(nachdenkliches) Wort zum Dienstag

Navi für’s Leben?

Am Sonntag war ich auf meiner üblichen Laufstrecke unterwegs. Hin und wieder wähle ich einen anderen Abzweig. Hänge eine Strecke an oder verkürze sie. Dabei kommt es mir darauf an, den Weg zu laufen, der mir an diesem Tag gefällt. So laufe ich entspannt drauf los.

Am vergangenen Sonntag bemerkte ich einen Weg, der mir bis dahin noch nie aufgefallen war. Wo mochte der hin führen? Ob er schön ist? Naturbelassen? Führt er durch die angrenzenden Felder?
Das Wetter war herrlich und meine Beine fühlten sich gut an. Ich entschied mich dazu, meiner Neugierde Raum zu geben und den Weg ein Stück zu laufen. Mal sehen, wo dieser Weg endet.

Ich finde es spannend, bekannte, manchmal ausgetretene Strecken zu verlassen und neue Wege einzuschlagen. Nur so ist man in der Lage, sich über bekannte Grenzen hinweg zu setzen.

Die Gewohnheit schenkt uns Sicherheit, doch woher soll ich wissen, wohin dieser Weg führt wenn ich ihn nicht gehe? Ist die Gewohnheit es wert, daß ich es nicht ausprobiere?

Kritisch kann es eigentlich nur dann werden, wenn man – so wie ich – einen Orientierungssinn ähnlich dem einer Fliege hat. Man geht einen neuen Weg, verliert möglicherweise den Blick für die Richtung und hat plötzlich einen ziemlich langen Rückweg vor der Brust. Oder man muß Umwege in Kauf nehmen. Oder man hat Gegenwind. Alles ist möglich. Die Unwägbarkeiten einer Laufstrecke. Oder des Lebens?

Ist es nicht gut, daß es mittlerweile tragbare Navigationsgeräte gibt, die einen Läufer wieder auf die richtige Fährte bringen? Das Navi führt mich immer zielgerichtet an den Ort meines Wunsches. Ich kann mich blind auf die Technik verlassen.

Eine gute Erfindung, insbesondere dann, wenn Orientierungslosigkeit mit Kartenlegasthenie kombiniert ist!

Doch sind nicht gerade die Umwege spannend? Sie sie es nicht, die uns hier und da die Augen für Neues öffnen? Auch dann, wenn die Unwägbarkeiten schmerzhaft sind? Ist es nicht genau das, was uns ausmacht?

Die Laufstrecke war sehr schön (siehe Fotoimpressionen Lauf-Lage-Bericht). Es hätte auch anders sein können. Ich weiß nicht, ob ich sie noch einmal laufen kann. Sie war schon ziemlich lang. Aber ich bin sie gelaufen und ich bin froh darüber. Auch, wenn es weh tat.

Einen schönen Tag,

Emily

12 Gedanken zu „(nachdenkliches) Wort zum Dienstag

  1. Intuition: Eine Begabung, auf Anhieb eine gute Entscheidung treffen zu können, ohne die zugrunde liegenden Zusammenhänge explizit zu verstehen. Umgangssprachlich „aus dem Bauch“ („Bauchgefühl“) – aus Wikipedia. Ich hab das Problem, dass ich ein Kopfmensch bin, weil ich aus irgendwelchen Gründen meinem Bauch (meinem Innersten, meiner Seele) nicht vertrauen kann. Das ist schlecht, weil auf dem Lebensweg die Hindernisse sehr groß sein können. Und wenn man davor Angst hat, versucht man es oft gar nicht einen neuen Weg zu gehen, auch wenn der „Bauch“ noch so will.
    Grüße Heidi

    • Liebe Heidi,
      ich kann dich gut verstehen. Der Mut verläßt mich oft sogar. Dennoch treibt mich immer etwas an. Herz & Bauch haben bei mir die Überhand. Der Kopf muss oftmals auslöffeln, was die beiden ihm eingebrockt haben. Bisher waren sie mir ein gutes Team, da der Verstand sich rechtzeitig eingeklinkt hat. Ich hoffe, es bleibt dabei. Angst ist ein schwieriger „Gast“, der seine Berechtigung haben will. Hilft es dir vielleicht mal genauer hin zu sehen? Wo sie ihre Wurzeln hat!

      Liebe Grüße,
      Emily

  2. liebe emily,

    du hast ja auch ein so schönes blögchen hier, daß ich gerne öfter mal vorbeischneie.

    zu dem lebenswegtext: ich würde mich ja nicht hundertprozentig auf technik verlassen, das hat schon einige in die irre geführt. aber ich bin auch in der glücklichen lage, karten und stadtpläne lesen zu können. ich versuche, intuition und verstand miteinander zu koppeln, alles andere hat mich zu oft in die irre geführt. die seele schreit früher oder später, wenn sie zu lange unterdrückt wird. ein navi kann man ja abstellen, die gedanken und gefühle? das gelingt mir meistens nicht…

    einen schönen abend dann.

    • Schön, dass du vorbei geschaut hast und herzlich willkommen! Wem gelingt es, Gedanken und Gefühle abzustellen? Sie gehören doch zu uns nicht wahr? Es wäre schade drum, wenn wir unsere Emotionen auch noch abstellen würden. Neee. Das lassen wir besser…Einen schönen Start in den Mittwoch!

  3. Die Umwege des Lebens sind die wahren Herausforderungen. Sich orientieren, schauen, was geht und das Beste daraus machen. Sicherlich wird man auch das ein oder andere Mal eine Sackgasse finden, aber Rückwege sind ja keine Niederlagen. Sie sind der Beginn neuer Impressionen, denn auf dem Rückweg schaut man besonders gut nach links und rechts.

    Wichtig auf allen Wegen ist eigentlich nur, dass man nicht andauernd nach hinten guckt…

  4. ohja, liebe emily, now i understand, ähem. aber da haben wir was identisches erlebt, mit dem gleichen ergebnis. schön 😆

    liebe grüße, katerwolf

    ps: mein wald-navi ist jetzt joschi!

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