München & Bärlauch auf dem Friedhof

…aber dazu später!

Marleen und ich hatten ein schönes, sonniges Wochenende in München. Jo mei war das schön!!! Allerdings, mussten wir erst einmal hinkommen. Der Flug war für Freitag früh gebucht. Um 09:10 Uhr sollte es los gehen. Das daraus nichts werden konnte, wurde mir am Donnerstag Abend bewußt, als die Seite der Fluggesellschaft die Stornierung dieses Fluges ankündigte. Passagiere dieses annullierten Fluges konnten den Anschlussflug um 10:20 Uhr umbuchen. Aber erst am Flughafen. Nicht per E-Mail, nicht per Telefon. Überpünktlich trafen wir also wie geplant am Flughafen ein. Leider bekamen wir keinen Platz mehr in der Folgemaschine. Pech gehabt…Da noch ein Flieger um 12:20 Uhr in Richtung München gehen sollte, haben wir uns dazu entschlossen den zu nehmen. Also buchten wir um und checkten unsere Koffer ein. Andere Alternativen gab es nicht. Die Zeit für den Aufenthalt in München selbst, schrumpfte leider ein wenig.

War mir so auch noch nicht passiert.

Marleen und ich hatten dafür vorgesorgt, den Kreislauf für diese frühe Morgenstunde (wir waren bereits seit 05:45 Uhr auf den Beinen!) in Gang zu halten. Was tut man nicht alles um wach zu bleiben 😉Mit einem kleinen Sekt stießen wir also auf unseren Urlaub an.

Der Flughafen war fast wie ausgestorben. Aufgrund des Vulkanausbruches waren viele Reisende sicher schon längst auf andere Reiseverkehrsmittel umgestiegen. Wie wir an unserem eigenen Flug unschwer erkennen konnten, gab es auch noch keinen geregelten Flugverkehr.

Einen Cappuccino später, dösten wir dann auch schon in der Abflughalle vor uns hin. Insgesamt hatten wir insgesamt 5 Stunden Zeit zu überbrücken.

Doch auch diese gehen schließlich irgendwann rum. Im Flugzeug sitzend, schauen wir uns unsere Nachbarn an, die uns in den kommenden 50 Minuten begleiten werden. Hinter uns ein Paar, das schon seit Ewigkeiten auf der Heimreise ist. Der Vulkanausbruch hatte denen, wie vielen anderen auch einen Strich durch die Rechnung gemacht und sie noch eine Weile in ihrem Urlaubsland verweilen lassen. Sie hielt sich zur Sicherheit immer an der Sitzlehne ihres Vordermannes fest. Der Vordermann war eine Frau, nämlich ich. Permanent zog sie an meinem Sitz. Ich verdrehte die Augen, ließ sie aber gewähren. Sie war schon fertig mit ihren Nerven. Der unmittelbare Nachbar von Marleen hatte vor dem Start etwas Köstliches mit Knoblauch gespeist und fiel von dem Moment an, in dem er Platz nahm, in einen komatösen Zustand. Marleen hoffte inständig, dass sein Kopf nicht auf ihre Schulter fallen würde. Ich hoffte für sie zusätzlich mit, dass WENN das geschehen sollte, der Typ nicht sabbern würde. Die Leute vor uns waren mit der Zubereitung von Schweinerouladen beschäftigt. Zumindest theoretisch. Sie diskutierten über die unterschiedlichsten Zubereitungsmöglichkeiten. Auch gut. Grinsend und dennoch entspannt erreichen wir den Flughafen München.

Das Kofferband läuft an, versorgt (fast) jeden mit seinem Gepäck. Ein Blödmann fährt mir mit seinem Riesenkoffer über meinen Fuß und entschuldigt sich nicht einmal. Meine Gelassenheit hat echt Grenzen. Insbesondere dann, als ich feststelle, dass das Kofferband anhält. Das irritierende daran ist, dass es auch nicht wieder anläuft. Mit mir starren noch 10 weitere Augenpaare begriffstutzig auf das schwarze Förderband. Och nö…… selbstverständlich habe ich KEIN Schild an meinem Koffer, auf dem mein Name oder die Adresse steht. Heute nicht. Spitze! Um uns herum stehen zwar noch ein paar Gepäckstücke. Einige gehören noch den anderen Passagieren. An anderen hängt ein Schild. Aber wo ist meiner?!

