Weinprobe auf einem, hm…

… Dampfer? Schiff? Raddampfschiffboot?

Gerade kürzlich unterhielt ich mich mit jemandem über eine anstehende Weinprobe. Leider nicht meine. Da fiel mir eine Story ein, die Rieke und ich vor ein paar Jahren mal erlebt haben. Rieke erzählte mir von einer tollen Weinprobe, die einmal im Jahr auf eben diesem Schiff-Dings stattfindet. Diese Tour hatte ihr schon einmal so viel Spaß gemacht, dass sie mich gleich damit angesteckt hatte, das unbedingt auch machen zu wollen. Ja, wäre doch schade, wenn irgendwo etwas Lustiges passiert und ich bin nicht dabei. Oder wie sehe ich das? Geht ja gar nicht 😎

Zu viert haben wir beschlossen diese Tour zu buchen. Eine(r) musste fahren. Irgendwie lief das nicht so ganz, wie ich es mir erhoffte. Das Los fiel auf mich.  Unser Ziel lag leider nicht „um die Ecke“ undwar mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar.  Ok, aber Spaß kann man ja auch haben, wenn man fahren muss und nicht Wein verkosten kann/darf. Das hier entbehrt nun wirklich jeglichen Kommentar!

Das Wetter an diesem Tag war wunderbar. Die Sonne schien und wir ergatterten noch einen freien Tisch unter Deck. Ich schätze, das Klima betrug knapp 40 Grad. Ein Blick in die wartende Menge verriet eindeutig, dass wir den Altersdurchschnitt erheblich nach unten korrigierten. Das Bötchen wurde in erster Linie von Menschen mit silbern glänzendem Haar bestiegen. Das dauerte eine Weile. Mit ihnen musste noch eine erhebliche Menge von Gehhilfen mit an Bord. Da kam schon einiges an Holz und Metall zusammen.

Das Schiff glich einem Ausflugsdampfer, wie man aus Hamburg oder Berlin kennt, um die bekannten Rundfahrten durchzuführen. Es war nur erheblich kleiner. Die Tische waren für 4 Personen ausgelegt und ich ergatterte einen Platz am Fenster. Die Gläser zur Probe wurden verteilt (ich brauchte ja nicht so viele) und Salzgebäck gereicht. Das Boot legte ab und schipperte gemütlich den Kanal entlang. Ich öffnete das Fenster einen Spalt breit denn, so ein klein wenig Sauerstoff konnte ja nicht schaden. Eine Dame legte sich einen Schal um, was ich entspannt ignorierte.

Der *räusper* Kapitän sprach ein paar Sätze und warf die Musik an. Musik, die der Altersstruktur entsprach. War ja klar. Die Leute sollten doch bei Laune gehalten werden.

Ein nettes Mädel begann damit, die Weinflaschen zu öffnen und den Inhalt wohl dosiert in die Gläschen abzufüllen. Dann folgte die nächste Flasche und noch eine und so weiter und so weiter……

Mein Mineralwasser hatte ebenfalls Hanglage. Vielleicht ein wenig steinig im Abgang…. Hier und da habe ich ein gaaaaanz klitze klein wenig mal gekostet. Aber wirklich nur ein kleines Bisschen.

Die Musik wurde schmissiger. Carpendäle löste Heyno ab*). Musste jemand von den älteren Herrschaften zur Toilette, ging das jetzt auch schon mal ohne Krücken. Nein, was haben wir gelacht.

Irgendwo drehte das Schiffchen und machte sich auf den Rückweg. Likör löste Wein ab und irgendwann stand sogar Sherry auf unserem Tisch. Die Stimmung war bombastisch. Das stand völlig ausser Frage. Die Zungen waren gelöst. Nach und nach zogen auch die Partymäuse auf die Tanzfläche, die vorher einfach nur der Gang war. Stock? Krücken? Pah! Gar nicht nötig! Alle Extremitäten liefen wie geschmiert. Im wahrsten Sinne des Wortes! Das Seniorenheim verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit n einen Jungbrunnen.

