnte ich mich wieder meinen Tabellen widmen …

Einen schönen Sonntag,

Emily

34 Gedanken zu „ES QUALMT!!!

  1. ach, emily, ich kann mir gut vorstellen, wie sich schweißperlen allein beim gedanken daran, daß dein auto in mitleidenschaft gezogen würde, auf deiner stirn bildeten. die sorge hättest du nicht auch noch haben müssen. zumal, wenn es brandstiftung gewesen ist, wäre das wieder ein problem mit der versicherung geworden. und so ist ja nun noch mal alles gut gegangen. und dein töfftöff kann dich weiter brav befördern.

    einen wunderbaren sonntag, meine liebe!

    • Ich bin doch jetzt gerade auch so erleichtert darum, dass ich mein altes Vehikel los geworden bin. Dabei will ich gar nicht darüber nachdenken wie es gewesen wäre, wenn mein neues, gebrauchtes KfZ in dieses Chao verwickelt gewesen wäre. Ganz wichtig natürlich, dass kein Mensch irgendwo hat leiden müssen. Das ist ja klar.
      Aber mein Töff muss jetzt erst einmal ein paar Jährchen durchhalten …

      Hab noch einen schönen Abend!

  2. Deine Sorge kann ich verstehen – warum immer gleich so viele Feuerwehrwagen anrücken (resp. auch Kranken- oder Polizeiautos), kann ich manchmal nicht verstehen. Und wahrscheinlich wärest du gar nicht rausgekommen aus der Straße, weil alles blockiert war. – Aber gute Menschen haben manchmal Glück, schlechte aber auch!

    • Gerade in der Ecke steht ein etwas größeres, abbruchreifes Haus. Vermutlich war der tatsächliche Brandherd nicht kalkulierbar.
      Ach, ich bin ja froh, dass alles gut gegangen ist!

  3. Ende gut alles GUT … ein Glück, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind und es deinem neuen Auto gut geht … da hoffe ich nur, dass es auch dir gut geht und du den Erkältungsviren keinen Einlaß gewährt hast … herzliche Grüße
    Doris

    • Es ist natürlich die Hauptsache, dass niemand zu Schaden kam. Der Virus hat sich leider breit gemacht. Braucht kein Mensch 😉

      Liebe & gesunde Grüße, Emily

  4. … puh, Deine Aufregung kann ich gut verstehen. Ich wäre auch hingeflitzt und hätte mich vergewissert, daß alles ok ist. GlG.

  5. Mannomann…. das war echt spannend. Ich glaube mir wär auch ganz heiß geworden vor Aufregung und ohne Kamin.
    LG Isolde

    • Und so war es auch! Mir war kochend heiß, als käme ich gerade aus einer Sauna. Ich glaube, ich hatte sogar Schwitzeperlen auf der Stirn 😉

      Liebe Grüße!

  6. Na gottseidank, das wäre ja echt der Hammer, wenn dein neues Auto hinüber wäre. Und dem Kollegen hätte ich links und rechts eine gegeben. Wahrscheinlich hat er ein hässliches Auto oder fährt Bus, pffft…

    • Sein Auto ist zwar jünger als mein Altes, aber wesentlich anfälliger!
      Der hat nicht mal gemerkt, dass er der Einzige war, der über seinen „Witz“ gelacht hat. So ein Scherzkeks!

    • Ich glaube, man hätte mir einen Schreibplatz in einem hellen Raum einrichten können, mit ganz viel Schaumstoff rund um mich herum 😉

      *drücks* Emily

  7. So, liebe Emily, ich habe jetzt mit gebangt um das Auto, den Kollegen beschimpft und mich am Ende gefreut, dass alles gut gegangen war und ihr im Büro euch auch wieder hold seid.
    Danke für die spannende und auch lustige Geschichte.