Ist mir so auch noch nicht passiert…

Ich trotte also in das Büro der Fluggesellschaft. Die Tussis (sorry, aber es war echt so) am Schalter sind genervt. Passiert denen öfter. Mir nicht. Ich bin auch genervt. In Gedanken gehe ich schon einmal eine anstehende Kreditkartenrechnung durch. Mir fehlt ja quasi alles, ob die mir meinen Koffer rechtzeitig heute noch wieder beschaffen können? Ich habe ja nicht einmal einen Schlüppi! Sie nehmen die Daten auf und machen mir Hoffnung, den Koffer noch heute beschaffen zu können. Oder wollen die mich nur beruhigen? Auf dem Weg zum Ausgang streifen wir noch ein paar Gepäckstücke die abseits stehen. Plötzlich las ich meinen Namen auf einem kleinen schwarzen Koffer. Da war er ja!! Mein Koffer! Gibt es doch gar nicht. Wie kam der denn dahin? Hatte ihn jemand vom Band genommen? War er eine Maschine eher geflogen? Ganz allein? Ich gebe der Tussi in dem Kabuff noch schnell freudestrahlend Bescheid, dass mein Koffer wieder da sei. Da guckt die mich doch tatsächlich auch noch blöd an, als sei das meine Schuld! Weg hier…

Schnell kaufen wir die Tickets für die S-Bahn und sehen zu, dass wir zum Hotel kommen. War es das für heute? Schnell überprüfe ich, ob wir auch in die richtige Richtung fahren. Heute konnte schließlich alles passieren. Tun wir aber. Gut so.

Unser Hotel ist glücklicherweise gegen 16 Uhr erreicht. Zuerst laufen wir daran sogar vorbei, da ein riesiges Schild „Hostel“ an diesem Haus angebracht war. Waren wir hier richtig? Das Hotel sah im Internet irgendwie anders aus…..aber die Hausnummer stimmte mit der Buchung überein.

Ich:    „Hallo. Sind wir hier richtig? Ist das ein Hostel?“ Das war nur eine freundliche Frage. Ich dachte, Hostels seien einfach Mehrbettzimmer….

Also, das wäre mir eben auch noch nie passiert!

Der Typ hinter dem Tresen fühlte sich leider direkt persönlich angegriffen und antwortete:

„Wir haben auch richtige Zimmer und hoffen Ihren Standard gerecht zu werden.“ Na klasse, hoffentlich hat der morgen nichts mit meinem Frühstück zu tun……

Im Grunde, war der mir total egal. Wir waren von der Reise ein wenig erschlagen und auch der Kofferschreck saß mir noch in den Knochen. Wir wollten nur ein sauberes Zimmer. Mehr nicht. Der Weg führte uns auf eine Art Garagenhof, alles war hell und freundlich angestrichen und wirkte freundlich. Alles gut. Die Kuhle im Bett würde ich überstehen. Heute ganz sicher. Jetzt aber erst einmal raus, an die frische Luft. Erst einmal richtig ankommen! Wir schlendern über den Stachus in den verbleibenden Sonnenstrahlen in Richtung Viktualienmarkt und stürzen uns ins Getümmel. Selbstverständlich haben wir uns mit Breze, Obatzda & zwei eisgekühlte Helle bewaffnet. Prosit!!! Du wunderschöne Stadt! Gesättigt marschieren wir im Anschluss an die Isar und lassen uns an den Auen noch etwas treiben. So viele junge Leute genießen – wie wir – die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Später kehren wir in einem Lokal im Glockenbachviertel ein, um köstliches zu essen und über die Ereignisse des Tages zu lachen.

Erschöpft, leider habe ich auf dem Rückweg einen Abzweig verpaßt und für einen kleinen Umweg gesorgt, erreichen wir dann doch erst gegen 23 Uhr das Hotel. Müde und ziemlich geschafft! Ich hätte nicht mitbekommen, wenn Punks im Badezimmer ein Konzert gegeben hätten.

Am nächsten Morgen sind wir mit viel Energie zurück.

Marleen: „Wie ist denn das Wetter wohl?“

Ich rolle mich aus meiner Bettkuhle…..und schiebe den Vorhang bei Seite.

