Wie lange dauert: Kannste mal eben?!

Schon mal über eine darüber nachgedacht? Was heißt denn: Kannst/Hast du mal eben schnell kurz […]?

Kennt ihr das? Wie oft begegnet einem am Tag dieser Satz, oder in der Woche. In der Familie, im Bekanntenkreis und vor allem im Job!

Ich möchte mal behaupten, daß ich ein gutes Zeitmanagement habe. Ich gehe noch weiter und behaupte darüber hinaus, daß ich eine gute Organisationsbegabung mein eigen nennen kann. Hier und da sind Zeitpuffer eingebaut. Streß macht man sich ja oft selbst und gegen den habe ich etwas. Aber wer ist schon begeistert davon?

Was mich aber total nervt ist der halbgare Satz: Kannst du mal eben? Was? Mal eben etwas halten? Mal eben gucken? Ist doch schnell erledigt. Aber mal eben kann auch ganz anders übersetzt werden! Der Adressat äußert sein Vorhaben nicht immer direkt, sondern schießt manchmal wie ein Pfeil von hinten ins Auge. Also, rein bildlich gesprochen.

Mein Chef heute früh zum Beispiel: „Äh, Frau Rosensteuz?!“ Ich glaube, es war die Stimmlage. Ich wußte sofort, oha, Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Ich wie (fast) immer zuckersüß – brauche schließlich irgendwann mal einen freien Nachmittag, z. B. um endlich mein Nummernschild anbringen zu lassen – trällere ein fröhliches: „Jahaa?!“ hinterher.

„Haben Sie mal eben ein paar Minuten?“ 2? 5? 30? Nein. Habe ich nicht.

„Natüüüürlich.“ Shit. Auf meinem Schreibtisch brennt so einiges, das ganze Ding müßte eigentlich schon in Flammen stehen. Aber ich würde kaum etwas lieber tun, als mit meinem Chef zu plaudern. Ich kann mir nämlich schon vorstellen, was dabei heraus kommt: Arbeit.

Er sieht mich an.

„Oh. Ah, jetzt meinen Sie?“ Ich versuchte auf Zeit zu spielen. Vergebens.

„Ja. Wenn es Ihnen paßt?!“

„Natüüüürlich.“

Nach 40 Minuten war ich zurück an meinem Schreibtisch. Natüüüürlich um etwas Arbeit reicher. Tja, so wird es nie langweilig nicht wahr?! Ist doch super und mein Zeitmanagement im Eimer.

Emily

15 Gedanken zu „Wie lange dauert: Kannste mal eben?!

  1. So ist das mit dem Zeitmanagment. Ich war einmal auf einem Zeitmanangment-Seminar da habe ich gelernt, dass ich nur 40 % meiner Tageszeit verplanen soll, weil sich der Rest von selbst ergibt. Bestätigt sich mir immer wieder und so wird es tatsächlich nie langweilig. Danke für dieses Post.
    Herzliche Grüße
    Doris

    • Da liegst du sehr richtig liebe Doris. Langweilig wird es nie! Manchmal ist man im Gegenzug sogar überrascht, wenn ein größerer Zeitpuffer da ist, was man nun mit der freien Zeit anfangen soll 😉

  2. …ja schön ist, wenn man sich Zeitpuffer einbaut (wohl wissend was an diesem Tag so ansteht) und diese werden dann gnadenlos von anderen genutzt um ihren Sch…. abzuladen. Ganz toll, aber es nützt ja nichts da muss man durch. 🙂

  3. Oh, diesen Satz kenne ich auch nur allzu gut, liebe Emily. Kann dann leider oft auch nicht ‚Nein‘ sagen. 😦 Ärgerlich – genauso wie „Kannst Du mir mal kurz Dein . . . leihen?“ Das ‚kurz‘ ist dann oft wochenlang.
    Ein schönes Wochenende + LG – Grethe

    • Das mit dem „Leihen“ ist ein phantastisches Beispiel für „mal eben kurz“! Meistens muss man immer wieder nachhören oder das Geliehene abschreiben. Ist leider tatsächlich so.

      Dir auch ein schönes Wochenende und
      liebe Grüße,
      Emily

  4. „Kannst du mal schnell…“ bringt mich auch stets innerlich auf die Palme. Wieso schnell? Sind wir hier denn auf der Flucht? Nein, ich kann nicht schnell! Und ich will auch nicht schnell können! Nie und nichts! Weil ich mich nicht für Niemanden, für Nichts und Wieder-Nichts selber fertig mache bzw. unter Druck setzen lasse! Wer etwas von mir will, muss damit rechnen, dass es eben nicht schnell geht. Dafür aber gut!
    Liebe Grüße! Wünsche dir ein schönes – und entschleunigtes! – Wochenende! 😉

    • Gut, wenn du so konsequent bist. Ich arbeite an Besserung 😉

      Dir auch ein schönes Wochenende & hoffe, es geht dir so einigermaßen…

  5. Apropos Leihen: Ich hatte vor eineinhalb Jahren einem befreundeten Pärchen, das sich eine gemeinsame Wohnung genommen hatte, „mal eben“ meine Bohrmaschine geliehen. Und erst dann zurück bekommen, als ich Anfang der Woche androhte, ihnen diese in Rechnung zu stellen, falls ich sie nicht auf der Stelle endlich zurück bekommen würde!

    • @freidenkerin: Hm, genau das geht gar nicht oder? Und dann gibt es noch die, von denen du Dinge unordentlich zurück bekommst. Manche machen sich darüber gar keinen Kopf.

  6. Ja, wenn es der Chef ist, dann muss man wohl.

    Aber bei Kollegen, wo es zur Gewohnheit zu werden droht, da baue ich mir ein Schutzschild. Noch ist es eher aus Wackelpudding, aber es härtet langsam aus.

    • Herzlich willkommen! Es ist absolut bewundernswert wenn man dieses Schild trägt. Ich arbeite ebenfalls daran, ich kann manchmal zu schlecht „nein“ sagen. Das ist der Haken 😉

  7. Was mich auf die Palme bringt ist die Frage: „Und? Wie ist es?“
    Ja, wie jetzt. Was ist gemeint? Das Wetter? Meine Verdauung? Oder vielleicht doch der Fortschritt meiner Arbeit? Ich würde IHR ja gerne mal ne freche Antwort geben, aber sie hat mir als Vorgesetzte was zu sagen und kann, wenn man ihr an die Karre fährt, ein ziemliches Miststück sein. Also verkneife ich es mir und sage: „Gut. Und selbst?“ Ich haaaaasse diesen abartigen Smalltalk. Warum können manche Menschen ihre Fragen nicht klar und eindeutig artikulieren? Tja, noch muss ich kleine Brötchen backen… noch!

    Ist mir schon klar. Das eigentliche Thema habe ich etwas verfehlt. Aber mir war halt danach es mal rauszulassen. Die Gedanken sind frei… 😉

    • Wenn es aber etwas gibt, was einen stört, dann reicht schon der Ansatz, um die Nackenhaare aufrecht stehen zu lassen. Ich weiß genau was du meinst. Da muss eine knackige Gegenfrage her. Charmant natürlich, du willst es dir ja nicht verscherzen. Frag sie doch mal: „Was konkret meinen Sie?“ Und ansonsten, immer her damit. Ich kann mit (fast) allem Leben 😉

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