    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag, die Gudrun

    • Als er lieb mit dem Käffchen um die Ecke kam, war alles wieder geritzt. Bin ja nicht nachtragend. Aber vergessen tue ich ihm das nicht 😉

      Alles Liebe & eine schöne Woche dir!
      Emily

  8. Aua, das hätte echt ins Auge gehen können.
    Mla wieder grosses Glück gehabt.
    Am Freitag waren wir auch in der Stadt. Tatütataaa hatte ich gehört, das saßen wir beim kleinen Eis vor der Eisdiele – am andern Ende…

    Und unser Auto stellen wir immer sozusagen in der Höhe ab, den von da aus gehts nur bergab…Und da braucht man noch nicht einmal eine Parkscheibe. Ok, sind fast 15 Minuten bis in die Stadt…

    • Dafür hat man einen schönen Spaziergang und etwas frische Luft. Ist doch auch schön.
      Wenn das Tatütataaa endlos zu sein schien, könnte das „mein“ Tatütataa gewesen sein 😉

      • Auf dem Weg hab ich schon so viele interessante Dinge gefunden und auch geknipst. Der lohnt sich wirklich.
        Z.B. die Wurzel, die ist im Moment wohl im Keller. Da hatte das Haus wohl nasse Füsse, musste wohl saniert werden. Also das ganze Beet im Moment nur noch blanke Erde. Keine Blümchen, keine Büsche mehr, und sogar die tolle Wurzel weg.
        Warte mit Ungeduld, dass da wieder „Alltag“ einkehrt.

        Neee war wohl nicht so intensiv, das Tatütataaa
        war wohl doch ein anderer Zeitpunkt.

  9. Vor Feuer habe ich auch einen mörderischen Respekt! Es ist absolut unberechenbar. Schlimmer noch als Wasser oder Sturm. Da weiß man, was man retten oder in Sicherheit bringen muss. Aber bei Feuer? Das ist überaus „launisch“.

    Ich kann sehr gut verstehen, dass Du erstmal zu Deinem Kleinen geflitzt bist! Das hätte ich genauso gemacht. Und den Kaffee, den soll Dein Kollege bitte beim nächsten Mal bereits eingeschenkt haben, wenn Dich etwas beunruhigt. Was ist denn das für ein Service?! *tse

    ;o)

    • Das mit dem Service habe ich mir sogleich notiert. Dann werde ich morgen ein großes Schild mit ins Büro nehmen und die Emilyschen Gebote vortragen. Sehr guter Hinweis! Danke dir :mrgreen:

      Vor Naturgewalten habe ich ebenfalls ordentlich Respekt. Vor allen Dingen, kannst du den Leuten dann schon gar nicht vor die Füße laufen.
      Ich steckte allerdings auch schon einmal in einer Strömung auf dem Meer fest, das war auch alles andere als überschaubar. Da merkt man schon, dass man diese Kräfte nicht unterschätzen darf.

      Eine schöne Woche dir!

      • Das meinte ich auch eher nicht (Strömung). Wenn Du inmitten eines Tornados in die Luft geschleudert wirst, hast Du sicher auch ein tendenziell gestörtes Verhältnis zu lauen Lüftchen.

        Ne, ich meinte eher Überschwemmungen und Stürme, die durch Städte und Orte toben.

        Aus einer Strömung nicht entkommen zu können, steht auch nicht unbedingt ganz oben auf meiner „Wünsch Dir was“-Liste. Gut, dass Du es doch geschafft hast!

        Dir auch, meine Liebe, mächtigst!

  10. Liebe Emily,
    lang lebe Dein kleiner Liebling!

    Bei der Liebe, die Du ihm entgegen bringst, werdet ihr bestimmt viele schöne gemeinsame Wege fahren!

    Liebe Grüße
    Ulli

  11. ich kann dich da gut verstehen, ich haette auch Angst um mein Auto gehabt udn waere nachsehen gegangen. Wie kann man da denn ruhig bleiben udn in Ruhe arbeiten? alles Liebe, vivi

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