Ich:           „Traumwetter!!! – Sie sehen einen blauen Himmel und Sonnenschein!“

Marleen: „Hä?! Ich sehe nur grau……willst du mich aufheitern?“ Marleen setzt ihre Brille auf……

„Ach! Das ist ja die Häuserwand…….“

Alles klar, der Tag kann starten! Das Frühstück verläuft reibungslos und schon sind wir gegen 09:30 Uhr auf dem Weg in die Innenstadt. Es geht über das Sendlinger Tor zur Assamkirche, über den Platz des neuen jüdischen Museums zum Viktualienmarkt um Käse und Breze für den Mittag zu kaufen.

Wir treffen auf einen JGA (Junggesellenabschied). Er wurde von seinen „Freunden“ mit einer Langhaarperücke verkleidet und musste für -,50 EUR Rikscha fahren. Eigentlich hätten wir eine preiswertere Fahrgelegenheit kaum bekommen können, dennoch marschieren wir zu Fuß weiter. Vorbei am Haxnbauer zum „Regierungsviertel“ eines berühmten Starkochs. Hier gibt es mittlerweile sein Eis zu kaufen, seine Gewürze sowieso, Marmeladen, Senf, seine Kochkurse und auch sein Restaurant befindet sich noch immer hier. Alles dicht an dicht. Da genau hier die Sonne so wunderbar scheint, sind wir der Meinung, es ist dringend Zeit für einen Cappuccino. Ja, jetzt sind wir wirklich da. Über uns der bayrische Himmel: Blau & weiß. Ein kleiner Bummel durch die 5 Höfe sorgen für Flüssigkeitsverlust, den wir im Hofgarten mit einem Hellen (es ist längst Mittag) wieder auffangen. Der JGA macht hier ebenfalls Rast. Der arme Kerl steckt nun in einem pinkfarbenem Bunny-Kostüm. Irgendjemand will sich möglicherweise an ihm rächen…..

Nach unserer kurzen Pause führt uns unser Weg zum englischen Garten und zwar zum Monopteros. Von hier hat man einen schönen Ausblick über einen Teil des Gartens und einen Teil der Dächer Münchens. Wir strahlen mit der Sonne um die Wette. Plötzlich entdeckt Marleen eine winzige Schriftrolle, sorgsam eingerollt und mit einem Geschenkband umwickelt (fast) unübersehbar an die Mittelsäule geklebt.

Marleen:  „Da…guck‘ mal da!“ Neugierig folge ich ihrem Blick.

„Das ist bestimmt eine Liebesbotschaft.“

Ich sehe mich um. Es sind so viele Leute hier, aber niemand achtet auf uns oder auf die kleine Rolle Papier.

Ich:            „Meinst du?!“

Neugierde wächst……ehe ich darüber nachdenke, fummle ich mit meinem Zeigefinger schon dran rum.

Marleen:  „Kannst du was lesen?“

Ich:            „Nee. Man kann aber auch überhaupt nichts sehen……“ Ich fummle wieder und versuche etwas zu lesen.

Ein anderes Thema gewinnt für einen Augenblick die Überhand. Dann wieder…..

Marleen:  „Meinst du, das gehört vielleicht zu dem Junggesellenabschied?“

Ich:            „Hm…..möglich….“ Fummel „Und wenn wir mal rein sehen?“

Ich hoffe, meine Freundin schenkt mir mit einem Blick das Recht dazu und sehe sie an. Sie nickt….finde ich.

Ich:            „Ich könnte sie ganz klein und ordentlich wieder zusammen rollen!“

Marleen:  „Meinst du das geht?“

Da hatte ich es schon rausgefrickelt.

Marleen:  „Und?? Was steht denn drin?“

Eine Computerschrift kommt zum Vorschein und gibt ein Rätsel preis. Plötzlich steht ein kleines Mädchen vor mir und sieht mich mit ihren großen blauen Augen an:

„Darf ich meinen Zettel bitte haben?“ Plötzlich stehen sogar ganz viele Kinder und 2 Frauen um uns herum und starren uns mit erwartungsvollen Augen an.

