Bürogeflüster

…und ein bisschen auch einfach: Mein Tag

Es gibt Tage, an denen vergeht die Zeit irgendwie schneller als an anderen. Wie geht das? Man, heute bin ich ein wenig spät dran. Eilig hechte ich aus der Dusche und trete der Katze (ausgerechnet!) auf den Schwanz. Das war es wieder für heute. Das Thema mit Madame hat sich jetzt erst einmal wieder erledigt. Ich rufe noch ein „Tut mir leid Süße!“, hinterher. Vergebens, ich bin Luft. Shit!

Das war’s.

Ich habe eine Sitzung heute. Wann fing die noch an? Steht in meinem Kalender. Kalender liegt auf dem Schreibtisch im Büro. Spitze!

Die Straßen und (!) man lese und staune, die Parkplätze sind ebenfalls frei. Hat sich die Stadt heute Urlaub genommen, um sich in Gänze auf das Fußballspiel einstimmen zu können? Bestimmt wird überall der Grill geschrubbt, die Salate zusammen gerührt und die Vusuvus poliert.

Die Haare sind noch nass und ich hoffe inständig, dass mich niemand sieht als ich über die Straße hechte. Oh, nur eine Kollegin. Ich winke freundlich. Geschniegelt und gestriegelt radelt sie an mir vorbei. Kommt die gerade aus einem Hochglanzmagazin? Gibt’s doch gar nicht. Wie kann man um die Uhrzeit schon so aussehen?

Weiter im Text….

Huch?! War die Baustelle gestern schon hier? Nicht wirklich oder?
Ich bin mir sicher, als ich gestern auf dem Weg zu meinem Büro war, war die Baustelle noch nicht da. Die hätte mir doch auffallen müssen oder?

Vorsichtig trete ich näher ran und werfe einen Blick in die tiefe Kuhle….
Das können die doch unmöglich gestern Abend noch schnell gebuddelt haben. Oder doch?

Nun, wenn doch, dann haben die Jungs ganze Arbeit geleistet! Hut ab!

Oder könnte ich sie übersehen haben? Aber wie…. ach, Schwamm drüber …

Montag war mein erster Arbeitstag nach meinem Urlaub. Aber (!) bisher war es bedenklich ruhig. Zu ruhig für meinen Geschmack. Was ist da los? Gehe ich richtig in der Annahme, dass man mich – aus welchem Grund auch immer – bisher verschont hat?

Da waren zum Beispiel lediglich 45 rot blinkende Mails. Das ist nach 2 Wochen Urlaub bei uns fast „nett gemeint“. Da fragst du dich eigentlich schon, ob du dem Unternehmen nicht mehr wichtig bist. Und doch frage ich mich immer wieder aufs Neue, wieso schreiben mir meine Kollegen überhaupt, wenn ich doch nicht da bin? Schließlich wussten doch eigentlich alle, dass ich Urlaub hatte. Was soll der Blödsinn?! Am liebsten, hätten sie die Mails ja gern noch in dem Moment beantwortet, in dem sie mir geschickt wurden! Gerade am Sonntag unterhielt ich mich mit jemandem über genau dieses Thema:

Er: „Früher hast du zum Hörer gegriffen und die Frage mal eben schnell selbst geklärt. Das ging doch viel schneller, als dass ich mich vor den Bildschirm hocke, die Tasten quäle und eine E-Mail absetze. […]“

So weit so gut. Man kann in diesem Augenblick nur von einer einzigen Person kontaktiert werden. Die Telefonleitung ist letztlich dann erst einmal belegt. Es hilft dir dann weiter, wenn der Betreffende dir helfen kann oder will oder überhaupt ans Telefon geht. Private Worte? Kaum noch Zeit! Zuhörer? Wenn mehrere im Büro sind, immer. Lachen? Eh verboten. Menschlicher Kontakt? Durchaus möglich.

E-Mails können von beliebig vielen Kollegen gleichzeitig verschickt werden. Diese Leitung zu belegen ist nicht ganz so einfach. Man hat also diese Zeit, die ich sonst mit einem persönlichen Kontakt ausgefüllt hätte, viel effektiver (laut Arbeitgeber) genutzt. Ist das nicht toll? (Ironie) Es sieht niemand wenn die Masse der E-Mails dich erschlägt. Dafür kann ich (ggfs.) ein paar private Worte in die E-Mail einpflegen! Und es hört auch keiner zu! Wie will man hören was ich tippe? Und dann kann ich auch noch lachen wenn ich will. Wozu gibt es jede Menge Smilies? Ist das nicht super?

Bevor mir mein gedankliches Blitzlicht zu schaffen macht, gehe ich mal an meine E-Mails … und sehe, was der Tag noch bringt.

Allen einen erfolgreichen Tag,

Emily 😉

18 Gedanken zu „Bürogeflüster

  1. liebe emily,

    ja, ja und nochmals ja. der mailterror nimmt überhand. und antwort muß es immer sooofort geben. und dann beherrschen viele das verstehende lesen nicht. und schon fliegen flugs mal 20 mails hin und her, bis auch der letzte begriffen hat, was in der ersten antwort stand.

    ich hoffe, du meisterst die erste woche nach dem urlaub gut, denn diesen schwachsinn zu akzeptieren ist nicht leicht ;-).

    grüße

  2. *grinst* Wie schön, dass ich nicht die Einzige bin, die immer wieder mit nassen Haaren aus der Haustür hetzt. Die trocknen dann auch beim Radeln ein bisschen, verheddern sich aber umso mehr.