Bevor wir wieder anlegten, wurden die Bestellzettel verteilt. Hier ging es ja nicht nur um Party. Die Zettelchen wurden natürlich rege ausgefüllt. Keine Ahnung, ob das Geschriebene auch gelesen werden konnte. Die geöffneten Flaschen, die herum standen, wurden von den Probanden wie selbstverständlich mit von Bord genommen. Hey, bezahlt war bezahlt.

Irgendwie gelangte der Sherry ebenfalls in meinen Wagen. Ich glaube, den hatte Rieke in ihrer Handtasche raus geschmuggelt. Aber wo hatte sie die Gläser her? Stil ist Stil. Tststs 😉

Wir haben so viel gelacht! ICH habe ja alles bis zum Schluß mitbekommen. Leibhaftig.

Wobei ich eine Weinprobe auch dann interessant finde, wenn ich mitkosten darf…

Emily

*) Ihr wißt wen ich meine…

17 Gedanken zu „Weinprobe auf einem, hm…

  1. Herrlich erzählt.
    Als wäre ich dabei gewesen, so super be- geschrieben.
    Aber man kann sich echt auch ohne Alkohol amüsieren und Spaß haben. Das ist wohl wahr.

    • Freut mich wenn dir die Probe gefallen hat. Wir hatten auch wirklich jede Menge Spaß! Die Tour geht übrigens ab Herne…also wenn du da mal einsteigen willst 😉

  2. Hach, schön! Das kann ich mir bildlich vorstellen. Und dass die Krücken dann in der Ecke landeten auch. hihi.
    Manchmal ist es auch super lustig, wenn man einer von den wenigen Nüchternen ist. Dann kann man auch vieeel Spass beim Zugucken haben.

  3. Gehhilfen habe ich 3 Jahre gebraucht, silberfarbene Haare bekam ich mit 25 und zu den vierzigern zähle ich auch nicht mehr – aber da hätte ich mich nicht wohlgefühlt, so etwas ist gar nicht mein Ding, zumal ich auch keinen Wein trinke.
    *) Den mag ich auch nicht.

    Wünsche Dir einen schönen Tag.

    • Das waren die 70iger liebe Marianne. Das Schöne war, dass alle ihren Spaß hatten. Und mal ganz ehrlich, wenn die Senioren ihre Gehhilfen in die Ecke stellen können, dann ging es ihnen doch wahrhaft gut. Das zählt oder?
      Die Bilder sind übrigens wunderschön!!! Danke dir!

      Liebe Grüße,
      Emily

  4. wir waren auch mal zu einer weinprobe. eieiei. mit nüchtern war da auch nicht mehr viel… und dann ging es auch noch im anschluss den berg runter und mit dem boot über einen see. ich kann dir sagen, da konnten nicht alle mit umgehen. grins.

    liebe grüße
    anna

    • Liebe Anna, jetzt gehen mir aber Bilder durch den Kopf. Au wei 😉 Wie waren eigentlich deine Ergebnisse? Wollte dich schon mehrmals gefragt haben?

      Liebe Grüße,
      Emily

  5. Hihi, liebe Emily, was für eine Geschichte, klingt ein wenig nach „Butterfahrt“, wurde auch Heizdecken angeboten?;-) Schön, dass die älteren Herrschaften so aus sich rausgegangen sind und alle zusammen einfach Spass hatten! Fröhliche Grüsse Andrea

    • Das finde ich auch. Der Dampfer war wie ein Jungbrunnen. Glaube mir liebe Andrea, die Herrschaften hätten in dem Zustand so Einiges gekauft 😉
      Liebe Grüße,
      Emily

  6. liebe emily,

    einfach nur klasse, deine geschichte. ich sehe das bildlich vor mir und könnt mich schlapplachen. hab sowas mal vor jahren in berin erlebt, als ich noch in berlin gelebt hab. uralter kahn, berlin´s most wanted alkis und ein DJ, der 1 lieblingslied hatte: Da steht ein pferd auf dem flur von klaus & klaus 😆

    noch fragen?

    liebe grüße, katerwolf

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