Zeche Zollverein & RUHRBLICKE

Die Zeche Zollverein ist nur eine von den wenigen Zechen, die uns heute noch in dieser Form erhalten und begehbar sind und als solches gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Sie ist als eine der ehemals weltweit größten und leistungsstärksten Steinkohlenzechen, eine Kombination aus der Zeit ihrer Gründung (1834) und der Moderne geworden. Man hat die Gelegenheit, einen Rundgang durch die ehemaligen Produktionsanlagen zu gehen und den Weg der Kohle wieder aufleben zu lassen. Das gesamte Areal ist gut zugänglich und erhalten. Oft finden Events auf dem Industriegelände statt, wie z. B. Lesungen, Konzerte, Videoanimationen. Besonders beeindruckend ist es, wenn es dunkel und die Zeche farblich angestrahlt wird.

Auf dem Zechengelände wird derzeit eine Ausstellung geboten: RUHRBLICKE. Der Ort der Ausstellung ist faszinierend, wie ein eigenes Kunstwerk in sich. Es ist ein gigantischer weißer Kubus, in dem 10 international bekannte KünstlerInnen für dieses Projekt, Motive im Ruhrgebiet fotografiert und unter ihrem Namen dort präsentiert haben. Wer sich die Bilder ansehen mag, wird die Zusammenstellung der Fördertürme in der Ausstellung wiederfinden. Das Gebäude an sich hat mich fast mehr interessiert, als die Ausstellung. Hoffentlich regnet es jetzt nicht auch noch Kritik, nachdem ich gleich bei meinem ersten Foto aufgefallen war. Irrtümlich hatte ich den Blitz ausgelöst. Fand ich aber überhaupt nicht so dramatisch. Aber in diesem Fall kam sofort jemand auf mich zugehechtet.

„Sie dürfen hier aber nicht mit Blitz fotografieren!“, wurde ich belehrt.

Oh wie peinlich. Aber es war echt keine Absicht. Geht das denn nicht etwas freundlicher? Ausserdem, ist das Bild mit Blitz eh doof geworden…

„Ja, ich weiß. Entschuldigung! Hier, ich habe es auch schon ausgestellt!“ Da mich der Typ noch immer ernst ansah, hielt ich ihm meine Kamera hin. Der Typ sah hin, dreht sich um und ging. Vermutlich hatte der einfach nur einen schlechten Tag!

Ich sah mir die Bilder an, die mir selbst von überall her bekannt vorkamen. Vermutlich haben sie mich deswegen nicht so aus der Reserve gelockt. Ich stand vor einem weiteren Kubus, bestehend aus Bilderrahmen. Ja, er war aus einzelnen Bilderrahmen zusammengesteckt. Ich umrundete diese Skulptur, der hier und da einzelne Rahmen fehlten. Waren Bilder darin? Ich legte meinen Kopf schräg und versuchte einen Blick zu erhaschen, leider umsonst. Sorgsam zog ich eines der Rahmen hervor…

„Entschuldigung! Aber das dürfen Sie nicht berühren!“, wurde ich wieder belehrt. Eine junge Frau – keine Ahnung wo die vorher war – schoss auf mich zu und mir das Blut ins Gesicht.

„Oh, tut mir wirklich leid. Aber das wusste ich nicht.“ Ich begann damit, den Rahmen wieder in die Skulptur zu schieben.

„Nein, nein! Lassen Sie mich das bitte erledigen!“, bat sie mich eindringlich.

Okay. Wäre es denn unnötig gewesen, dazu ein Schild anzubringen? „Bitte nicht berühren“ zum Beispiel?

Ihr Lächeln wirkte etwas gequält. Sie zog weiße Handschuhe aus ihrer Jacke, um das Kunststück wieder in Ordnung zu bringen. Es war ja auch nur ein ganz kleines Stückchen!

Ich verließ die Ausstellung, bevor ich noch mehr zerstören konnte und schlenderte noch ein wenig über das Zechengelände. Interessant fand ich die Bilder, in denen erkennbar wird, wie mächtig die Natur ist. Überall macht sie sich breit, wandert unaufhaltsam über den Stein und überwuchert den einst so mächtigen Stahl.

Heute fand hier zusätzlich ein großes Zechenfest statt. Mit unterhaltsamer Musik und Futterständen wurde das Fest eingeläutet.

Ich holte mir einen Kaffee und setzte mich abseits von all dem Trubel in die Sonne. Von diesem Platz aus, habe ich ein für mich beeindruckendes Bild gemacht. Ein alter Mann spazierte über die Schienen zum Gebäude der Kohlenwäsche. Was ihm wohl durch den Kopf ging?

Das Thema „Zechen & Menschen im Ruhrgebiet“ ist ein ganz eigenes. Menschlich, wie multikulturell, geradeheraus aber das Herz immer am rechten Fleck. Aber diesen Geschichten, widme ich mich ein anderes Mal.