  3. Aller Anfang ist schwer, vor allen Dingen der nach dem Urlaub.
    Kann ich bestens nachvollziehen.

    Mein Mann hat öfter diese Erkenntnis: oh, das ist ja neu! – – – Steht erst seit mindestens einem Jahr dort :mrgreen:
    – aber für ihn ist es halt NEU **gg

  4. Wieder einmal schön … ich habe mich‘ schon auf dein Büro-Geflüster gefreut …

    Jetzt schicke ich dir – ganz gepfegt – einmal einige private Worte, nicht per Mail, direkt per WWW.

    Ich mag deinen Blog … ich mag deine lockere und süffisante Art … kurz: „Schön, dass es dich gibt.“

    Hab‘ noch einen schönen Sommertag.
    Herzliche Grüße
    Doris

    • Liebe Doris,

      ich danke dir sehr für dein herzliches Kompliment und bin gerührt. Ich freue mich immer, wenn ich jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Danke, tun auch gut. Ganz bestimmt.

      Alles Liebe,
      Emily

  5. Ich glaube das papierlose Büro wird eines Tages noch in menschlischer Hinsicht unser Untergang sein, aber bis dahin machen wir einfach das Beste daraus und schauen, dass wir viel Spaß haben. LG und noch einen schönen Tag. :-).

    • Es ist die Menge, die einen zu erschlagen droht. Oftmals macht man sich ja selbst das Leben schwer: Erst einmal alles lesen und dann der Priorität nach abarbeiten. In diesem Augenblick hat man schon die Aufgaben im Kopf. Wichtig oder weniger wichtig spielt dann nur eine sekundäre Rolle. Aber den richtigen Weg habe ich auch noch nicht entdeckt 😉

      • …ich leider auch nicht :-(. Aber ich würde so gerne mal einfach morgens alle e-mails löschen, einfach nur mal so. Muss ein Mordsgefühl sein. Vielleicht habe ich ja den Mut und gönne mir das an meinem letzten Tag und schiebe dann alles auf den Server ;-).

  6. Wenn es nur die Mails im Büro wären….zu hause sind es weitaus mehr, da durch den Blog sehr viele Kommentare zu beantworten sind und dann die Benachrichtigungsmails der anderen Blogger…..was neues gebloggt.

    Ich schaffe es momentan kaum, da warten am Tag knapp 100 Mails privat und wenn ich nicht alles schaffe, dann wird der Berg größer, so letzte Woche. 235 Mails und ich arbeite mich durch…im Büro und privat !!

    Hab einen schönen Tag.

    GLG Marianne 😆

    • Das glaube ich dir gern liebe Marianne. Wenn ich deine Kommentare sehe, auch auf deinem Fotoblog, dann wundere ich mich, was du alles schaffst. Kein Wunder, dass du nur 6 Stunden Schlaf hast 😉 Aber es ist schon extrem wichtig, dass man sich nicht selbst zu sehr unter Druck setzt. Das passiert schnell. Dieses „Nur mal eben …“ dauert plötzlich wieder eine Stunde. Gib schön acht auf dich!

      Alles Liebe,
      Emily

  7. Ach schön, ein neues Bürogeflüster. Die Artikel mag ich irgendwie besonders gern.

    Das Thema Mailterror kennen wir ja leider alle zu Genüge. Ich mag gar nicht drüber nachdenken. Aber seitdem mein Handy Email kann, bin ich schneller mit lesen, weil ich die Mails meist sofort bekomme (falls mich die Technik nicht im Stich lässt und das Internet versagt). Ok, Antworten schreibe ich vom PC, denn das übers Handy zu tun – vergiss es. Dauert ewig.

    Ach ja, ich geh übrigens auch mit nassen Haaren aus dem Haus, wenn die Zeit knapp ist. Im Winter wird dann die Autoheizung und Lüftung auf volle Pulle gestellt, damit in der halben Stunde Fahrt wenigstens etwas Trocknung erreicht wird. Im Sommer und bei warmem Wetter wird das Cabriodach aufgemacht. Und siehe da: Haare trocken. Ok, etrem durcheinander, aber trocken. 😉

    Liebe Grüße und einen schönen Tag!

    • Ja ja ja!!! Im Winter geht es mir ganz genau so *lach* Lüftung an und los!

      Im Bürogeflüster ist meistens der Alltag des Wahnsinns zu hause 😉 Ein bunter Strauß von allem.

      Liebe Grüße und einen schönen Tag wünsche ich dir liebe Rima,

      Emily

  8. Es ist doch schon soweit gekommen, dass ich statt der Zeitung zum Frühstück, meine Emails etc. durchgehe….Oh Oh die Technik hat uns voll im Griff.
    Liebe Grüße

    • Ups…..es ist gerade laß sehen 07:06 Uhr……und ich bin auf dem Weg zur Arbeit. Schnell Schnittkes schmieren und E-Mails abarbeiten ….

      Fragen?!

      Liebe Grüße 😉

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