Im Wartezimmer bei Herrn Dr.

An einem Montag Morgen in eine Arztpraxis zu gehen, ist so, als wenn du versuchst dir in der Fußballhalbzeit im Stadion ein Bier zu besorgen. Richtig, eine Herausforderung. Beides mache ich im Allgemeinen höchst selten. Glücklicherweise!

Wenn man einen Termin beim Doktor ergattert hat, dauert es vielleicht nur noch eine 3/4 Stunde bevor man dran kommt. Wenn man keinen Termin hat, nimmt man sich besser ein Kissen mit. Das Wartezimmer ist rappelvoll. Hier wird gehustet und geschnupft und wer bis hier her noch nicht krank war, ist es jetzt. Der Doc, ein super netter Kerl fegt von Zimmer zu Zimmer und seine „Damen“ ihm hinterher. Langeweile kommt hier nicht auf. Keineswegs. Zumindest nicht für die Mannschaft.

Für die Patienten, die schon alle Zeitschriften durch haben, schon. Schlimm wird es, wenn einem Patienten noch eine Zeitschrift in seiner Wissensaufnahme fehlt und ein anderer sie noch liest. In seinen Augen erkennt man, das ist meine! Die krieg‘ ich als Nächster. Dabei spielt es keine Rolle ob es der Spiegel oder die Gala ist. Ich nehme meistens ein Buch mit. Es fällt mir schwer mich auf das Gedruckte zu konzentrieren. Bunte Bilder kann man da schon leichter verarbeiten, aber so halte ich es am Liebsten.

Neben mir nimmt eine Frau Platz. Sie beginnt in ihrer Tasche zu kramen…..bis sie irgendwann ein Bonbon in Händen hält. Knisternd packt sie es aus und steckt es sich in den Mund. Ich vernehme das Schnalzen und Lutschen und letztendlich das Beißen und Kauen auf dem Bonbon. Das tut sie ganz genüsslich. Ich lese den eben gelesenen Satz noch einmal.

Zwei Herren sitzen einen Sitz weiter. Sie betraten eben die Praxis und ergatterten die letzten freien Sitzplätze. Ist wie die Reise nach Jerusalem hier! Wer zuletzt kommt hat Pech. So ist das eben!

Ich sehe kurz auf die Uhr, bin erst 20 Minuten überfällig. Toleranzbereich. Alles gut. Der Satz ist futsch. Ich muss noch einmal anfangen.

Die Herren kennen sich und kommen ins Gespräch:

Der Eine: „Wie isset dir?“

Der Andere: „Ja, nicht so gut. Deswegen bin ich ja hier.“

Ich will nicht zuhören, ich will meinen Text lesen.

Der Andere: „Bin ja gestern erst aus Australien zurück.“

Der Eine: „Oh. Ja, ich hab et ja mit meinem Bein. Jetzt schon ne Weile.“

Der Andere: „Du, der Arzt macht dich wieder fit.“

Das sind doch mal gute Aussichten, finde ich!

Die neben mir kramt erneut nach einem Bonbon. Ich frage mich allen Ernstes, ob sie nicht gefrühstückt hat…

Der Andere: „Wir sind ja 5 Tage in Singapur hängen geblieben.“

Der Eine: „Oh. Schön.“

Der Andere: „Neee du. Dat war nichts. Wegen der Asche ging das nicht weiter. Die haben ja keine Flüge  mehr zugelassen.“

Der Eine: „Nee?“

Der Andere: „Nee. Dann sind wir wieder nach Australien und dann wieder zurück. Ich hab mir da wohl was eingefangen.“

Der Eine: „War es kalt da?“

Der Andere: „Nee. Aber im Flugzeug wohl. Der Doctor muss mir jetzt mal ein paar Bomben verschreiben. Das geht ja so nicht weiter.“

Der Eine: „Nee.“

Der Arzt guckt durch die Tür, verteilt ein mildes Lächeln und mit ihm Überweisungsscheine. Er nennt zwei Namen, einer davon ist meiner yess!!!

Schlage mein Buch zu, lächle und folge ihm unauffällig. Doch das Grauen nimmt kein Ende. Ich muss zuerst ins Labor. Blutabnahme. Hilfe!!!

Tapfer lasse ich die Blutabnahme im Sitzen über mich ergehen (ja, das ist bei mir so was von tapfer!!) und muss mich erst hin legen, als die Assistentin beginnt Stäbchen in meine Blutkanüle zu halten.

Sie: „Geht es Ihnen nicht gut? Wir hätten das auch im Liegen machen können?“

Super, sie scheint das letzte Blutabnehmfiasko vergessen zu haben. Ich bin rehabilitiert. Meine letzte Blutentnahme fand vor einem Weihnachtsfest statt und sie mussten mir ein Stück Schokolade aus ihrem Praxis-Adventskalender bringen, um damit meinen Kreislauf wieder anzuregen. Ich habe dann gemeint, ich mache das immer so, um auf diesen Weg an Schoki zu kommen. Hee, das war ein Spaß. Und zwar ein ziemlich guter in dieser Situation würde ich meinen! Aber man lächelte mich nur milde an und war froh darüber, dass meine blasse Gesichtsfarbe wich.

Egal. Schien jedenfalls in Vergessenheit geraten zu sein. Gut so.

Ich: „Alles gut, ich kann nur nicht so gut sehen, dass Sie gerade mit meinem Blut spielen.“

Lächelte und winkelte die Beine an. Sicher war sicher.

Jetzt habe ich ein paar bunte Pillen, mit denen geht es den Bazillen an den Kragen. Jetzt ist Schluß mit lustig 😉

Liebe Grüße,

Emily

6 Gedanken zu „Im Wartezimmer bei Herrn Dr.

  1. Du kannst herrlich erzählen, man denkt, man sitzt da mittendrin! Dann wünsche ich aber mal „gute Besserung“! Wie schön, daß Du einen netten Arzt hast, ich habe bisher keinen solchen gefunden. Das ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
    Liebe Grüße
    Ellen

    • Danke für das tolle Kompliment liebe Ellen. Freut mich sehr! Mit meinem Doc habe ich wirklich Glück gehabt, meistens sind das ja so Hören-Sagen-Treffer. Der ist schon mächtig ok.
      Einen schönen Abend und liebe Grüße,
      Emily

  2. Wieder einmal habe ich herzlich gelacht. Eine sehr aufheiternde Geschichte, vor allem das Gespräch „unter Männern“, einfach göttlich. Jetzt wünsche ich dir, dass du ganz schnell wieder gesund wirst und freue mich auf die nächste Geschichte aus deinem Alltag.

    Von Herzen
    Doris

    P.S. So, jetzt hat es funktioniert, da ich den Link von deinem Blog verwendet habe. Ich war wohl gestern Abend zu müde und habe die Fehler-Meldung nicht richtig verstanden. M.E. solltest du einmal den Link von deinem Kommentar-Feld überprüfen. Doch jetzt ist alles GUT, du bist jetzt auf meinen beiden Blogs verlinkt.

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