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Einen schönen Samstag Abend,

Emily

24 Gedanken zu „Zeche Zollverein & RUHRBLICKE

  1. Zeche Zollverein, da waren wir vor Jahren zu einem „Beatles“-Konzert oder -Musical. Ist wirklich schön, so mitten in einer ehemaligen Kohlenhalle oder was auch immer zu sitzen und eine Art Konzert zu genießen.

    Das 3-Gang-Menue ist ja umwerfend logisch, pruuuust.

    Oh ja, die Gedanken des Herrn da auf den Schienen, die möchte ich mal hören. Was ihm alles wieder bewusst geworden ist.
    Die von Wildkräutern schon teilweise überwucherten Gleise, wunderschön. Du hast Recht, die Natur meldet sich zurück.
    Und so zart wirkt der hohe Turm mit den Blättern davor, eine suuuper Aufnahme.

    Danke für diesen schönen Bericht.
    Und dir ein schönes Wochenende, noch scheint ja die Sonne
    Viele liebe Grüsse deine minibar

    • Freut mich, wenn dir der Bericht und die Bilder gefallen. Vor 2 Jahren war ich zur „Nacht der Industriekultur“ dort. Das war auch ein absolut beeindruckendes Spektakel! Das 3-Gang-Menü fand ich originell! Mal etwas anderes 😉

      Genieße noch ein wenig die Sonne und dir noch einen schönen Abend liebe Bärbel!

  2. ja, das mit dem blitz kenn ich auch. muß man bei jedem einschalten der kamera erst deaktivieren und vergißt es gern. wahrscheinlich fotografiert der aufsichtsmensch nicht. „kunst“ ist allerdings in den seltensen fällen zum anfassen da. und ich find es auch nicht so toll, da überall „bitte nicht berühren“ schilder dran zu pappen. ich hab ja beim frühjahrsrungang in der baumwollspinnerei selbst erlebt, wie ein kunstwerk durch besucher zu bruch ging (ich wars nicht ;-)).

    das foto wirkt ein wenig bedrückend, trifft die situation im ruhrgebiet mit ihren zechenschließungen wohl sehr genau.

    hab herzlich über das 3-gang-menü-schild gelacht :grin:. ist der senf nun vorspeise oder dessert?

    • Ob Vor- oder Nachspeise, das kannst du dir aussuchen 😉

      Ich empfinde das Ganze weniger bedrückend, vermutlich weil ich darin aufgewachsen bin. Vielmehr freue ich mich darüber, dass die Region so an sich gewachsen ist. Das Grau ist gewichen und die Schlote geben nichts mehr von sich. Heute treten viele Künstler auf oder sorgen mit ihren Ausstellungen für regen Zuwachs in der Touristikbranche. Die Menschen machen einfach das Beste daraus, oder versuchen es zumindest. Ich glaube, der „Ruhri“ ist im Grunde seines Herzens in erster Linie Optimist 😉

    • Entschuldige, dass ich das mit dem Blitz-Ausstellen nachgelabert hbe, aber ich lese es erst nachträglich nach dem Schreiben! – Das mit dem „Bilderrahmen anfassen“ wäre auch das einzige gewesen, was ich nicht gemacht hätte, denn das habe ich inzwischen begriffen, dass außer in „Anfass-Museen“ das immer veboten ist.
      Ach Mensch, Frau Wortfeile, wir (in dem Falle ja ich, da ich später schreibe) schreiben ja beide über das Menü, nur ich habe mir über die Stellung des Senfes keinen Kopp gemacht.

  3. Ganz klasse Fotos und so eine Zeche gibt es auch bei uns, dort finden regelmäßig Veranstaltungen statt, denn bei uns wurde auch Kohle gefördert – Lengede – ein Begriff ?

    GLG Marianne 😉

    • Danke dir für das Kompliment! Lengede sagt mir leider nichts. Aber ich finde es toll, dass man die Brachen irgendwie nutzt. Hier sind ja auch viele Zechen abgerissen worden.

      Liebe Grüße und einen schönen Abend dir 🙂
      Emily

      • Oh Gott, Lengede, ja! Mann, was ist das dramatisch gewesen! Obwohl ich seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckte, kann ich mich sehr gut daran erinnern… Lengede und in den späten Neunzigern Lassing mit dem Wunder eines Überlebenden zuerst, dann der dramatischen Bohr- und Suchaktion und der nachfolgenden Enttäuschung…

    • Jetzt bin ich auch wieder im Bilde. Ich war ja noch nicht geboren, dennoch ist die Geschichte von Lengede in der Tat keine unbekannte. Ich grübelte gestern noch Lengede… was war in Lengede….? Aber Dank einer bekannten Suchmaschine kam ich schnell auf die Lösung.

  4. Dieser bärtige, behelmte Mann sieht sehr nett und freundlich aus. Die anderen Fotos sehr interessant.
    Hallo liebe Emily.
    Dort hätte ich auch gern fotografiert.
    🙂

    Liebe Grüße und ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende!
    Heike

    • Glaube ich dir gerne! Es gibt so viele Schauplätze oder aber, ich finde alles interessant. Keine Ahnung 😉

      Einen schönen Sonntag dir & ich werde heute dein Stöckchen aufnehmen!