Erdboden, tue dich bitte auf. Habe ich hier gerade Kinder verstört, die auf einer Schnitzeljagd waren? Ein Geburtstag vielleicht? Shit. Ach, vielleicht waren die ja auch ganz froh darum, dass wir ihren Zettel gefunden haben. Von da unten hätten die den Zettel vielleicht gar nicht gefunden….Ich lächle so breit ich kann, drück‘ den Zettel ab und schnell trollen wir uns zum Chinesischen Turm. Mittag. Es ist immer von entscheidender Wichtigkeit, Anstrengung und Entspannung in Balance zu bringen 😉

Ein Spaziergang durch den englischen Garten

führt uns anschließend zu den Eisbachsurfern. Auch hier ergattern wir ein sonniges Plätzchen und sehen den Surfern interessiert bei ihrem Sport zu. Es ist absolut erstaunlich, welche Kraft der Eisbach an dieser Stelle aufbringt.

Wir schlendern weiter, lassen uns noch immer von dem Flair der Stadt treiben. Unser Weg führt uns über den alten Südfriedhof. Eine wirklich interessante Ruhestätte, die von vielen auch als Park genutzt wird. Wir treffen Walker ebenso, wie Leute, die ihre Brotzeit auf einer Bank einnehmen und über Politik diskutieren. Während wir die alten Grabstätten bestaunen, duftet es nach…..Pizza? Pasta? Was war das?……..Knoblauch! Wo kam denn der starke Knoblauchduft her? Marleen und ich sahen uns um, bis wir einen gigantischen Teppich aus Bärlauch zu unseren Füßen erkannten. Dabei fiel mir ein, ich müsste dringend mal wieder ein Bärlauchpesto zubereiten! Aber nicht von dem hier…..hier zu pflücken erschien mir ….ähm, nicht passend.

Weiter gingen wir, bis wir in einem kleinen italienischen Lokal nahe der Innenstadt landen. Es ist schon fast dunkel als wir hier, wieder ausreichend erschöpft, landen. Dieses Mal, finden wir sogar das Hotel ohne Umwege.

Am nächsten Morgen geht es leider wieder zügig los. Zu spät erkenne ich, dass ich das Mittelteil der Duschtür scheinbar nicht geschlossen hatte. Als mir der erstaunlich klare Durchblick der Duschtür merkwürdig vorkommt, ist es auch schon zu spät. Als ich also mit Wischen fertig bin, befassen wir uns damit den Koffer wieder zu packen. Alles klappt wie am Schnürchen und ehe wir uns versehen, landet die Maschine schon wieder in der Heimat.

Und ich kann nur sagen: Schön war’s!!! München, immer wieder gerne.

Emily

8 Gedanken zu „München & Bärlauch auf dem Friedhof

  1. Hi Emily,

    klasse geschrieben, man hat beim Lesen das Gefühl man wäre mit dabei gewesen. Wünsche Dir einen super Start in die Woche (hoffentlich nicht mit all zuviel Sehnsucht nach München). Gruss Lebensumbau.

  2. Ich bin ja auch nicht die gerne lang Leserein, aber diese Story hat mich gefesselt, da sie supergut geschrieben ist.

    Schön, daß alles fast reibungslos gelaufen ist 🙄 eben fast, aber dafür hattest Du München und kannst bald die Freidenkerin besuchen, das ist wieder eine Reise wert denke ich.

    GLG Marianne 🙂

  3. Liebe Marianne, manche Geschichten ufern aus 😉 Schön, dass du trotzdem durchgehalten hast!! München ist wirklich immer wieder eine Reise wert! Liebe Grüße, Emily

  4. Liebe Emily,

    wirklich schön geschrieben. Und da ich ja in München arbeite, kenne ich die Gegend auch einigermaßen, so dass ich jedes Mal gedacht habe: „Ach, da waren sie … “ 🙂

    Es hat Spaß gemacht, deine Reise mit zu erleben und ich freue mich, dass dir München so gut gefällt. Ich bin ja keine gebürtige Bayerin und mich hat München auch von Anfang an fasziniert.

    Danke für den tollen Reisebericht. 🙂
    Liebe Grüße,
    Rima

    • Oh! Danke liebe Rima für das tolle Kompliment! Habe mich wirklich sehr darüber gefreut. Sehr schön, dass du uns folgen konntest 😉 Liebe Grüße, Emily

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