      Emily

  5. Das „Drei-Gang-Menü“ finde ich witzig, an die Treppe kann ich mich noch sehr gut erinnern und wie viele (Fett-)Näpfe standen dort, die du ausgelassen hast. – Du kannst ganz beruhigt sein, ich wäre auch so, bei meinem Apparat muss ich jedes Mal nach dem Einschalten den Blitz erneut abstellen, da er auf Autoblitz steht.
    Sei tapfer, das stehen wir durch!

    • Danke dir, für deine Anteilnahme und mentale Unterstützung! Ich bin froh, dass ich nicht allein mit dieser Blitzautomatik bin 😉

      Das Interessante an den orangefarbenen Streifen ist, dass sie nur aufgrund der Sonneneinstrahlung so leuchteten, nicht etwa durch Leuchtmittel.

      Einen schönen Sonntag dir liebe Clara,
      Emily

        • Das ging mir mit dem Leuchten vorhin ebenso 😉
          Am Abend wird die Treppe mit sicherheit angestrahlt. Aber am Tage hat das so deutlich reflektiert. Hab genau nachgelinst.

  6. Danke für die Einblicke, liebe Emily. Ich komme selber aus einer Bergbauregion und freue mich, dass die Natur sich so langsam wieder erholt. Wenn ich als junge Gudrun Besuch aus anderen „Regionen“ zu Besuch hatte, sagten die immer: „Bei dir schmeckt die Luft nach Brikett.“ Mir selber fiel das manchmal gar nicht mehr auf.

    Dass man versucht, technische Denkmäler zu erhalten, finde ich gut.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, die Gudrun

    • Weisst du Gudrun, ich finde es immer so beeindruckend, dass die Natur ihre Stärke zeigen kann. Dabei denke ich auch das das typische Bild des Löwenzahn, der sich durch den Asphalt bohrt. Was so ein Samenkorn doch ausrichten kann.
      Das mit der Luft kann ich gut nachvollziehen. Als ich einmal im Urlaub war, kamen wir in eine aktive Bergbaugegend und dort „duftete“ es wie du beschreibst. Das merkt man aber sicher nicht, wenn man darin lebt.

      Hab du auch einen schönen Sonntag. Liebe Grüße, Emily

  7. Ein sehr schöner und interessanter Beitrag, das Foto „vom ALTEN MANN“ haut mich fast um … was wohl in seinem Kopf vorgeht …
    sorry, ich bin heute irgendwie extrem empfindsam … und ich ich weiß nicht genau, warum mich dieses Foto so „extrem“ anspricht …
    herzliche Grüße
    Doris

    • Manchmal ist es einfach so. Er hat mich auch besonders angesprochen. Auch er war fern ab von all dem Trubel. Einfach und eben besonders, auf seine ganz eigene Art und Weise.

      Liebe Grüße und einen schönen Abend dir, Emily

  8. Danke für die schönen Fotos, da fühle ich mich sofort zu Hause! Noch eine Woche im norddeutsche Exil, dann komme ich zurück. Na ja, nur in die NRW-Landeshauptstadt aber immerhin wieder näher dran. Herzliche Grüße und einen guten Start in die Woche
    Frau Nilsson

    • Och, da oben kann es aber auch ganz nett sein 🙂 Wo auch immer das ist. Muss gleich mal rüber linsen!
      Gut, dass die Entfernungen bei uns ja alle nicht so überdimensional groß sind und schön, wenn dir die Bilder gefallen!

      Dir auch einen lieben Gruß und einen angenehmen Abend,
      Emily

  9. Schöne Bilder, aber auch ein wenig traurig. Dieser Strukturwandel, weg vom Bergbau, brachte ja auch viele Sorgen. Es macht mir auch ein wenig Angst. Was ist, wenn einmal alle Autos im Ausland gebaut werden? Auch die mit dem Stern…
    Liebe Grüße H.

    • Guten Abend meine Liebe,

      die Welt wird sich weiter verändern. Es gibt Menschen, die können sich keine Kirchen oder Schlösser ansehen, weil sie daran denken müssen, wie viel Leid es gekostet hat, diese Bauwerke zu errichten. Wie du schon sagst, auch der Bergbau barg viele Sorgen und Nöte. Und das ist auch heute noch so. Denken wir nur an China. Wir entwickeln uns in eine Richtung, wer weiß, ob die morgen noch aktuell sein wird. Ich gebe mir Mühe, die Gegenwart bewußt zu erleben. Die Produkte und Dienstleistungen aus der Region zu verwenden und zu beziehen im Gedanken daran, zu erhalten, was um uns herum ist. Damit stehe ich nicht allein und das gibt Mut 🙂

      Alles Liebe, Emily

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